Als erste Universität weigert sich die Harvard University offiziell, ihre akademischen Freiheiten beschneiden zu lassen. Dafür hat ihr die Trump-Regierung zunächst die Staatszuschüsse in Höhe von 2,2 Milliarden Euro entzogen.
Harvard wehrt sich, Trump-Regierung legt nach
Nun will Trump die Stiftungsuniversität außerdem als politische Organisation einstufen lassen und ihr auch noch die Steuervorteile wegnehmen.
Zudem soll sie künftig auch keine ausländische Studenten mehr immatrikulieren dürfen, wenn sie nicht ihren Berichtspflichten nachkommt – nämlich die Einwanderungsbehörde beim Durchleuchten der Studenten zu unterstützen. Anja Braun aus der ARD Wissenschaftsredaktion kommentiert das so:
Die Elite-Uni Harvard steht auf und ist bereit, sich mit der Trump Regierung anzulegen. Das ist gut, denn an Harvard soll offenbar ein Exempel statuiert werden.
Hier möchte die Trump-Regierung durchziehen und die Hochschule gleichschalten. Trump hatte es ja längst angekündigt: Für ihn sind Professorinnen und Professoren der Feind und Universitäten "woke"-Fremdkörper, die kontrolliert werden müssen.
Harvard lehnt sich auf, um Unabhängigkeit zu bewahren
Zunächst hatte Harvard – wie viele der anderen Unis in den USA auch – geglaubt, die Regierung durch kleine Zugeständnisse zufrieden stellen zu können. Doch als Trump nun die Unabhängigkeit der Uni in so vielen Wissenschaftsbereichen beschneiden wollte, hat Harvard Nein gesagt.
Dieser Schritt war unvermeidlich, sonst hätte Harvard die Unabhängigkeit der Wissenschaft aufgeben. Da Harvard nun aufsteht und kämpft, werden viele der anderen Universitäten in den USA aufatmen.
Denn wer sonst als eine wirklich reiche und dadurch unabhängige Stiftungsuniversität könnte sich der Trump-Regierung mit ihrem Kahlschlagsvorstellungen in der Wissenschaft entgegen stellen. Jetzt, da der Bann der Angst gebrochen ist, kann der Widerstand Wellen schlagen.
Wo bleibt die Unterstützung aus Deutschland?
Doch wo bleibt die breite Unterstützung der Wissenschaftscommunity aus Deutschland? Wo sind die Solidaritätsbezeugungen mit Harvard, warum hören wir nichts von unseren altehrwürdigen Universitäten – oder von unseren außeruniversitären Forschungsinstitutionen?
Immerhin hält hier eine der berühmtesten Unis der Welt den Kopf hin! Stattdessen geht es in Deutschland immer noch in erster Linie darum, Spitzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler hierher zu locken, während wir zusehen, wie die Trump Regierung das Wissenschaftssystem in den USA zerkleinert.
Harvard kann ein Vorreiter für die Wissenschaftscommunity sein. Die Eliteuniversität zeigt, dass Widerstand möglich ist. Aber jetzt kommt es darauf an, dieser Universität auch den Rücken zu stärken. Geld hat Harvard noch in petto, aber es braucht nun internationale Unterstützung für ihren Widerstandskurs.
Basketballspieler trägt demonstrativ ein Harvard Shirt
Rührend erscheint da die Geste des US-Basketball Profiligatrainers Steve Kerr, der bei den Spielen ein Harvard T-Shirt trägt, obwohl er nie an der Eliteuniversität war – schlicht um seine Solidarität zu zeigen und Paroli zu bieten.
Ich frage mich: Wann tragen die Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, der Max Planck Gesellschaft und der vielen anderen Wissenschaftscommunities in Deutschland Harvard T-Shirts?
Wann zeigt sich der Noch-BmbF-Minister Özdemir damit und auch die möglicherweise nächste Forschungsministerin Doro Bär? Wo ist die Welle der Unterstützung? Und sei die Geste noch so klein – sie ist jetzt dringend notwendig.