Elektronische Patientenakte: Viele haben sie – kaum jemand nutzt die App
Seit über einem Jahr gibt es die elektronische Patientenakte (ePA) „für alle“. Das heißt: Wer gesetzlich versichert ist und nicht aktiv widersprochen hat, hat automatisch eine ePA – oft ohne es zu merken. Sie soll beispielsweise Arztbriefe, Befunde, Röntgenbilder, Medikationspläne oder den Impfstatus digital bündeln, damit im Alltag (und im Notfall) weniger Papier herumgetragen werden muss.
Was ist die ePA – und wofür soll sie gut sein?
Die ePA ist vereinfacht gesagt ein geschützter digitaler Ordner für medizinische Dokumente. Ärztinnen und Ärzte können dort – mit Berechtigung – wichtige Unterlagen ablegen und auslesen. Der Zugang läuft über die Versichertenkarte: Wird sie in der Praxis eingelesen, erhält die Praxis – je nach Freigaben – Zugriff auf den digitalen Ordner. Und: Patientinnen und Patienten können ihre ePA über eine App ihrer Krankenkasse auch selbst einsehen.
Viele haben eine ePA – aber wenige sind für die App registriert
Die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland nennt dazu Zahlen: Von rund 1,25 Millionen Versicherten haben 39.600 widersprochen (etwas mehr als 3 Prozent) – sie haben keine ePA. Alle anderen schon. Für die App-Nutzung müssen sich die Versicherten selbst extra registrieren. Das haben bislang nur 18.200 getan – das sind gerade mal 1,45 Prozent.
Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?
Maximilian Heitkämper, zuständig für Digitales und Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, erklärt uns: Der Verschlüsselungsstandard sei technisch auf hohem Niveau – einen hundertprozentigen Schutz gebe es aber nie. Gerade bei besonders sensiblen Informationen (z. B. psychische Erkrankungen, HIV, Schwangerschaftsabbrüche) möchten manche sehr genau steuern, wer was sehen darf. Dafür gibt es in den Apps Einstellmöglichkeiten: Zugriffsrechte lassen sich anpassen – allerdings ist die Einrichtung der Apps oft kompliziert.
Hilfe bei Einrichtung – und auch beim Widerspruch
Damit möglichst viele die ePA auch selbst nutzen können, bietet die Medienanstalt Rheinland-Pfalz Hilfe von sogenannten ePA-Coaches an: Ehrenamtliche, die bei Fragen beraten und bei der App-Registrierung helfen. Infos dazu finden Sie unter: https://www.epa-coaches-rlp.de/ Wer kein Smartphone hat, kann außerdem eine Vertrauensperson mit Smartphone benennen, die Einblick in die elektronische Patientenakte erhält und die Verwaltung übernehmen kann. Wer die elektronische Patientenakte nicht nutzen möchte und nicht will, dass dort Daten gespeichert werden, kann ihr widersprechen. Das geht direkt bei der jeweiligen gesetzlichen Krankenkasse, entweder über ein Online-Formular auf deren Website, per Post oder in einer Geschäftsstelle.