Wasserstoff-Bus droht zu scheitern

Millionen-Projekt am Umwelt-Campus Birkenfeld steht auf der Kippe

Ein Bus, der mit Wasserstoff durch den Hunsrück fährt - das war der Plan hinter einem Modellprojekt am Umweltcampus Birkenfeld. Doch jetzt wackelt die Finanzierung.

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Von Autor/in Christian Altmayer, Maximilian Storr

"Wasserstoff ist der Champagner der Energiewende". So hat es Landesumweltministerin Katrin Eder (Grüne) vor drei Jahren bei einem Besuch am Umwelt-Campus in Birkenfeld ausgedrückt. Ein edler Treibstoff für die Fahrzeuge der Zukunft also.

Der Umwelt-Campus Birkenfeld zählt zu den nachhaltigsten Hochschulen der Welt.
Der Umwelt-Campus Birkenfeld zählt zu den nachhaltigsten Hochschulen der Welt.

Grund für ihren Besuch war der Start eines Projektes, in das die Politikerin große Hoffnungen gesetzt hatte. Das Modellvorhaben sollte den Verkehr in der Verbandsgemeinde Birkenfeld klimafreundlicher machen. Und zwar mit Wasserstoff.

Bus und Tankstelle nicht mehr geplant

Dazu sollte am Umwelt-Campus ein Elektrolyseur entstehen, der Wasser und Strom in grünen Wasserstoff umwandeln kann. Mit dem Treibstoff wollten die Forscher einen Bus betanken, der durch den Hunsrück fährt.

Eine Wasserstoff-Tankstelle, wie hier in Erlangen, ist in Birkenfeld nicht mehr geplant.
Eine Wasserstoff-Tankstelle, wie hier in Erlangen, ist in Birkenfeld nicht mehr geplant.

Doch drei Jahre später rollt der noch immer nicht. Weil der "Champagner" für den Bus dann doch zu teuer ist, wie die Wissenschaftler heute finden. Sie glauben inzwischen, dass sie mit einem Elektro-Bus besser fahren würden.

Forscher: Elektro-Busse waren 2022 nicht ausgereift

Das Team um Professor Gregor Hoogers hat die Idee eines Wasserstoff-Busses verworfen. Auch auf die geplante Wasserstofftankstelle auf dem Campus wollen die Forscher verzichten. Aus ihrer Sicht lohnt sich der Zwischenschritt nicht, aus Strom zunächst Wasserstoff herzustellen. Denn der Elektro-Bus kann direkt mit Strom geladen werden.

Professor Gregor Hoogers befasst sich am Umweltcampus Birkenfeld bereits seit Jahrzehnten mit Wasserstoff-Technik.
Professor Gregor Hoogers befasst sich am Umweltcampus Birkenfeld bereits seit Jahrzehnten mit Wasserstoff-Technik.

Selbst Professor Hoogers, der sich seit mehr als 30 Jahren mit Wasserstoff beschäftigt, meint inzwischen: "Der Trend geht klar in Richtung Elektro-Mobilität." Als das Projekt 2022 seinen Anfang nahm, sei das aber noch nicht abzusehen gewesen. "Damals waren Elektro-Busse nicht ausgereift", erinnert sich Hoogers: "Ich weiß noch, dass sie in Trier nicht einmal den Petrisberg hoch kamen."

Früher hatten die E-Busse in Trier Probleme, die Höhenstadtteile zu erreichen. Heute sind sie überall im Stadtgebiet unterwegs.
Früher hatten die E-Busse in Trier Probleme, die Höhenstadtteile zu erreichen. Heute sind sie überall im Stadtgebiet unterwegs.

Wasserstoff-Busse sind zu teuer

Seitdem habe die Technik aber einen enormen Sprung gemacht. Und die Wasserstoff-Branche hatte das Nachsehen: Ersatzteile, Wartungs- und Betriebskosten für die Busse sind explodiert, weil es nur noch wenige Anbieter gibt.

Andere Gemeinden, wie die Stadt Köln, haben bereits erste Erfahrungen mit Wasserstoffbussen gemacht. Doch die waren nicht immer positiv, sagen die Birkenfelder Wissenschaftler.
Andere Gemeinden, wie die Stadt Köln, haben bereits erste Erfahrungen mit Wasserstoffbussen gemacht. Doch die waren nicht immer positiv, sagen die Birkenfelder Wissenschaftler.

