Stell Dir vor es ist Winter und es gibt kein Gas! Damit genau das nicht passiert, gibt es Speicher für Erdgas - einer davon ist in Frankenthal. Aber der dortige Erdspeicher ist nicht mal auf Reserve, sondern er ist völlig leer.
Gasspeicher in Frankenthal ist ganz leer
Ganz offiziell ausgedrückt heißt das so: "Der Arbeitsgasfüllstand des Enovos Erdgasspeichers in Frankenthal liegt derzeit bei 0 Prozent." Das schreibt ein Sprecher der Firma "Enovos Storage" mit Sitz in Saarbrücken, die den Gasspeicher in Frankenthal betreibt, dem SWR.
Zum Vergleich: Im Jahr 2022 war der Speicher in Frankenthal Ende August zu fast 100 Prozent gefüllt. Ursache für den leeren Speicher seien die aktuellen Marktbedingungen: "Insbesondere der negative Sommer-Winter-Spread macht es für Marktteilnehmer derzeit wirtschaftlich unattraktiv, Gas im Sommer einzukaufen, einzuspeichern und für den kommenden Winter vorzuhalten."
Gas einspeichern lohnt sich zurzeit offenbar nicht
Unter dem "Sommer-Winter-Spread" verstehen Fachleute die Preisdifferenz zwischen dem Winter-Gaspreis und dem im Frühjahr und Sommer. Wenn im Winter hohe Preise zu erwarten sind, dann lohnt sich das Einlagern. Sind Sommer- und Winterpreis gleich oder der Winterpreis sogar noch niedriger, dann lohnt sich das nicht.
Niemand will derzeit Erdgas in Frankenthal lagern
Im Moment ist es so, dass im Winter keine höheren Preise zu erwarten sind. Der Sprecher der Gasspeicher-Firma in Frankenthal schreibt dem SWR: "Entsprechend besteht aktuell nur eine geringe Nachfrage nach Speicherkapazitäten, sodass bislang keine Kapazitäten gebucht wurden und keine Befüllung erfolgt ist."
Gasversorger vor Ort machen sich keine Sorgen
Viele regionale Gasversorger sind offenbar dennoch entspannt: Werner Brommko vom regionalen Anbieter Pfalzgas ist beispielsweise ganz gelassen. Denn der Speicher sei eher für große Händler gedacht, sagt er dem SWR. Noch wichtiger: "Wir haben unseren Bedarf für 2026 schon gedeckt und auch für 2027 schon zu 80 Prozent."
2028 oder 2029 werden die Terminmarktpreise fallen.
Ob die 60.000 Kunden von Pfalzgas, Privatleute und Firmen mehr für ihr Gas zahlen müssen, ist unklar. Fest steht laut Gasexperte Brommko nur: "2028 oder 2029 werden die Terminmarktpreise fallen". Terminmarktpreise sind die Preise, die die Gasversorger und Händler bezahlen. Für 2028 habe sich Pfalzgas schon Mengen gesichert.
Und Werner Brommko ist auch aus einem weiteren Grund entspannt: "Wir haben eine andere Versorgungssituation als beim Ausbruch des Ukraine-Kriegs". Es gebe jetzt viel mehr Flüssiggas-Terminals. "Die Speicher spielen gar nicht mehr diese große Rolle," so Werner Brommko.
Deutschlandweit niedriger Gasspeicher-Stand
Nach Branchenangaben sind die Gasspeicher zurzeit in Deutschland zu 50 Prozent gefüllt. Nach Angaben des Branchenverbands Initiative Energien Speichern (Ines) handelt es sich um den niedrigsten Stand seit Start der Aufzeichnungen im Jahr 2011.
Im vergangenen Jahr waren es fast 70 Prozent zum gleichen Zeitpunkt. Die eigentlich vom Staat vorgegebene Befüllung der Gasspeicher auf 70 Prozent bis Anfang November ist nach Einschätzung aus der Energiebranche kaum mehr zu schaffen.
Einspeichern von Gas aktuell "nur langsam"
"Das ist irgendwann physikalisch nicht mehr möglich", sagte eine Sprecherin des Stromlobbyverbandes BDEW im Deutschlandfunk. Es werde trotz hoher Gaspreise beim Einkauf zwar weiter eingespeichert, aber nur langsam. Noch sei die Vorgabe für die Füllstände erreichbar. "Aber es wird immer enger."
Trotz allem dürften Gaskunden in der Pfalz entspannt in den Winter schauen. Vor allem, wenn sie ihr Gas von einem regionalen Anbieter beziehen, der sich schon mit genug Erdgas eingedeckt hat.