An der Unimedizin in Mainz auf der Gastroenterologie leitet heute Medizinstudentin Jasmin Jolani die Visite. "Hallo, Frau Vahldieck, wie geht's Ihnen?", fragt die 28-Jährige ihre Patientin. Die ist wegen einer Leberzirrhose in der Mainzer Uniklinik in Behandlung.
Seit drei Wochen kümmern sich Jasmin Jolani und der angehende Gesundheits- und Krankenpfleger Kevin Kierstein gemeinsam um Sabine Vahldieck. Sie liegt in einem der beiden Zimmer auf der Ausbildungsstation.
Praktische Ausbildung auf der Station in Mainz
Das Besondere ist, dass die Azubis und die Medizinstudierenden auf der Ausbildungsstation alles selbst machen und nicht nur zuschauen. Das heißt, sie kümmern sich um die Behandlung, um Medikamente und am Ende auch um die Entlassung der Patienten.
"Man ist hier viel aktiver. Auf anderen Stationen arbeitet man oft nur zu", sagt Jasmin Jolani. "Hier treffe ich Therapieentscheidungen oder ich melde Blutuntersuchungen an. Ich betreue die Patienten selbstständig."
Ärzte immer als Ansprechpartner im Hintergrund
Bei der Visite und bei den Patientengesprächen sind immer auch Ärzte dabei, aber sie halten sich im Hintergrund. Wenn Jasmin Jolani unsicher ist, kann sie immer fragen. Sie wird eng betreut und über jede Entscheidung schaut ein fertig ausgebildeter Arzt drüber.
So ein gewisser Respekt ist schon dabei. Es sind echte Patienten mit echten Problemen und echten Krankheiten.
Kevin Kierstein macht eine Ausbildung zur Pflegefachkraft. Auch er findet es gut, dass er auf der Ausbildungsstation praktischer arbeiten kann als auf anderen Stationen. "Man macht alles, zum Beispiel Infusionen aufziehen oder Medikamente geben."
Lieber Praxis als Theorie
Durch dieses Machen verinnerlicht er die Arbeitsschritte besser als beim Zuschauen, findet Kevin Kierstin. Neben der praktischen Arbeit auf der Station lernen die Azubis und die Studis auch zusammen, zum Beispiel wie man den Blutzucker misst.
Mehr Sicherheit für späteren Berufsalltag
Durch die Ausbildungsstation fühlen sich Jasmin Jolani und Kevin Kierstein besser auf den späteren Job vorbereitet. "Es gibt einem schon eine gewisse Sicherheit, wenn man Dinge schon mal gemacht hat und nicht ins kalte Wasser geschmissen wird", sagt Jasmin Jolani.
Patientin fühlt sich auf Ausbildungsstation wohl
Und auch Patientin Sabine Vahldieck ist zufrieden. "Sie lernen direkt, wie man mit Patienten umgeht. Da muss man schon ein bisschen Empathie haben. Ich fühle mich hier richtig gut aufgehoben."
Durch das gemeinsame Arbeiten auf der Ausbildungsstation erhofft sich die Mainzer Universitätsmedizin, dass sowohl Ärzte als auch Pflegefachkräfte am Ende mehr Verständnis für den jeweilig anderen Beruf haben und der Austausch noch besser wird.