Er hat die Sandalen längst ausgezogen, bevor es Mittagessen gibt. Draußen auf dem Parkplatz hat es 30 Grad, drinnen im Raum streifen seine nackten Füße über den Boden. Neben ihm dreht sich ein Ventilator, er atmet laut. "Bin ich froh, wenn ich wieder daheim bin", sagt er. "Wolfgang, was willst du daheim?", fragt ein anderer Mann. "Da sterben die meisten Leute!"
Die beiden Männer sitzen im Neubau der Begegnungsstätte "Lichtblick" in Neustadt. Im Dezember 2024 wurde der 50 Quadratmeter große Raum eröffnet. Er ist ein Ort, an dem arme und obdachlose Menschen kostenloses Frühstück und billiges Mittagessen bekommen. Und: An dem sie sich ausruhen können von der Hitze.
Obdachlosenhilfe im Sommer: Schutz vor Sonne und Hitze
"Der Winter ist in der Obdachlosenarbeit in aller Munde, doch auch der Sommer birgt viele Tücken", sagt Robin Rothe, Leiter des Lichtsblicks. Er spricht von Kreislaufschwierigkeiten bei obdachlosen Menschen und von Schutzlosigkeit gegenüber der Hitze. "Es ist einfach wahnsinnig heiß", sagt er. "Ich habe noch nie einen Obdachlosen mit Sonnencreme gesehen."
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Das Mittagessen am Dienstag im Lichtblick: Kartoffelsalat, dazu ein kleines Eis. Im Neubau des Lichtblicks treffen sich die Leute, 15 Menschen füllen den Raum. Manche essen, andere trinken Kaffee, ein Mann liest Zeitung.
Der Lichtblick in Neustadt als sozialer Treffpunkt
Hier sitzen unter anderem: Wolfgang, der glücklicherweise in Schifferstadt ein Zuhause hat und nur ab und zu hierher kommt. Eine Frau aus der Ukraine, die kein Deutsch spricht und dem Reporter Kaffee, Tee, ein süßes Gebäck und zwei Sandwiches auf den Tisch legt. Und ein Mann, der sich als der Älteste vorstellt, 88 Jahre alt, und der jeden Tag hier ist. Er ist trockener Alkoholiker, sagt er. Hier im Lichtblick kriegt er günstiges Essen und Gespräche. "Meine Frau ist vor einigen Jahren gestorben."
Wie viele Menschen in Rheinland-Pfalz obdachlos sind, ist unklar. Menschen, die auf der Straße oder bei Bekannten leben, könnten statistisch schwer erfasst werden. Fest steht: Obdachlose Menschen leiden besonders unter der Hitze.
Obdachlosigkeit bei Hitze: Dehydratation und Flucht in den Wald
"Wir hatten in den letzten Jahren immer mal wieder Menschen hier, die im Sommer dehydriert sind oder denen der Kreislauf umgekippt ist", sagt Robin Rothe. Er leitet den Lichtblick seit fünf Jahren.
Ob Wolfgang, die Ukrainerin oder der Älteste - sie alle schützen sich beim Lichtblick vor der Hitze. "Viele Obdachlose gehen bei den Temperaturen aber auch in den Wald", sagt der Älteste. "In der zubetonierten Stadt hält man es jetzt ja nicht aus."
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Obdachlosenhilfe - Solidarität zu jeder Jahreszeit
Lichtblick-Leiter Rothe empfiehlt obdachlosen Menschen zwar, die städtische Notunterkünfte bei der Hitze zu kontaktieren. Dort gebe es Schlafmöglichkeiten und Schutz vor der Sonne. Dies sei aber nicht für alle eine Option, sagt er. "Es gibt in der Stadt auch vereinzelt Brunnen zum Abkühlen, aber eben voll in der Öffentlichkeit", sagt Rothe. "Das ist vielen Obdachlosen unangenehm."
Er wünscht sich, dass wir alle solidarischer miteinander umgehen, gerade jetzt im Sommer: „Wir sollten aufeinander achtgeben. Wenn jemand Kreislaufschwierigkeiten hat, nicht zögern. Sondern bitte helfen“, sagt Rothe.
Und dann ist das Mittagessen in der Begegnungsstätte des Lichtblicks auch schon vorbei. Wolfgang fährt gleich noch nach Mannheim, sagt er, er wolle noch was holen. Ein anderer Mann liest weiter in seiner Zeitung. Die Ukrainerin ist gegangen. In ein paar Tagen soll es endlich kühler werden.