Mittel für Carl-Schurz-Haus gekürzt

Das Ende der deutsch-amerikanischen Freundschaft? Wie Trumps Politik in Freiburg spürbar wird

Wie ernst es Donald Trump mit "America first" meint, bekommt jetzt das Amerikahaus in Freiburg zu spüren. Und auch amerikanische Gast-Studierende machen sich Sorgen.

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Von Autor/in Jan Lehmann

Seit 1952 pflegt das Carl-Schurz-Haus in Freiburg die deutsch-amerikanische Freundschaft. Zu Anfang förderten die USA die demokratische Bildung im Nachkriegsdeutschland mit großen Summen. Jetzt hat die Regierung Trump die letzten noch verbliebenen Gelder gestrichen. Das Institut blickt in eine ungewisse Zukunft. Und auch Studierende in Freiburg fragen sich, ob sie noch in die USA wollen. Unter ihren amerikanischen Kommilitonen herrscht ebenso Unsicherheit.

US-amerikanische Studierende im Gespräch per Videocall
US-Austauschstudent Charles Leigh im Video-Gespräch mit seinem Kommilitonen Maddux Lunde in Amerika. Jan Lehmann

Trumps Politik: "Man weiß nicht, was als nächstes passiert"

Charles Leigh hat ein sonniges Gemüt und versprüht den typisch amerikanischen Optimismus. Doch der wird im Moment auf eine harte Probe gestellt. "Diese Regierung ist sehr gefährlich für die globale Demokratie", glaubt der Gaststudent aus Freiburgs Partnerstadt Madison, Wisconsin. Seine ausländischen Freunde an der dortigen Uni machten sich Sorgen um ihre Visa, und manche europäischen Studierenden überlegten gerade, ob sie nicht früher zurückkehren wollten. "Die Stimmung ist ängstlich, nervös", auch unter den Amerikanern selbst, berichtet Charles' Freund Maddux aus der Heimat Wisconsin im Videochat. "Man weiß nicht, was als nächstes passieren wird."

Heiße Diskussionen über die transatlantische Partnerschaft

Anstelle der USA müsse jetzt Europa die gemeinsamen Werte von Frieden, Demokratie und Freiheit schützen, meint Charles. Das mache Europa im Moment auch schon "und das beruhigt meine Angst zumindest ein bisschen". Die transatlantischen Beziehungen werden gerade in seinem Freundeskreis, aber auch in seinen Politikseminaren heiß diskutiert. Luke Hennessey, ebenfalls Gaststudent aus den USA, hat durchaus eine andere Sicht auf die Lage: "Ich glaube, dass Deutschland und Amerika im Moment dieselben Probleme haben, etwa mit den Migranten oder mit der Wirtschaft." Hier habe sich in den Vereinigten Staaten unter Trump schon einiges verbessert, findet Luke.

US-amerikanische und deutsche Studierende im Gespräch
US-Gaststudent Charles Leigh (l.) diskutiert mit Lisa Henning und Luke Hennessey über die aktuelle amerikanische Politik. Jan Lehmann

Ich würde aktuell nicht zum Studieren in die USA gehen.

Für Lisa Henning, ebenfalls Teil der deutsch-amerikanischen Clique, ist allerdings klar: "Ich würde aktuell nicht in die USA gehen." Dafür sei die Situation zu unsicher, die Regierung zu unberechenbar. "Das macht einem schon irgendwie Angst." An der Universität Freiburg sind die konkreten Folgen der Trumpschen Politik zwar noch nicht messbar. Genauere Zahlen über Bewerber für Studienaufenthalte in den USA lägen erst im Herbst vor, teilt die Uni mit. Allerdings war zu Beginn von Trumps erster Präsidentschaft, in den Jahren 2017/18, die Zahl der Bewerber um mehr als ein Drittel (von 44 auf 27) geschrumpft. Gut möglich, dass sich dieser Effekt wiederholt.

Freiburger Amerikahaus künftig ohne Amerika?

Sehr wohl zu spüren bekommt man die neue US-Marschrichtung unterdessen im Freiburger Carl-Schurz-Haus. Dort kamen vor ein paar Tagen mehrere E-Mails des amerikanischen Außenministeriums an. In dürren Sätzen wurde dem deutsch-amerikanischen Institut mitgeteilt, dass künftig keine weiteren Projekte gefördert würden - und wenn, dann nur, wenn sie der "Prosperität" der USA dienten.

Das deutsch-amerikanische Carl-Schurz-Haus in Freiburg
Vor schwieriger Zukunft: Das Carl-Schurz-Haus in Freiburg bangt um deutsche und amerikanische Fördermittel - und muss demnächst umziehen. Jan Lehmann

Es kamen E-Mails direkt aus Washington, von Personen, die wir nicht kennen.

