Was sind Blutgruppen?
Es geht hier vor allem um die roten Blutkörperchen, genau genommen um deren Zelloberfläche. An den Blutkörperchen haften bestimmte Eiweiße, die sogenannten Antigene. Nach denen sind die Blutgruppen benannt. Hat jemand Blutgruppe A, dann haften an den Blutkörperchen andere Antigene als im Blut von jemandem mit Blutgruppe B. Und Blutgruppe 0 heißt einfach: weder ... noch. An den Blutkörperchen hängen weder Antigene A noch B. Unser Körper wehrt sich allerdings gegen fremde Antigene, die er nicht kennt – deshalb wird bei Blutspenden auf die Blutgruppen geachtet, weil sonst der Körper des Empfängers das Blut des Spenders abstößt.
Wie sind diese verschiedenen Blutgruppen entstanden?
Sieht man sich das Verteilungsmuster der Blutgruppen auf der Welt an, dann kommen zwar heute alle Blutgruppen praktisch überall vor, aber es gibt bestimmte Häufungen:
- Blutgruppe 0 tritt gehäuft in Afrika und Amerika auf
- Blutgruppe A in Europa
- Blutgruppe B in Asien
Das sind grobe Muster. Wie das gekommen ist, wird noch erforscht. Was aber bereits gut untersucht ist, ist der Einfluss von Malaria. An diesem Beispiel kann man deutlich machen, wie sich die Wissenschaft die Evolution der Blutgruppen grundsätzlich vorstellt.
Warum sich in Afrika Blutgruppe 0 stärker durchgesetzt hat
Man kann rekonstruieren, dass die Blutgruppe 0 sich durch einen ursprünglichen Gendefekt aus der Blutgruppe A entwickelt hat. Also: A war zuerst da, dann gab es beim Kopieren des Erbguts an einer bestimmten Stelle einen Fehler, eine Mutation. Das Resultat waren Menschen mit Blutgruppe 0. Das ist alles passiert in einer Zeit, als unsere Vorfahren noch in Afrika gelebt haben. Eigentlich waren es noch keine "Menschen" im heutigen Sinn, sondern allenfalls Vormenschen.
In Afrika gibt es nun bekanntlich Malaria. Man hat herausgefunden, dass Träger der Blutgruppe 0 bei Malaria, insbesondere der gefährlichen Malaria tropica, höhere Überlebenschancen haben. Das liegt daran, dass sich der Erreger im Blut dieser Menschen nicht so schnell vermehren kann. Mit Malaria ist es also ein bisschen wie bei Covid-19 – auch da scheinen Menschen mit Blutgruppe 0 glimpflicher davonzukommen.
Ein Prozess über Jahrmillionen
Der Unterschied ist, dass es Malaria schon seit Jahrmillionen gibt. Wenn nun Menschen mit Blutgruppe 0 eine auch nur leicht erhöhte Überlebenschance in Malariagebieten haben, hat das dazu geführt, dass sich die Blutgruppe in Afrika im Laufe der Zeit immer stärker durchgesetzt hat. Das gilt vor allem für die feucht-tropischen Gebiete: Paradebeispiel ist das Nigerdelta. Dort ist der Anteil von Blutgruppe 0 in der Bevölkerung sehr hoch. In anderen Weltgegenden, wo Malaria nicht so eine große Rolle spielt, haben sich dagegen die Blutgruppen A und B gehalten.
Auch andere Krankheitserreger spielen eine Rolle
Dieser Einfluss des Malariaerregers erklärt die Evolution der Blutgruppen nicht komplett – schon gar nicht die Verteilung von A und B. Aber immerhin ist dieser Effekt so gut untersucht, dass man vermuten kann, dass generell Krankheitserreger der entscheidende Faktor bei der Herausbildung unterschiedlicher Blutgruppen und ihrer Verteilung sind, wenn sie jeweils die Träger der einen oder anderen Blutgruppe begünstigt haben.
Gibt es auch bei Tieren verschiedene Blutgruppen?
Ja, es gibt auch bei Tieren so etwas wie Blutgruppen. Gerade das AB0-System kennt man auch von anderen Primaten – es ist also älter als die Menschheit. Wir unterscheiden ja beim Menschen neben A, B und 0 auch den sogenannten Rhesusfaktor. Der heißt deshalb so, weil er ursprünglich beim Rhesus-Affen gefunden wurde.
Unterschiedliche Blutgruppen sind auch bei Fischen nachgewiesen. Aber das sind dann nicht die Blutgruppen, die wir kennen – A, B und 0 oder der Rhesusfaktor – sondern ganz andere Typen als beim Menschen.
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