Viola Ford Fletcher war sieben Jahre alt, als 1921 weisse Rassisten das blühende Schwarzen-Viertel Greenwood in Tulsa verwüsteten. Mindestens 300 Menschen wurden ermordet. Tausende verloren ihr Zuhause und ihre Existenz. Jahrzehntelang wurde das rassistische Massaker aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängt.
Die Sklaverei: Das unbewältigte Erbe
Tulsa steht beispielhaft für die Gewalt und Entrechtung, die auf das Ende der Sklaverei folgten - und für die bis heute verdrängte Geschichte rassistischer Ungerechtigkeit und Ungleichheit. Während die Vereinten Nationen die Sklaverei inzwischen als "schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit" verurteilen, lehnen die USA weiterhin jede Form von Reparation ab.
Reparation: Es geht nicht nur um Geld
Renommierte Bürgerrechts-Anwälte wie Bryan Stevenson bemängeln vor allem das Fehlen einer ehrlichen historischen Wahrheitssuche. Dabei geht es ihnen nicht nur um die Ära der Sklaverei, sondern um die gesamte Kette rassistischer Ungleichheit und Ungerechtigkeit bis zum heutigen Tag.
Erinnerung: die Voraussetzung für Gerechtigkeit
Während die gegenwärtigen politischen Rückschritte die Debatte erschweren, entstehen neue Initiativen für Aufklärung, Aufarbeitung und Wiederherstellung. Auch in Tulsa, wo Ende 2024 erstmals ein Schwarzer Bürgermeister gewählt worden ist. Für Bryan Stevenson ist die Sklaverei der schwerwiegendste Teil der amerikanischen Geschichte. Ob die USA eine starke Demokratie bleiben können, hängt für ihn von der Frage ab, ob das Land den Mut aufbringt, sich dieser Vergangenheit zu stellen.