Alte Obstsorten bewahren

Paradies für Wildtiere: Kinder aus Jugenheim retten alte Obstsorten

Schaufel, Spaten, Gießkanne und eine große Portion Spaß: Mehr braucht es nicht, damit in Jugenheim (Landkreis Mainz-Bingen) eine komplette Obstwiese nur für Wildtiere entsteht. Gepflanzt wurden die Bäume von etwa 15 Kita-Kindern.

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Von Autor/in Vanessa Siemers

Aufgeregt und voller Vorfreude warten die Kinder vor ihrer Kita darauf, dass es endlich losgeht. Ein Traktor mit Planwagen bringt die Kids zu einer Wiese, die sich in der Nähe des Waldrands befindet. Dort wollen sie zusammen mit einigen Eltern, Jägern und Senioren 20 Obstbäume pflanzen. "Die Idee für die Aktion hatten die Jäger des Ortes", erklärt Gaby Jonethal, die die Aktion mitorganisiert.

An der künftigen Streuobstwiese angekommen, hält es die Kinder nicht länger auf ihren Sitzen. Voller Tatendrang rennen sie zu dem Anhänger, auf dem sich die Obstbäume befinden. Jedes Kind bekommt einen eigenen Baum. "Die Kinder sollen sich für ihren Baum verantwortlich fühlen", sagt Jonethal.

Die Kinder können sich aussuchen, ob sie einen Apfel- oder einen Birnenbaum pflanzen wollen.
Die Kinder können sich aussuchen, ob sie einen Apfel- oder einen Birnenbaum pflanzen wollen.

Alte Sorten sollen zum Naturschutz beitragen

Wählen können die Kids zwischen Apfel- und Birnenbäumen. "Das Besondere daran ist, dass es alles alte deutsche Obstsorten sind, die man so im Supermarkt nicht mehr findet und die vom Aussterben bedroht sind", sagt Jonethal.

Wir pflanzen alte deutsche Obstsorten […], die vom Aussterben bedroht sind.

Mit der Pflanzaktion wollen die Organisatoren den Kindern nicht nur die Natur näherbringen, sie wollen damit gleichzeitig auch ein Stück deutsches Kulturgut bewahren.

Mit Spaten und Schaufeln graben die Kinder und ihre Helfer tiefe Löcher in den Boden.
Mit Spaten und Schaufeln graben die Kinder und ihre Helfer tiefe Löcher in den Boden.

Mit Schaufeln und Spaten ausgerüstet, buddeln die Kinder zusammen mit den Erwachsenen zunächst ein großes Loch. Innerhalb weniger Minuten sind die ersten Jeans schon dreckig. "Manche haben noch nie in der Erde gebuddelt oder einen Baum gepflanzt", erzählt Jonethal. "Es ist einfach eine Aktion, die Jung und Alt sehr stark verbindet."

Viel Spaß bei Baumpflanzaktion

Den Kindern macht die Aktion sichtlich Spaß. Julian findet beim Loch buddeln sogar einige Regenwürmer und einen Käfer. Und auch Anton ist ganz begeistert. Nach etwa einer halben Stunde steht sein Baum im Loch. Zum mittlerweile dritten Mal geht er an den Wassertank, um seine Gießkanne aufzufüllen. "Am schönsten ist das Gießen", erzählt er.

Julian entdeckt beim Ausbuddeln des Lochs sogar einige Regenwürmer und einen Käfer.
Julian entdeckt beim Ausbuddeln des Lochs sogar einige Regenwürmer und einen Käfer.

Der 6-jährige Henry pflanzt sogar schon seinen zweiten Obstbaum. "Der kann Agrarwirt werden", lacht einer der Organisatoren. "Es ist zwar ein bisschen schwer, aber es macht auch viel Spaß", freut sich Henry.

Wildtiere sollen von Fallobst naschen

Nach knapp zwei Stunden sind alle Obstbäume gepflanzt und gegossen. Als Erinnerung dürfen die Kinder an ihre selbst gepflanzten Bäume noch ihren Namen schreiben.

Mit einem Filzstift schreiben die Kinder ihren Namen auf die Pfähle oder die Stämme der neu eingepflanzten Bäume.
Mit einem Filzstift schreiben die Kinder ihren Namen auf die neu eingepflanzten Bäume.

Bis die Bäume zum ersten Mal Früchte tragen, müssen sich die Kleinen aber noch etwas gedulden. Eingesammelt beziehungsweise geerntet werden die Äpfel und Birnen später aber ohnehin nicht. "Das Obst soll als Fallobst für Wildtiere dienen", erklärt Jonethal. Und damit es auch immer genügend Früchte gibt, kümmern sich die Senioren zusammen mit den Jägern in den nächsten Jahren um die Pflege der Bäume.

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Autor/in
Vanessa Siemers
SWR-Redakteurin Vanessa Siemers

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