Zehn Jahre! So viel Zeit verbringt ein durchschnittlicher Arbeitnehmer eine durchschnittliche Arbeitnehmerin rein statistisch gesehen während eines Arbeitslebens im Büro. Also an jenem widersprüchlichen Ort, den viele am Montag verfluchen und andere dann im Ruhestand doch vermissen. Ein Ort, ohne den wir kein Geld verdienen würden, ohne den es keine Karrieren geben würde und definitiv keinen Flurfunk. Vom Papierstau im Kopierer und Freunden fürs Leben ganz zu schweigen.
Das Büro ist auch ein Ort für Klischees wie das vom cholerischen Chef – Typen wie Stromberg, die kennen wir alle, auch wenn wir selbst im Alltag flache Hierarchien pflegen und den Mann (oder die Frau!) aus dem Eckbüro längst duzen. Um diese Widersprüche geht es in dieser Büro-Matinee. Wir schauen auf die vielem Filme und Serien, in denen Büros als Hauptdarsteller fungieren, in der Serie Mad Men beispielsweise. Wir ergründen die Kulturgeschichte des Büros und klären die Frage, wie viel Bürokratie im Büro steckt. Dass das Büro ein Machtraum ist, das erläutern wir anhand der Schreibtische und der Einrichtung der Kanzlerbüros seit Konrad Adenauer.
Und im Interview berichtet Heide Sommer von ihren Erfahrungen als Sekretärin von Günther Gaus, Rudolf Augstein und Fritz J. Raddatz. Zudem: Wir wagen uns an ungewöhnliche Perspektiven auf das Büro – denn ausgerechnet Franz Kafka muss man sich als glücklichen Angestellten der böhmischen Arbeiter-Unfallversicherung vorstellen – 14 Jahre hat der Autor beklemmender literarischer Szenarien hier verbracht. Und wir fragen, warum die Inneneinrichtung von Büros auch eine ästhetische Herausforderung ist, müssen die privaten Tassen der Kolleginnen und Kollegen wirklich so hässlich sein?!
Gäste der Sendung sind der Autor und Stromberg-Erfinder Ralf Husmann, die Autorin und Sekretärin Heide Sommer und Dr. Stefan Stein, Kurator am Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn.
Redaktion: Daniel Stender
Musikredaktion: Judith Bühler