Syphilis ist eine Krankheit, die viele für ausgestorben hielten. Doch weit gefehlt: Laut einer Auswertung eines Erotikportals, das sich auf Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) beruft, weist Trier ähnlich hohe Fallzahlen auf wie die Städte Köln oder Frankfurt. Trier liegt nach Angaben des RKI, gemessen an seiner Einwohnerzahl, bei den Syphilis-Infektionen auf dem vorderen Platz.
Systematische Tests erhöhen die Fallzahlen
Ein Grund dafür: Geflüchtete beispielsweise werden in Trier systematisch auf Syphilis getestet. Das sind etwa zwei Drittel aller Asylbegehrenden, die nach Rheinland-Pfalz kommen. Alle sind verpflichtet, sich medizinisch untersuchen zu lassen.
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Zur Einordnung: Allein im Jahr 2024 wurden mehr als 7.700 Erwachsene untersucht. Dabei registrierte das Gesundheitsamt insgesamt 51 Syphilis-Fälle - 26 davon entfielen auf Geflüchtete.
Auf welche Krankheiten dabei getestet wird, regeln die Bundesländer selbst. Während Geflüchtete in Nordrhein‑Westfalen beispielsweise nicht routinemäßig auf Syphilis untersucht werden, ist dies in Rheinland‑Pfalz der Fall.
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Sexarbeit in Trier ist weiterer Falltreiber
Ein weiterer Grund für die vergleichsweise hohen Fallzahlen: In Trier gibt es - gemessen an der Stadtgröße - ein relativ hohes Angebot an Prostitution.
Sexarbeiterinnen können sich am Gesundheitsamt Trier-Saarburg regelmäßig kostenfrei, anonym und auch ohne Krankenversicherung testen lassen - und zwar auf Syphilis und andere sexuell übertragbare Infektionen.
Ungeschützter Sex erhöht das Infektionsrisiko
Auch eine vergleichsweise große Community von Männern, die Sex mit Männern haben, spielt eine Rolle. Die Syphilis gilt immer noch als Krankheit von Männern: Rund 90 Prozent der Fälle entfallen auf sie. Gründe sind häufig wechselnde Sexualpartner und ungeschützter Geschlechtsverkehr.
Manche der Männer schützen sich mit Tabletten - der sogenannten Präexpositionsprophylaxe - vor einer HIV-Infektion, weil sie beim Sex auf Kondome verzichten. Die Tablette schützt zwar vor HIV, nicht aber vor der Übertragung von Bakterien der Syphilis.
In Trier wird viel getestet
Nicht zuletzt wird in Trier insgesamt viel auf Geschlechtskrankheiten getestet. Das erklärt ebenfalls die vergleichsweise hohen Fallzahlen, sagt Barbara Noldin‑Bretz vom Gesundheitsamt Trier.
Beim Gesundheitsamt Trier-Saarburg gibt es seit den 1980er-Jahren eine Aidsberatungsstelle. Diese wurde 2012 auch auf andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) erweitert. Dort wird täglich beraten und getestet. Außerdem arbeitet die Stelle mit der Aidshilfe, dem HIV-Qualitätszirkel, dem Arbeitskreis Sexualität und Gesundheit sowie weiteren Einrichtungen zusammen.
Daneben werden sieben Mal im Jahr Aktionen mit Schnelltests im Gesundheitsamt, im Queeren Zentrum "Schmitz", an der Universität Trier sowie während des CSD angeboten. Die Test sind kostenfrei und umfassen HIV, Syphilis, Chlamydien und Gonokokken.
Frühzeitige Behandlung der Syphilis sinnvoll
Das Gesundheitsamt Trier hält die umfangreiche Testpraxis in Rheinland‑Pfalz für sinnvoll, weil Infektionen so frühzeitig erkannt und behandelt werden können, sagt Barbara Noldin‑Bretz.
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Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung schreibt, dass eine Infektion kein Grund ist, sich zu schämen. Wichtig ist eine schnelle Behandlung, da die Krankheit häufig zunächst unbemerkt verläuft. Viele Betroffene geben die Infektion sonst unwissentlich weiter.