Kirche zahlt nicht

Nach Fund von Massengrab im Garten: Streit um Bestattungskosten

Der Boden voller alter Menschenknochen, ein Massengrab im eigenen Garten – das hat Stefan Turnsek bei Bauarbeiten entdeckt. Doch die Kirche will die Bestattungskosten nicht zahlen.

Teilen

Stand

Im März wollte Stefan Turnsek aus Kirf (Kreis Trier-Saarburg) auf seinem Grundstück eine Garage bauen. Das alte Pfarrhaus hatte er vor ein paar Jahren gekauft. Für die neue Garage musste eine alte Mauer weichen. Dann begann eine Geschichte, die bis jetzt noch nicht geklärt ist.

Während des Baggerns ist uns aufgefallen, dass wir was Helles sehen. Wir haben das mit der Hand dann ein bisschen freigekratzt und dann kam der erste Knochen zum Vorschein. Dann wurden es immer mehr.

Gebeine von 250 Menschen im eigenen Garten: Wer ist zuständig?

Nach dem ersten Schock, so erzählt Stefan Turnsek, habe er den Bürgermeister von Kirf zu Hilfe gerufen. Bürgermeister Reinhold Anton kam zur Baustelle und besah sich das Ganze. Daraufhin habe er sich im Internet informiert, was in so einem Fall zu tun sei und die Polizei verständigt, berichtet der Bürgermeister. Die Polizei stellte mittels Laboruntersuchung fest, dass es sich um alte Knochen handelt, älter als 90 Jahre. Damit war sie für den Fall nicht zuständig.

Die nächste Überlegung war, den vorhergehenden Besitzer des Grundstücks zu informieren – die Pfarrgemeinde Kirf.

Also ich habe den Herrn Pastor angerufen und ihm die Tatsache hier geschildert. Daraufhin hat er gesagt, er ruft die Frau Kiefer an. Er hat das auch gemacht. Und die soll sich drum kümmern.

Bestatterin von Kirf sammelt Knochen der etwa 250 Toten ein

Ulla Kiefer ist Bestatterin im Ort. Sie berichtet, sie habe sich nach dem Anruf von der Gemeinde zusammen mit dem Bürgermeister in Bild gemacht und beschlossen, die Gebeine abzuholen. Am nächsten Tag sammelte Ulla Kiefer mit ihren Mitarbeitern und der Familie Turnsek mehrere Stunden die Gebeine der etwa 250 Toten ein.

Der Auftrag kam von der Kirchengemeinde, die Knochen einzusammeln.

Die Gebeine wurden in der Leichenhalle des Friedhofs in Kirf aufgebahrt. Die Kosten für ihre Arbeit stellte die Bestatterin der Kirche in Rechnung. Sie liegen bei 6.593 Euro.

6.593 Euro für die Toten – Bestatterin bleibt auf den Kosten sitzen

Die Antwort auf die Rechnung bekam die Bestatterin von der Pfarrei Saar-Leuktal, allerdings von einem anderen Pfarrer – einem Kollegen des Priesters, der mit der Bestatterin telefoniert hatte: "Weder ich noch ein anderes Mitglied des Verwaltungsrates hat Ihren Unternehmen den Auftrag erteilt die Gebeine einzusammeln [...]"

Wer aber zahlt die 6.593 Euro für das Einsammeln und die Beisetzung der Knochen? Bürgermeister Reinhold Anton kritisiert das Verhalten der Kirche in dem Fall. Es sei aus seiner Sicht nicht in Ordnung, sich wegen eines solchen Betrags querzustellen.

Auf Nachfrage des SWR antwortet die Pressestelle des Bistums Trier: "Die Frage, ob ein Auftrag zur Bergung und Bestattung der Gebeine erteilt wurde, ist strittig und derzeit in der Klärung."

Die vier Särge wurden bereits im Sommer beigesetzt. Der Knochenfund von Kirf wird jetzt die Gerichte beschäftigen. Bestatterin Ulla Kiefer hat einen Rechtsanwalt beauftragt, denn auf der Rechnung für die Bergung der Gebeine von 250 Menschen will sie nicht sitzenbleiben.

Oppenheim

Ich hab da mal ne Frage Warum sind im Oppenheimer Beinhaus Menschenknochen gestapelt?

Direkt neben der beeindruckenden Katharinenkirche in Oppenheim liegt ein Ort, der Gänsehaut garantiert: das Beinhaus. Es beherbergt die Knochen von über 20.000 Menschen und zählt zu den größten seiner Art in Deutschland.
Doch warum wurden hier so menschliche Überreste aufbewahrt? Welche Geschichten und Geheimnisse verbergen sich hinter den Schädeln und Gebeinen, die ordentlich gestapelt die düstere Atmosphäre des Beinhauses prägen?

Landesschau Rheinland-Pfalz SWR RP

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
SWR