Frauen im SWR
Seit „MeToo“ hat sich viel verändert. Ob im Direktorium des SWR oder in den Redaktionen, der Frauen- und Männeranteil hält sich mittlerweile fast die Waage. In einigen Redaktionen sind die Frauen sogar deutlich in der Überzahl. Stefanie Schneider, SWR Landessenderdirektorin Baden-Württemberg, nahm nach ihrer Begrüßung die Clubfrauen – so nennen sich die Business Professional Women (BPW) selbst – mit auf eine Zeitreise und berichtete in ihrem Impuls „Chancengleichheit ist kein Versprechen, sondern messbarer Wandel“ über viele positive Entwicklungen. Dennoch: „Frauen sind nicht einfach für die erste Reihe zu gewinnen, aber Netzwerke können viel beitragen, dass Frauen sich ausprobieren können und motiviert werden. Und zur öffentlichen Wahrnehmung des Frauenbilds kann der SWR viel beitragen“, so Stefanie Schneider.
Wie wird unsere Gesellschaft erzählt?
„Wir wünschen uns weibliche Führung nicht nur als Gleichstellungsthema, sondern auch als Wirtschaftsthema“, so Andrea Bergbold in ihrem Grußwort. Sie ist die Co-Vorständin der BPW Mannheim-Ludwigshafen und die Initiatorin der Veranstaltung. Durch ihre Kontaktaufnahme mit dem SWR kam es zu „Businessfrauen treffen SWR“. Zu einem Abend, in dem es um Perspektiven ging, um Teilhabe. Und letztlich um die Frage, wie unsere Gesellschaft erzählt wird. „Das rege Interesse heute zeigt, es gibt Bedarf des Austauschs, denn in der Öffentlichkeit wirkt nach wie vor ein Bild der Frauen, das von Carearbeit, aber weniger von Expertinnen geprägt ist“, betonte Andrea Bergbold. „Wir möchten einen Beitrag leisten, dass sich Spielregeln der Wirtschaft wandeln.“
Die fünf goldenen Regeln des Changemanagements
Veränderung passiert nicht von allein. Nicht in Unternehmen. Nicht in Medienhäusern. Und auch nicht in gesellschaftlichen Rollenbildern. Wie Wandel gelingen kann, darüber sprach Carolin Wurst, Abteilungsleiterin für Changemanagement und Organisationsentwicklung. Ihre goldenen Regeln, ihre fünf Erfolgsfaktoren für gelungene Veränderung, lassen sich auf nahezu jede Organisation übertragen:
1.) Veränderung braucht ein klares „Wozu?“, nicht nur ein „Warum?“.
2.) Führung muss vorangehen – Veränderung gelingt aber nur gemeinsam.
3.) Klartext statt Schönfärberei.
4.) Frühes Einbinden, aber ohne Scheinbeteiligung.
5.) Wandel muss zur Unternehmenskultur passen.
Wie werden Frauen wahrgenommen – das Frauenbild 2026
Wo stehen wir Frauen jetzt? In Unternehmen? In der Wirtschaft, in den Medien?
Zu diesen Themen gab es einen Interviewtalk auf dem Podium mit Heike Fiestas Cueto, Präsidentin BPW Germany, Marina Gerth von den Young BPW, Anja Görzel, Leiterin der Hauptabteilung Kommunikation, Sybille Müller, Leiterin Studio Stuttgart und Vertreterin der Landessenderdirektion BW im „Ausschuss für Vielfalt“ und Julia Görs, Redaktionsleiterin Aktuelle Wirtschaft. Eine Erfahrung, die alle SWR Kolleginnen teilen: Frauen seien oft noch zu zurückhaltend, wenn es um die erste Reihe gehe. Der SWR müsse noch zu häufig eine „Extrameile“ gehen, um zum Beispiel Talk-Runden mit Expertinnen ausgewogen zu besetzen. Netzwerke wie Business Professional Women könnten dazu beitragen, dass Frauen Zutrauen in sich und ihre Fähigkeiten entwickeln. „Besonders spannend fand ich den Interviewtalk: Die Frage wie Frauen in Zukunft arbeiten, führen, sichtbar werden und Einfluss nehmen, beschäftigt uns alle – unabhängig von Branche oder Position“, so der Post von Businessfrau Anja Kübler im Nachgang auf LinkedIn.
