Stromberg ist zurück auf der Kinoleinwand
Bernd Stromberg, der selbst ernannte beste Chef der Welt, ist ab dem 4. Dezember zurück auf der Kinoleinwand. Das Wiedersehen mit einer Figur, die man sicher verstaut im Archiv der Nullerjahre glaubte, wirkt zunächst wie der nächste Beweis dafür, dass die Kulturindustrie in Revival-Automatik verfallen ist.
Nostalgie hat Konjunktur, keine Frage. Doch das Comeback von Stromberg fühlt sich nicht an wie das Wiederaufwärmen eines alten TV-Lieblings, sondern wie ein Testlauf: Was passiert, wenn eine Kunstfigur, deren Humor einst auf Grenzverletzungen und Männlichkeitsposen beruhte, im Jahr 2025 erneut auf die Bildfläche tritt?
Kein klassisches Sequel
Überraschenderweise – sie funktioniert. Das Spannende an diesem Projekt: Der neue Stromberg-Film ist kein klassisches Sequel, sondern ein großes Wiedersehen vor laufenden Kameras. Die Figuren sind in einer Art Reality-TV-Rahmen eingebettet, der die Medienmechanismen selbst zur Bühne macht.
Die alten Cast-Mitglieder der Mockumentary kommen für eine TV-Show zusammen und schon bevor überhaupt gedreht wird, stehen draußen Demonstrierende vor dem Studio. Der Film nimmt Stromberg, seinen Ruhm und die Empfindlichkeiten der Gegenwart mit spürbarer Lust aufs Korn.
Bernd Stromberg wird zum Negativ-Beispiel
Das Format lebt diesmal weniger davon, dass Stromberg sich durch seine eigene Bürowelt wieselt, sondern davon, dass er in eine heutige, diverse Fernsehcrew stolpert. Ein Relikt aus den Nullerjahren trifft auf Menschen, die mit ganz anderen Vorstellungen von Respekt oder Sensibilität arbeiten.
Stromberg erlebt im Film eine Konfrontation mit Menschen, die klarer benennen, was problematisch ist, und die nicht mehr bereit sind, bestimmte Verhaltensweisen als „das ist halt so“ abzutun.
Dadurch wird Stromberg im Film immer wieder zum Negativbeispiel – nicht karikierend, sondern als logische Konsequenz eines veränderten gesellschaftlichen Klimas. Man lacht nicht mehr über Strombergs Sprüche, man lacht über die Typen, die sie heute immer noch bringen.
Stromberg ist aus der Zeit gefallen, aber immer noch existent
Diese neue Situation erzeugt eine Art „Stresstest“ für die alte Figur. Viele ihrer Sprüche und Reflexe funktionieren nicht mehr, weil sich die Regeln des Umgangs verändert haben. Gleichzeitig zeigt der Film, dass einige Strukturen wie Machtsicherung oder Selbstinszenierung zeitlos sind.
Strombergs Zynismus, früher als provokante Satire gesetzt, wirkt nun wie ein Brennglas, das Kommunikations- und Führungsstile entlarvt. Er fungiert als Chiffre für einen bestimmten Typus Führungskraft, der heute zunehmend aus der Zeit gefallen wirkt, aber noch immer existent ist.
Und plötzlich klingt der Kanzler wie ein schlechter Chef
Manchmal wirkt diese Reibung mit der heutigen Zeit sogar familiärer, als einem lieb ist. Wenn Stromberg in alten Denkmustern verharrt, erinnert das nicht zufällig an politische Führungsstile, die ebenfalls mit neuen Erwartungen kollidieren.
Kanzler Merz und seine gelegentlich altväterlichen Auftritte drängen sich da nicht als Gleichsetzung, aber als pointierte Folie auf.
Nicht, weil Merz Stromberg wäre, sondern weil beide Sprechweisen aus demselben Reservoir schöpfen: eine Mischung aus Selbstgewissheit und Kommunikationspannen, die in einer sensibilisierten Gegenwart immer lauter scheppern.
Darf man darüber überhaupt noch lachen?
Natürlich stellt sich – kurz, aber unausweichlich – die Frage, ob man über bestimmte Grenzüberschreitungen heute überhaupt noch lachen sollte. Der Film beantwortet das nicht moralpädagogisch, sondern durch Beobachtung. Man soll sich ganz bewusst selbst beim Lachen ertappen.
Direkt zu Beginn stellen Redakteurinnen ganz bewusst das System Stromberg in Frage, spotten über Männer – eine nette Meta-Ebene, die zeigt, das man sich der Problematik der Figur auch auf Autorenseite sehr bewusst ist.
Dass die Figur sich nicht anpassen wird, ist Teil des Konzepts, das bestätigt auch Autor Ralf Husmann: „Männer, die älter als 30 sind, entwickeln sich doch nicht mehr – weder nach oben noch nach unten“ erklärt er im Gespräch mit SWR Kultur. Woke werde Stromberg jedenfalls niemals werden.
Ein Kommentar über Veränderung
Der Film reflektiert darüber hinaus seine eigene mediale Verortung. Demonstrationen vor dem TV-Studio, interne Reibungen zwischen Redaktion und Showkonzept, und die Art, wie das Wiedersehen inszeniert wird, zeigen eine zweite Ebene der Satire: Nicht nur die Arbeitswelt hat sich verändert, auch die Medienlandschaft arbeitet heute anders.
Was früher ein sperriger Mockumentary-Humor war, ist heute fast digitale Naturgewalt: Clips, Reaktionen, Mini-Szenen, die sofort viral gehen könnten. Christoph Maria Herbst hat diese Kunst der bröckelnden Überheblichkeit perfektioniert. Ein Blick genügt, und man weiß, dass er gleich etwas Unangebrachtes sagen wird.
Gegenwartsnähe als Motor: Stromberg setzt auf Reibung
Stromberg ist 2025 kein nostalgisches Relikt, sondern ein Prüfstein dafür, wie viel sich wirklich verändert hat – und wo vielleicht nur die Oberfläche neu gestrichen wurde. Diese Gegenwartsnähe ist der heimliche Motor des Comebacks: Stromberg ist kein Auslaufmodell, sondern eine Figur, an der man die Veränderungsbehauptungen unserer Welt messen kann.
Während viele neue Formate versuchen, moralisch aufgeräumt daherzukommen, setzt Stromberg weiterhin auf Reibung. Die normativen Maßstäbe haben sich verschoben, und damit auch die Wirkung: Strombergs Humor funktioniert anders, aber er funktioniert.