Dem Wolf auf der Spur

So arbeitet ein ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter im Westerwald

Paul Bergweiler hat ein ungewöhnliches Ehrenamt: Er ist Wolfsbeauftragter im Westerwald und damit erster Ansprechpartner, wenn ein Wolf gesichtet wird. Und das kommt immer häufiger vor.

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Von Autor/in Ursula Barzen

Paul Bergweiler vergleicht sein Ehrenamt als Wolfsbeauftragter ein bisschen mit dem Job eines Spurensicherers der Polizei. Wenn das Telefon bei ihm klingelt, fährt der Biologe aus Unkel (Kreis Neuwied) raus zu dem Ort, wo der Wolf gesichtet oder wo ein Wildtier mit Fraßspuren gefunden wurde.

Wolfsbeauftragter dokumentiert, misst und nimmt Proben

Dann dokumentiert er alles mit Fotos, misst mit dem Zentimetermaß Bisse und Löcher im Fell aus, nimmt mit Wattestäbchen Abstriche von den Fraßstellen und schickt die Proben ins Senckenberg-Institut in Gelnhausen. Das Institut untersucht dann das genetische Material und checkt die Datenbank, in der alle nachgewiesenen Wölfe enthalten sind. Erst danach ist klar, ob es sich wirklich um einen Wolfsriss gehandelt hat.

Seit 2014 ehrenamtlich dem Wolf im Westerwald auf der Spur

Paul Bergweiler ist seit 2014 ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter und für den westlichen Teil des Kreises Altenkirchen und für den nördlichen Teil des Kreises Neuwied zuständig.

Ich hätte eigentlich nie damit gerechnet, dass das ernsthaft dann auch dazu führt, dass ich irgendwie was machen muss.

Als der mittlerweile 71-Jährige damals gefragt wurde, ob er sich das Ehrenamt vorstellen könne, sagte der Biologe, der sich sehr für den Artenschutz interessiert, spontan zu. "Ich hätte eigentlich nie damit gerechnet, dass das ernsthaft dann auch dazu führt, dass ich irgendwie was machen muss," erzählt Bergweiler und schmunzelt.

Die meisten Wolfssichtungen kommen von Jägern

Da hatte er sich offenbar ordentlich verschätzt. Landwirte, Jäger oder auch Spaziergänger riefen bei ihm Tag und Nacht an, meldeten ein angefressenes Kalb, ein Reh ohne Ohr oder einfach nur ein Heulen in der Nacht.

80 Prozent der Anrufer seien Jäger, sagt Bergweiler. Aber auch immer mehr Privatpersonen melden sich, weil sie glauben, einen Wolf gesehen zu haben. Zwischen 100 und 150 Hinweise hat Bergweiler in den vergangenen Jahren erhalten. Er gehe jedem Hinweis nach, auch wenn er meist aus Erfahrung schon vorher abschätzen könne, ob es wirklich ein Wolf war.

Wolf mit dem Handy gefilmt

Wie in einem Fall, als ein Jäger in seinem Revier einen Hasen ohne Kopf entdeckte. Der Jäger sei absolut davon überzeugt gewesen, dass ein Wolf den Kopf abgerissen habe, erinnert sich Bergweiler. "Da habe ich versucht, ihm deutlich zu machen, wenn das ein Wolf war, dann hätte er den ganzen Hasen mitgenommen und nicht nur den Kopf abgebissen, das ist typisch Fuchs." Aber der Jäger habe sich nicht überzeugen lassen. "Der hat irgendwann aufgelegt und sich vielleicht gedacht, so ein inkompetenter Laie."

Einen echten Wolfsnachweis lieferte dagegen ein Jäger, der morgens aus seinem Badezimmerfenster einen Wolf auf seiner Wiese sichtete. "Er hat dann geistesgegenwärtig durch sein Fernglas mit dem Handy den Wolf gefilmt und das wurde von Experten als sicherer Nachweis für einen Wolf anerkannt", erinnert sich Bergweiler. Die Experten sind Mitarbeitende des Koordinationszentrum Luchs und Wolf (KLUWO).

Mehrere hundert Stunden im Jahr unterwegs

Mehrere hundert Stunden im Jahr ist Bergweiler als Großkarnivorenbeauftragter, so heißt der Wolfsbeauftragte offiziell, unterwegs. Dafür bekommt er eine Aufwandsentschädigung. Er sei wahrscheinlich der Dienstälteste, sagt er. Und das wird er wohl auch bleiben, denn das Ehrenamt macht ihm auch nach elf Jahren noch sichtlich Spaß.

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Ursula Barzen