"Normalerweise wird über die Botschaft in Berlin kommuniziert oder das Konsulat in Frankfurt", wundert sich Friederike Schulte. Doch diesmal kamen die Mails direkt aus Washington, "von Personen, die wir nicht kennen". Die Direktorin des deutsch-amerikanischen Instituts ist sichtlich mitgenommen. Das liegt aber nicht nur an den drohenden Kürzungen. US-Mittel machten weniger als zehn Prozent des Jahresbudgets aus, sagt Schulte. Weit schwerer wiegt der symbolische Verlust. Ein deutsch-amerikanisches Institut, das nicht mehr von den USA unterstützt wird?

Bibliothekarin Victoria Zander und Direktorin Friederike Schulte im Freiburger Carl-Schurz-Haus
Sorgenvoller Blick in die Zeitung: Bibliothekarin Victoria Zander (l.) und Direktorin Friederike Schulte im Freiburger Carl-Schurz-Haus Slavik Wagner

Freiburger Carl-Schurz-Haus vor ungewisser Zukunft

Seit über 70 Jahren ist das Carl-Schurz-Haus Anker und Sinnbild der transatlantischen Freundschaft in Freiburg und Südbaden. Eine fahrende Bibliothek versorgte anfangs, in den 1950er Jahren, Stadt und Umland mit Büchern und demokratischer Bildung. Heute ist das Institut ein kulturelles Zentrum mit hunderten Vorträgen, Workshops und Sprachkursen. Und eine gut bestückte (und besuchte) Bibliothek gibt es immer noch.

Doch die Stimmung im "Amerikahaus" ist im Keller. Denn nicht nur die amerikanische, auch die Bundesregierung plane Mittelkürzungen, erzählt Friederike Schulte. Und dann soll auch noch die Miete demnächst drastisch steigen. Folge: Das Haus mit der extrem verkehrsgünstigen Lage am Hauptbahnhof muss aufgegeben werden. Das Institut aufgeben wollen Schulte und ihre Kolleginnen und Kollegen deshalb aber noch lange nicht. "Wir haben eine Vereinssatzung, eine Mission, der wir seit fast 75 Jahren folgen", gibt sich die Direktorin kämpferisch, "und die gilt der Völkerverständigung auf zivilgesellschaftlicher Ebene. Diese Arbeit machen wir weiter".

Archivbild des Bücherbusses des Freiburger Amerikahauses aus den 1950-er Jahren
Mit Bildung für die Demokratie in der Nachkriegszeit: Mit dem Bücherbus des Amerikahauses fing in Freiburg 1952 alles an. Jubiläumsprospekt Carl-Schurz-Haus

Mehr Trump-Sympathien im Freiburger Umland als in der Stadt

Allerdings wolle man künftig verstärkt auch im Freiburger Umland präsent sein, kündigt Schulte an. Hintergrund sind die jüngsten Wahlergebnisse, bei denen die Trump-freundliche AfD in vielen Gemeinden auf weit über 20 Prozent kam. "Wir gehen an die Schulen und bringen amerikanische Austauschstudierende in Begegnung mit Deutschen", sagt Schulte.

Jhace Metzger, Gaststudent aus Michigan, berichtet, dass Menschen in ländlicheren Gemeinden von Baden-Württemberg auch für Donald Trump deutlich mehr Sympathie hätten als etwa Studierende in Freiburg. Das habe er in zahlreichen Gesprächen festgestellt. Die Neugier und Offenheit, die er dabei erlebt hat, geben ihm das Gefühl, dass die deutsch-amerikanische Freundschaft zumindest "zwischen den Menschen" nach wie vor "intensiv" ist.

Auch Charles Leigh hat seinen Optimismus noch nicht verloren. "Alles kommt immer irgendwie ins Gleichgewicht", so hofft er. Andererseits ist er aber auch froh, nicht nur die US- sondern auch die deutsche Staatsbürgerschaft zu haben. "Nach dem Studium kann ich mich dann entscheiden, je nach Lage, für USA oder Deutschland."

Mosaik mit Stadtwappen der US-Partnerstadt Madison auf dem Freiburger Rathausplatz
Die Partnerschaft zur US-Stadt Madison in Stein gemeißelt: Mosaik auf dem Freiburger Rathausplatz Jan Lehmann

Zerwürfnis zwischen Trump und Selenskyj Ukrainer in BW nach Eklat im Weißen Haus: Jetzt müssen Europäer zusammenstehen

Der Eklat beim Treffen von Ukraines Präsident Selenskyj mit US-Präsident Trump in Washington hat auch Ukrainer in BW schockiert. "Selenskyj wurde angegriffen wie ein Täter."

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USA

USA-Experte Dr. Tobias Endler | 12.3.2025 Trump, Vance und die neue Weltordnung der USA

Wie sich Europa wirtschaftlich und politisch organisieren muss und welche Signale aus den USA weiterhin zu erwarten sind, darum geht es in SWR1 Leute mit USA-Experte Tobias Endler.

Leute SWR1 Baden-Württemberg