Schon in der Antike war der Hahn ein allseits geschätztes Tier – sowohl bei den alten Griechen und den Römern als auch bei den Persern. Mit stolz geschwelltem Kamm wurde er in einem Zuge mit dem Löwen genannt. Doch die Hochzeit des Hahns ist längst vorbei: Heutzutage fristen Hähne ein Schattendasein. Im Kreise ihrer Hühnerschar sind sie zwar noch immer sprichwörtlich "Hahn im Korb", in der Gesellschaft jedoch werden sie weder gerne gesehen noch gehört. Mancher Hahn bringt mehr Dezibel hervor als ein Düsenflugzeug. Und das ruft dann auch schon den Nachbarn auf den Plan, der einen solchen "Caruso" nicht nebenan dulden möchte. – Weder auf dem platten Land noch im Wohngebiet. Der Hahn soll sich gefälligst an die Ruhezeiten halten, sprich: sein Kikeriki soll zur gesetzlichen Ruhezeit verstummen.
Wenige Tage vor dem Gründonnerstag, an dem der Hahn eine zentrale Rolle in der biblischen Erzählung spielt, fragen wir in der Matinee in SWR Kultur: Hat der Hahn ausgekräht? Einerseits haben Hähne im eigentlichen Sinn in unserem Leben keinen Platz mehr. Andererseits nehmen sie in unserer Gesellschaft immer mehr Raum ein – im übertragenen Sinn. Der eitle Gockel wird zum Staatsmann oder zum Entertainer, er regiert die Welt oder reüssiert auf dem roten Teppich.
Wir fragen, wie der Hahn auf den Kirchturm kam. Wir besuchen die "Initiative in Gengenbach", die sich um männliche Küken kümmert. Wir erklären, warum Hahnenkämpfe auf den Philippinen immer noch ein Ereignis sind, und warum der Hahn bei unseren französischen Nachbarn als der "gallische Hahn" Tradition hat.
Gesprächspartner der Sendung sind:
Nicole Gronemeyer, Besitzerin eines Hühnerstalls mit vier Hennen und Autorin des Buches "Hühner", erschienen bei Mattes & Seitz.
Anna Niem, katholische Theologin, Kirchenmusikerin und Teil von "Kirche im SWR" sowie Roland Borgards, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Goethe Universität Frankfurt und Experte für "Human Animal Studies".
Redaktion: Nicole Dantrimont
Musikredaktion: Julia Kesch