Für den Bau seiner Sommerresidenz hat sich Bayernkönig Ludwig I. wahrlich ein schönes Plätzchen ausgesucht: Am Rande des Pfälzerwalds thront das Schloss über Edenkoben (Kreis Südliche Weinstraße) mit weitem Blick auf die Rheinebene.
Jetzt nach der Sanierung strahlt die Villa frisch gestrichen in hellem Gelb, schwärmt Angela Kaiser-Lahme, Direktorin von Burgen, Schlösser, Altertümer bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE). Sie zählt auf: Der gesamte Putz wurde abgeklopft und erneuert. Mehr als hundert Fenster wurden abgeklebt und neu gestrichen. Ja und erst die Außenanlage.
Wiedereröffnung Ende August Sanierte Villa Ludwigshöhe: Schlafzimmer vom König, Badezimmer von Kohl
Ende August sollen die Türen des Sommerschlosses von Bayernkönig Ludwig I. wieder fürs Publikum aufgehen. Wir beantworten wichtige Fragen vorab.
Villa Ludwigshöhe: Außen komplett neu und barrierefrei
Die Außenanlage sei komplett neu angelegt und geeignet für Rollstuhlfahrer: wie ein kleiner Park mit neuen Pflanzen, neuen Toiletten und einem tollen Zugang in die Villa. Im Inneren der Villa ist ebenfalls alles neu gestrichen und restauriert. Dadurch wirken die Räume heller und luftiger als früher, eben lichtdurchflutet.
Wie lebte König Ludwig in seinem Ferienschloss?
Hier ein erster Blick hinter die Kulissen. Mit der Wiedereröffnung erhalten die Schlossbesucher auch neue Einblicke in das Privatleben König Ludwigs und seiner Gemahlin Therese:
Sommerschloss multimedial erkunden
Neu sind auch Audio-Guides- und Video-Stationen. Damit können Besucher das Schloss nun auf eigene Faust erkunden. Außerdem informieren Tafeln in jedem Raum über dessen Geschichte und es gibt Medienräume zu den historischen Hintergründen, erklärt Denkmalpflegerin Kaiser-Lahme. Damit das Schloss für alle zugänglich ist wurde auch ein Fahrstuhl eingebaut.
Neues Konzept: Reise durch 170 Jahre Villa Ludwigshöhe.
Das gesamte Konzept, wie das Schloss präsentiert wird, ist laut Kaiser-Lahme neu. Denn viel vom Inventar aus Ludwigs Zeit ist verschollen. Jetzt könne der Besucher eine kleine Reise durch die 170-jährige Geschichte des Schlosses machen: angefangen bei Ludwigs Schlafzimmer aus den 1860er Jahren bis hin zu "Kohls Badezimmer" aus den 1980er Jahren.
Die Regierung unter Bundeskanzler Kohl hatte die Villa als Gästeresidenz umbauen lassen und das Bad mit goldenen Wasserhähnen versehen, erzählt Kaiser-Lahme. Es erinnere an Erich Honeckers Badezimmer im Schloss Schönhausen in Berlin. Mit dem Unterschied, dass die Kohl-Regierung die Villa nie wirklich als Gästehaus genutzt habe.
Villa Ludwigshöhe mit neuen, wechselnden Ausstellungen
Neu sei auch die Konzeption der Ausstellungen, sagte die Direktorin von Burgen Schlösser Altertümer. So soll es künftig mehrere wechselnde Ausstellungen mit verschiedenen Schwerpunkten geben. Das betrifft auch die Max-Slevogt-Galerie, die nun in "Galerien" umbenannt ist.
Los geht es bei der Wiedereröffnung am Wochenende gleich mit drei Ausstellungen. In den Galerien werden Werke zweier Wahlpfälzer gezeigt: die des impressionistischen Malers und Wahlpfälzers Max Slevogt und des bekannten Nachkriegsmalers Rolf Müller-Landau. Außerdem sind Werke des Malers Otto Dill (1884 Neustadt bsi 1957 Bad Dürkheim) zu sehen, der vor allem für seine Pferde- und Raubtierdarstellungen bekannt ist.
Keramik-Kunst und Familienausstellung "Spuren, Schätze, Sagen"
Im Gewölbe der Villa ist eine Ausstellung der bekannten Keramik-Künstlerin Lotte Reimers gewidmet. Zu sehen ist eine Auswahl an Arbeiten aus ihrem 50-jährigen Schaffen. Lotte Reimers ist Mitbegründerin des Museums für moderne Keramik. Sie ist inzwischen 93 Jahre alt und lebt seit 1961 in Deidesheim.
Außerdem wird auch die neue Wanderausstellung "Spuren, Schätze, Sagen" erstmals gezeigt. Sie wurde in einem deutsch-französischen Projekt zu Burgen am Oberrhein entwickelt. Zu sehen sind archäologische Funde an den Burgen, die laut Kaiser-Lahme wahre Schätze sind. Außerdem werden Sagen und Legenden rund um die Burgen vermittelt, etwa an Hörstationen und mit Comics. Dazu sagt GDKE-Schlösser-Direktorin Kaiser-Lahme:
Zwei Tage lang kostenlos ins restaurierte Schloss
Am Freitagabend begannen die Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung. Und zwar mit einem großen Sommerfest an der Villa zu Ehren des Geburtstags von Bayernkönig Ludwig.
Auf das Schlossfest am Freitagabend folgt das Eröffnungswochenende am Samstag und Sonntag. Dann können Besucherinnen und Besucher zwischen 10 und 18 Uhr das frisch restaurierte Schloss besichtigen. Die Generaldirektion Kulturelles Erbe weist daraufhin, dass nur eine begrenze Anzahl an Gästen Zutritt zur Villa hat. Dadurch könne es zu Wartezeiten kommen. Der Einritt zum Sommerfest und in die königlichen Gemächer samt Ausstellungen ist frei.
Die Sanierung der Villa dauerte mit sechs Jahren doppelt so lange wie ursprünglich geplant. Als Gründe dafür nennt die Schlösser-Direktorin: Krankheits- und Firmenausfälle wegen Corona, fehlendes Baumaterial wegen des Ukraine-Kriegs und die unerwarteten Mängel an der Dachkonstruktion. Vor allem weil das Dach dann komplett saniert werden musste, seien die Kosten so exorbitant gestiegen: von elf Millionen Euro auf rund 16 Millionen Euro. Weitere vier Millionen Euro kostete die Außenanlage.