"Wasserstoff ist der Champagner der Energiewende". So hat es Landesumweltministerin Katrin Eder (Grüne) vor drei Jahren bei einem Besuch am Umwelt-Campus in Birkenfeld ausgedrückt. Ein edler Treibstoff für die Fahrzeuge der Zukunft also.
Grund für ihren Besuch war der Start eines Projektes, in das die Politikerin große Hoffnungen gesetzt hatte. Das Modellvorhaben sollte den Verkehr in der Verbandsgemeinde Birkenfeld klimafreundlicher machen. Und zwar mit Wasserstoff.
Bus und Tankstelle nicht mehr geplant
Dazu sollte am Umwelt-Campus ein Elektrolyseur entstehen, der Wasser und Strom in grünen Wasserstoff umwandeln kann. Mit dem Treibstoff wollten die Forscher einen Bus betanken, der durch den Hunsrück fährt.
Doch drei Jahre später rollt der noch immer nicht. Weil der "Champagner" für den Bus dann doch zu teuer ist, wie die Wissenschaftler heute finden. Sie glauben inzwischen, dass sie mit einem Elektro-Bus besser fahren würden.
Forscher: Elektro-Busse waren 2022 nicht ausgereift
Das Team um Professor Gregor Hoogers hat die Idee eines Wasserstoff-Busses verworfen. Auch auf die geplante Wasserstofftankstelle auf dem Campus wollen die Forscher verzichten. Aus ihrer Sicht lohnt sich der Zwischenschritt nicht, aus Strom zunächst Wasserstoff herzustellen. Denn der Elektro-Bus kann direkt mit Strom geladen werden.
Selbst Professor Hoogers, der sich seit mehr als 30 Jahren mit Wasserstoff beschäftigt, meint inzwischen: "Der Trend geht klar in Richtung Elektro-Mobilität." Als das Projekt 2022 seinen Anfang nahm, sei das aber noch nicht abzusehen gewesen. "Damals waren Elektro-Busse nicht ausgereift", erinnert sich Hoogers: "Ich weiß noch, dass sie in Trier nicht einmal den Petrisberg hoch kamen."
Wasserstoff-Busse sind zu teuer
Seitdem habe die Technik aber einen enormen Sprung gemacht. Und die Wasserstoff-Branche hatte das Nachsehen: Ersatzteile, Wartungs- und Betriebskosten für die Busse sind explodiert, weil es nur noch wenige Anbieter gibt.
Die Wissenschaftler wollen deshalb lieber einen Elektro-Bus anschaffen und mit Solarenergie betreiben. Den Wasserstoff könnten sie am Campus aber trotzdem gebrauchen. Nachts, wenn sie Sonne nicht scheint, sagt Hoogers. Dann könnte aus dem Treibstoff wieder Energie für die Batterien des Busses werden.
Bundesumweltministerium überdenkt Finanzierung
Hoogers nennt diese Idee "effizient". Doch es gibt Experten, die das anders sehen. Und deshalb steht das ganze Projekt jetzt auf der Kippe. Denn beim verantwortlichen Bundesumweltministerium denkt man inzwischen darüber nach, dem Vorhaben zumindest einen Teil der Finanzierung zu entziehen.
"Das Projekt befindet sich aktuell in einer Umstrukturierungsphase", schreibt ein Sprecher auf SWR-Anfrage: "Eine Entscheidung hinsichtlich der Fortsetzung wurde noch nicht getroffen."
4,6 Millionen Euro Förderung in Aussicht
4,6 Millionen Euro hatte das Ministerium vor drei Jahren bereitgestellt, um den Klimaschutz in der Verbandsgemeinde Birkenfeld voranzutreiben.
Mittlerweile heißt es von der Bundesgesellschaft "Zukunft, Umwelt, Gesellschaft", die für das Ministerium auswählt, welche Projekte gefördert werden: Diese Zusage sei "nicht mehr relevant", weil sich an den Plänen so viel geändert habe.
Verbandsgemeinde sieht Projekt ebenfalls kritisch
Matthias König (Freie Wähler), der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Birkenfeld, kann das nachvollziehen: "Der Wasserstoff-Bus wäre ein Aushängeschild für die Nationalparkregion gewesen. Ohne den Bus sieht der Träger keinen großen Vorteil mehr für die Kommune."
E-Busse hingegen sind ja bereits in vielen deutschen Kommunen unterwegs. Matthias König plädiert daher dafür, die Mittel der Verbandsgemeinde für das Projekt erstmal einzufrieren, bis die Finanzierung geklärt ist.
Wissenschaftler wollen weiterhin Förderung
Gregor Hoogers versteht die Einwände nicht. "Das Geld stammt ja nicht aus einem Förderprogramm für Wasserstoff", meint der Wissenschaftler. Es sei bei dem Projekt immer darum gegangen, dass in der Verbandsgemeinde weniger Treibhausgase ausgestoßen werden.
"Es hat den Verantwortlichen im Bundesministerium natürlich gefallen, dass wir das mit Wasserstoff machen wollten", räumt Hoogers ein: "Wir können ja jetzt nicht stur an dieser Idee festhalten, wenn es mit dem Elektrobus eine wirtschaftlichere Alternative gibt." Den möchte er jetzt stattdessen mit dem Geld aus dem Ministerium finanzieren.
Ministerium: Noch nicht viel Fördergeld geflossen
Das Projekt sei heute technisch überholt, auch weil die Abstimmungen mit der Verbandsgemeinde so lange gedauert hätten, sagt Hoogers. Das Bundesumweltministerium bestätigt: "Bereits in der Planungsphase kam es zu starken Verzögerungen und erhebliche Kostensteigerungen wurden absehbar."
Neues Angebot des SWR Studios Trier Nachrichten aus der Region Trier jetzt auf WhatsApp lesen
Das SWR Studio Trier ist jetzt auch auf dem Messenger-Dienst WhatsApp aktiv. Dort finden Sie regionale Nachrichten von Mosel und Saar, aus der Eifel, Hunsrück und Hochwald.
Was nach Angaben des Birkenfelder Bürgermeisters Matthias König aber auch einen Vorteil hat: "Bisher ist dadurch zumindest noch nicht viel Steuergeld in das Projekt geflossen." Auch der Projektträger erklärt, es seien noch "keine wesentlichen Bundesmittel geflossen".
Gespräch über Zukunft des Projektes
Trotzdem versuchen die Wissenschaftler, die beantragten Fördergelder am Campus zu halten. Heute wollen sie dazu noch einmal mit dem Bürgermeister sprechen, damit die Verbandsgemeinde weiter im Boot bleibt. Am Mittwoch diskutiert dann der Hauptausschuss darüber.
Denn bei dem Ziel des Projektes sind sich ja alle einig: Sie wollen, dass der Verkehr in der Verbandsgemeinde Birkenfeld klimafreundlicher wird. Dafür braucht es aber vielleicht nicht unbedingt "Champagner".