Der Blick hinter die Kulissen
Anschließend wurde es praktisch. Es gab einen Einblick in die journalistische Arbeit des SWR und die Gelegenheit in Kleingruppen, hinter die Kulissen zu schauen:
SWR X Lab und digitale Unabhängigkeit
Das SWR X Lab ist die Innovationsabteilung des SWR. Mit dem Projekt „Reinvent Social Platforms“ wird dort erprobt, wie öffentlich-rechtliche Medien unabhängiger von kommerziellen Plattformen werden können. Innovation Managerin Merve Kayikci gab den Businessfrauen Einblick. Im Mittelpunkt stand die These „Infrastruktur ist Macht“. Wer mit seiner Reichweite vollständig auf Big-Tech-Plattformen wie Instagram oder TikTok angewiesen ist, gibt damit auch die Kontrolle über Algorithmen und Spielregeln ab.
SWR PopUp Studio
„Lass uns reden!“ Das steht beim SWR PopUp Studio nicht nur auf dem Teppich, sondern wird gelebt. Mit dem Dialog-Angebot kommt der SWR zu den Menschen, in die Regionen. Immer in zentraler Lage in Innenstädten des Sendegebiets, meist in leerstehenden Ladenlokalen. Die Türen stehen allen offen, um zu sehen und zu erleben wie der SWR arbeitet. Es kann um Podcasts, Medienkompetenz oder um Spezialthemen gehen, wie Sybille Müller, die Leiterin des Studios Stuttgart erläuterte. Philipp Pfäfflin, der einzige Kollege an diesem Abend, berichtete über das PopUp Studio in Stuttgart, Vaihingen an der Enz und Lörrach, bei dem das Thema „Wärmewende – wie heizen wir zukünftig?“ im Fokus stand.
SWR Heimat
Durch die persönlichen Geschichten, die SWR Heimat von Frauen mit unterschiedlichen Perspektiven auf Instagram oder TikTok erzählt, kann die Redaktion das Frauenbild in der Gesellschaft mitprägen. Neben Fragen zur Arbeitsweise oder zu No-Go-Themen, gab es auch konkrete Themenvorschläge von den Clubfrauen – zum Beispiel den Wunsch nach mehr Frauen mit Migrationsgeschichten, aber auch nach mehr feministischen und wissenschaftlichen Themen.
Erfüllt euch eure Träume – Fauenporträts in SWR Heimat
SWR1
Wie sieht es in einem Radiostudio aus? Welche Signale leuchten auf den verschiedenen Monitoren und wofür eigentlich die vielen Regler am Radiopult? Seit wann ist die Führung bei SWR1 weiblich? Cora Klausnitzer, Moderatorin der Sendung „SWR1 Guten Morgen Baden-Württemberg“ nahm die Teilnehmerinnen mit ins SWR1 BW-Studio, zeigte, wie Radio produziert wird, und beantwortete zahlreiche Fragen.
Ein Abend voller inspirierender Gespräche
Zum Get-together ging es abschließend ins SWR Kasino, wo weitere Kontakte geknüpft wurden. „Ein wertvoller Austausch für alle: Starke Frauen aus dem SWR trafen starke Frauen aus der Privatwirtschaft. Was für ein Spirit und für eine Expertise!“, betonte Kommunikationschefin Anja Görzel. Auch die Clubfrauen waren sich in ihrem Feedback einig: „Ein inspirierender, nachhaltiger Abend mit viel positiver Energie.“