32 Grad, leichter Wind, herrliches Badewetter. Michael Tiesler von der DLRG (Deutsche-Lebensrettungs-Gesellschaft) in Speyer hat einen ruhigen Vormittag. Unter der Woche ist nicht viel los an den vielen kleinen Badestränden, nur ein paar Menschen sind mit ihren Hunden gekommen.
Die DLRG hält hier am Wochenende Wache. Sie ist stets bereit, mit Rettungsschwimmern und Tauchern zu helfen, wenn es drauf ankommt. Am vergangenen Samstag war Michael Tiesler vor Ort, als der Anruf kam, dass 200 Meter von seiner Position entfernt ein Mann untergangen ist.
Traurige Gewissheit nach Badeunfall 37-jähriger Vermisster im Binsfeldsee in Speyer tot aufgefunden
Der 37-Jährige, der am Samstag im Binsfeldsee in Speyer untergegangen ist, wurde heute tot aufgefunden. Er war seit Samstagnachmittag vermisst, Rettungskräfte suchten stundenlang.
Eingeschränkte Sicht und tiefes Wasser
Der Rentner ist, wie alle DLRG-Retter am Binsfeldsee, ehrenamtlich im Einsatz. Er blickt auf den See und erinnert sich: "Eine Frau hat angerufen, dass ein Mensch eventuell Hilfe benötigt. Sie war unsicher. Als wir dann kamen, war der Mann bereits untergegangen. An der Stelle geht es hinter einer Sandbank schnell 14 Meter in die Tiefe, es gibt viele Seepflanzen, die Sicht ist auf rund 30 bis 40 Zentimeter begrenzt."
Insgesamt etwa 40 Helferinnen und Helfer suchen nach dem 37-Jährigen, der schließlich tot geborgen wird. Ob er schwimmen konnte oder sonstige gesundheitliche Einschränkungen vorlagen, ist noch nicht bekannt. Die Obduktion des Leichnams ist nach Polizeiangaben für Montag geplant. Vier Menschen sind laut DLRG im Juni dieses Jahres bei Badeunfällen in Rheinland-Pfalz ertrunken.
Alle zwei Jahre ein Todesfall
"Im Schnitt ertrinkt hier etwa alle zwei Jahre jemand, die Zahl hat sich nicht verändert, seitdem ich vor mehr als 40 Jahren angefangen habe", erzählt Michael Tiesler. "Pro Saison müssen wir etwa dreißig Mal Erste-Hilfe leisten. Rund sieben Mal kommt der Rettungswagen. Wir sind mit den Leitstellen verbunden, alle Kioske hier haben die Nummer der DLRG-Wache. Aber bei zehn Kilometer unübersichtlicher Uferlinie können wir nicht überall sein."
Schwimmboje kann Sicherheit geben
Tiesler appelliert an die Schwimmerinnen und Schwimmer, ihren Zustand und ihre Fähigkeiten stets realistisch einzuschätzen, bevor sie ins Wasser gehen. Auch eine Schwimm-Boje kann Sicherheit geben, wenn man zum Beispiel einen Krampf bekommt: "In dem Moment, in dem ich merke, dass ich erschöpft bin oder dass mein Kreislauf eine kleine Delle nach unten hat, kann ich mich an der Boje festhalten. Wenn es ein wirkliches schlagartiges Kreislaufversagen ist, dann helfen diese Bojen auch nicht besonders viel."
Holen Sie Hilfe!
Für Menschen, die sehen, dass jemand Probleme hat, gilt: Laut schreien, Öffentlichkeit herstellen. "Versuchen Sie nicht, alleine zu retten. Wer es sich zutraut, kann ins Wasser gehen und versuchen, direkt an der Person Hilfe zu leisten. Was aber ganz wichtig ist: Wählen Sie den Notruf 112, dann werden die Retter informiert, die auch wirklich professionell helfen können", ergänzt Michael Tiesler.
Und ganz wichtig: Eltern sollten ihre Kinder nie aus den Augen lassen, nicht aufs Smartphone gucken. "20 Sekunden den Blick abwenden, sind 15 Sekunden zu viel", sagt Michael Tiesler, ehe er zurück in die DLRG-Wache geht. Putzen, kontrollieren, vorbereiten. Denn der nächste Einsatz kommt bestimmt.