Christian Ganser ist mit seinem Metalldetektor am Rheinufer unterwegs. Während er die Sonde über Steinformationen gleiten lässt, sind immer wieder Töne zu hören. Mal heller, mal dumpfer, ein beständiges Auf und Ab. Manchmal hält er inne, schwenkt gezielt über Spalten und Ritzen, bis er schließlich ausruft: "Das ist ein guter Ton!".
Er legt die Sonde ab, greift zu seiner Spitzhacke und räumt den Weg frei. Mit einem sogenannten "Pinpointer", einem etwa stiftgroßen Metalldetektor nähert er sich dem Objekt seiner Begierde an: "Je schneller der Ton, desto näher bin ich dran", erklärt er. Mit seinen bloßen Händen wühlt er zwischen Dreck und Steinen herum, bis er schließlich ein kleines Eisenstückchen hervorholt.
Suche nach Schätzen braucht viel Geduld
"Das ist nix", meint Ganser und wirft das rostige Teil in einen Eimer - seinen "Mülleimer", wie er ihn nennt. Auch die nächsten Funde landen dort. "Man muss auch Frustrationstoleranz besitzen bei dem Hobby", meint er. Und Geduld. Oft dauere es ein bis zwei Stunden, bis der erste interessante Fund auftaucht. "Aber mit der Zeit weiß man, er kommt auf jeden Fall", unterstreicht der 45-Jährige.
Diese kleine Zeitreise, auf die mich jeder Fund schickt, das macht für mich den Reiz am Suchen aus.
Christian Ganser ist schon seit vielen Jahren als Schatzsucher unterwegs - einen Leidenschaft, die er auf seine Abenteuerlust aus Kindheitstagen zurückführt. "Ich hab die falschen Bücher gelesen - oder die richtigen - Schatzinsel, Troja, alles mögliche", meint er lachend. Hinzu kommt sein historisches Interesse und die Neugier, herauszufinden, was es mit den Fundstücken auf sich hat: "Diese kleine Zeitreise, auf die mich jeder Fund schickt, das macht für mich den Reiz am Suchen aus."
Kampfplatz im Dreißigjährigen Krieg
Als er kurze Zeit später eine kleine Bleikugel aus einer Spalte zieht, kann er mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es sich dabei um ein Geschoss aus dem 17. Jahrhundert handelt - vermutlich aus dem Dreißigjährigen Krieg. "Ich weiß, dass wir hier einen Kampfplatz hatten, wo auch geschossen wurde", berichtet Ganser.
Der Koblenzer war schon mehrfach an der Stelle unterwegs mit seinem Metalldetektor - hat dort unter anderem auch schon römische Münzen gefunden. Das Niedrigwasser ermöglicht es ihm jetzt, auch noch Areale zu untersuchen, an die man sonst nicht herankommt: "Wir kommen hier in Bereiche des Flusses, die seit Jahrhunderten nicht erreichbar waren und da liegen viele tolle Sachen", sagt er.
Schatzsucher findet Pfeilspitze aus der Bronzezeit
Nach einer alten Metallschnalle und weiteren Bleikugeln findet Ganser dann unter einem Stein etwas, das selbst den erfahrenen Schatzsucher in Begeisterung versetzt: "Ich habe hier tatsächlich eine 3.000 Jahre alte Bronze-Pfeilspitze entdeckt". Er macht ein Foto der Pfeilspitze und notiert sich die Koordinaten - um sie später dem Landesamt für Archäologie zu übermitteln.
Wenn nur eine einzige Sache dabei ist, die es wert ist, den Archäologen zu melden, dann ist es ein guter Tag gewesen.
Ganser gehört zu rund 200 Hobby-Schatzsuchern, die mit Erlaubnis des Landes unterwegs sind und berichtet bei Instagram unter dem Namen @confluentia.explorations über seine Streifzüge. In regelmäßigen Abständen gibt er seine bedeutenden Funde ab. Manche davon bekommt er nach ausgiebiger Untersuchung wieder, andere kann er mittlerweile im Museum begutachten. Wie etwa einen aufwändigen Brustschmuck aus der Bronzezeit, den er vor einigen Jahren bei Dachsenhausen im Wald gefunden hat.
Ein solcher Sensationsfund bleibt an diesem Tag am Rheinufer jedoch aus. Aber Ganser ist trotzdem zufrieden: "Wenn nur eine einzige Sache dabei ist, die es wert ist, den Archäologen zu melden, dann ist es ein guter Tag gewesen." Ganser ist sich sicher, es wird nicht der letzte Ausflug mit dem Metalldetektor am Rheinufer gewesen sein: "Das Niedrigwasser muss man ausnutzen, ich werd' bald wiederkommen."