Die Wissenschaftler wollen deshalb lieber einen Elektro-Bus anschaffen und mit Solarenergie betreiben. Den Wasserstoff könnten sie am Campus aber trotzdem gebrauchen. Nachts, wenn sie Sonne nicht scheint, sagt Hoogers. Dann könnte aus dem Treibstoff wieder Energie für die Batterien des Busses werden.

Bundesumweltministerium überdenkt Finanzierung

Hoogers nennt diese Idee "effizient". Doch es gibt Experten, die das anders sehen. Und deshalb steht das ganze Projekt jetzt auf der Kippe. Denn beim verantwortlichen Bundesumweltministerium denkt man inzwischen darüber nach, dem Vorhaben zumindest einen Teil der Finanzierung zu entziehen.

"Das Projekt befindet sich aktuell in einer Umstrukturierungsphase", schreibt ein Sprecher auf SWR-Anfrage: "Eine Entscheidung hinsichtlich der Fortsetzung wurde noch nicht getroffen."

4,6 Millionen Euro Förderung in Aussicht

4,6 Millionen Euro hatte das Ministerium vor drei Jahren bereitgestellt, um den Klimaschutz in der Verbandsgemeinde Birkenfeld voranzutreiben.

Mittlerweile heißt es von der Bundesgesellschaft "Zukunft, Umwelt, Gesellschaft", die für das Ministerium auswählt, welche Projekte gefördert werden: Diese Zusage sei "nicht mehr relevant", weil sich an den Plänen so viel geändert habe.

Verbandsgemeinde sieht Projekt ebenfalls kritisch

Matthias König (Freie Wähler), der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Birkenfeld, kann das nachvollziehen: "Der Wasserstoff-Bus wäre ein Aushängeschild für die Nationalparkregion gewesen. Ohne den Bus sieht der Träger keinen großen Vorteil mehr für die Kommune."

Matthias König, FREIE WÄHLER
Matthias König ist der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Birkenfeld.

E-Busse hingegen sind ja bereits in vielen deutschen Kommunen unterwegs. Matthias König plädiert daher dafür, die Mittel der Verbandsgemeinde für das Projekt erstmal einzufrieren, bis die Finanzierung geklärt ist.

Wissenschaftler wollen weiterhin Förderung

Gregor Hoogers versteht die Einwände nicht. "Das Geld stammt ja nicht aus einem Förderprogramm für Wasserstoff", meint der Wissenschaftler. Es sei bei dem Projekt immer darum gegangen, dass in der Verbandsgemeinde weniger Treibhausgase ausgestoßen werden.

"Es hat den Verantwortlichen im Bundesministerium natürlich gefallen, dass wir das mit Wasserstoff machen wollten", räumt Hoogers ein: "Wir können ja jetzt nicht stur an dieser Idee festhalten, wenn es mit dem Elektrobus eine wirtschaftlichere Alternative gibt." Den möchte er jetzt stattdessen mit dem Geld aus dem Ministerium finanzieren.

Ministerium: Noch nicht viel Fördergeld geflossen

Das Projekt sei heute technisch überholt, auch weil die Abstimmungen mit der Verbandsgemeinde so lange gedauert hätten, sagt Hoogers. Das Bundesumweltministerium bestätigt: "Bereits in der Planungsphase kam es zu starken Verzögerungen und erhebliche Kostensteigerungen wurden absehbar."

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Was nach Angaben des Birkenfelder Bürgermeisters Matthias König aber auch einen Vorteil hat: "Bisher ist dadurch zumindest noch nicht viel Steuergeld in das Projekt geflossen." Auch der Projektträger erklärt, es seien noch "keine wesentlichen Bundesmittel geflossen".

Gespräch über Zukunft des Projektes

Trotzdem versuchen die Wissenschaftler, die beantragten Fördergelder am Campus zu halten. Heute wollen sie dazu noch einmal mit dem Bürgermeister sprechen, damit die Verbandsgemeinde weiter im Boot bleibt. Am Mittwoch diskutiert dann der Hauptausschuss darüber.

Denn bei dem Ziel des Projektes sind sich ja alle einig: Sie wollen, dass der Verkehr in der Verbandsgemeinde Birkenfeld klimafreundlicher wird. Dafür braucht es aber vielleicht nicht unbedingt "Champagner".

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