Für eine aktuelle Studie wurden die Temperaturdaten des Rheinwassers und deren Entwicklung seit 1978 ausgewertet. Wissenschaftlerin Marieke Frassl und Kollegen haben Modellrechnungen anhand der Klimaentwicklung durchgeführt. Sie erwarten eine Zunahme der mittleren jährlichen Wassertemperatur. Verantwortlich dafür sind meteorologische Aspekte wie die Lufttemperatur und die Sonneneinstrahlung.
Mit der Lufttemperatur steigt auch die Wassertemperatur
Ein Ergebnis der Studie: Es gibt immer mehr Tage mit Wassertemperaturen über 25 Grad. Und es besteht die Gefahr, dass es bis zum Ende des Jahrhunderts auch im Winter immer weniger Tage mit Wassertemperaturen unter zehn Grad geben wird.
Verantwortlich dafür sind auch die Kraftwerke entlang des Rheins, die das Wasser des Rheins für ihre Kühlprozesse verwenden. Dieses Wasser wird entnommen und nachdem es zur Kühlung verwendet wurde, wird es aufgeheizt wieder in den Rhein zurückgeleitet.
Die Folgen einen weiteren Erwärmung des Rheinwassers
Nach den Berechnungen der Wissenschaftler könnte die mittlere jährliche Wassertemperatur im Rhein bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu 4,2 Grad steigen. Für die Lebewesen im Rhein bedeutet das Stress.
Bei höheren Temperaturen wird weniger Sauerstoff im Wasser gelöst. Durch diesen direkten Hitzestress werden die Organismen geschwächt, sind dadurch anfälliger für Krankheiten. Und wenn auch im Winter das Wasser nicht mehr kalt genug wird, dann können sich die invasiven Arten weiter verbreiten und die heimischen Arten verdrängen, so die Wissenschaftlerin.
Ein Fischsterben wie im Hitzesommer 2003 könnte sich wiederholen. Zigtausend Tiere sind damals verendet. Neben den Folgen für die Lebewesen im Rhein könnte sich eine höhere Wassertemperatur auch auf die Industriebetriebe entlang des Rheins auswirken. Wenn das Wasser zu warm ist, dürfen die Unternehmen kein Kühlwasser mehr einleiten. Sie müssten ihre Produktion einschränken.
Abkühlung für den Rhein
Maßnahmen zur Senkung der Wassertemperatur im Hauptstrom des Rheins selbst sind nur schwer umsetzbar. Eine Möglichkeit wären zum Beispiel Renaturierungsmaßnahmen an Alt-Armen, bei denen das Ufer restrukturiert und mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt wird, um so für eine Beschattung zu sorgen und das Wasser abzukühlen. Oder auch eine Anbindung der Nebengewässer würde helfen, weil die Nebengewässer häufig noch kühleres Wasser in den Rhein bringen.
Das Bundesprogramm "Blaues Band" fördert solche Renaturierungsmaßnahmen an großen Wasserstraßen. Auch die Industrieunternehmen können etwas tun. So nutzt etwa die BASF in Ludwigshafen eigene Anlagen, um das verwendete Rheinwasser abzukühlen, bevor es wieder eingeleitet wird. Die Hauptursache für die ansteigenden Temperaturen des Rheinwassers sehen die Wissenschaftler im Klimawandel. Nur wenn der gebremst werden würde, könnte das Leben im und am Rhein auf Dauer wie gewohnt weitergehen.