Statt einer Speisekarte aus Papier verrät ein QR-Code das Angebot. Bezahlt wird auch gleich mit dem Handy und die eigenen Krankheiten sind in der elektronischen Patientenakte vermerkt. Auch Elke Böhm aus Mainz kennt den Druck der Umstellung. Seit viele Ärzte ihre Termine nur noch online vergeben, ist die 69-Jährige viel mehr am PC gefordert. So ergeht es vielen Älteren. Am Telefon kommt man oft nicht durch oder erlebt, dass man mit Chat-Bots oder anderen Computerstimmen zurechtkommen muss.
An der Universität Mainz lehrt Professor Sascha Dickel Mediensoziologie. Jede moderne Gesellschaft ist einem stetigen Medienwandel und damit auch einem Kommunikationswandel unterworfen. Soziologische Forschungsergebnisse besagen, dass immer wenn neue Medien eingeführt werden in die Gesellschaft, sich typischerweise Abwehrreaktionen einstellen. Und Leute fragen sich: Was passiert eigentlich mit unserer Gesellschaft? Das war bereits bei der Einführung von Schrift von Buchdruck an, die Kinotechnologie wurde als Zumutung empfunden.
Wie kann man solche großen, schnellen Bilder eigentlich aushalten?
Das Fernsehen wurde als etwas beschrieben, was die Menschen allesamt verdummen wird. Die Menschheit hat natürlich immer wieder diese Erfahrung, dass Gesellschaften sich an neue Technologien gewöhnen müssen. Das Statistische Bundesamt zählte 2024 immer noch drei Millionen Menschen, die in Deutschland offline sind.
Wer wird digital abgehängt?
Beim Sozialverband VdK suchen Menschen mit geringem Einkommen oft digitale Hilfe. Darunter sind viele Bürgergeld-Empfänger. Moritz Ehl kann gut nachvollziehen, dass sie kein Geld für die Anschaffung teurer Endgeräte übrig haben, auch wenn ein Posten im Bürgergeld eingebaut wurde. Wenn jemand alleine lebt und Bürgergeld bezieht zum Beispiel, ist die Idee des Gesetzgebers, er hat 3,74 € im Monat als ein Teil seines Bürgergeldsatzes, den er ansparen soll, um sich dann davon elektronische Geräte wie ein Handy zu kaufen.
Das ist, laut Moritz Ehl, natürlich in der Praxis nicht vorstellbar, weil die Menschen, die Bürgergeld beziehen, das Geld jetzt brauchen, um Lebensmittel zu kaufen und Stromrechnungen zu bezahlen. Wer sein Anliegen nicht online erledigen kann, sollte bei staatlichen Stellen nach den passenden Vordrucken fragen. Moritz Ehl hört immer wieder von VDK-Mitgliedern, dass sie probiert haben, einen Papier-Antrag zu stellen, zum Beispiel bei der Krankenkasse oder bei der Arbeitsagentur und weggeschickt wurden und verwiesen werden auf die digitalen Zugänge. Und nicht jeder hat die Möglichkeit, digitale Anträge zu stellen oder möchte das auch. Und gerade solche staatlichen Stellen sind verpflichtet, auch weiterhin Anträge in Papierform entgegenzunehmen.
Wie kann man Hilfe bekommen?
Hanns-Georg Leimer aus Mainz gehört zu landesweit 700 ehrenamtlichen Helfern der Medienanstalt Rheinland-Pfalz. Er hilft Ratsuchenden bei vielen Fragen. Darunter fallen ganz viele Fragen zu Computeraufforderungen, die hochpoppen. Wie zum Beispiel die, ein Update zu installieren. Viele Senioren haben irgendwie Angst vor Updates. Es stellen sich ganz viele weitere Fragen wie: Die Cloud und Zwei-Faktor-Authentifizierung, was ist das?
Hanns-Georg Leimer macht unentgeltliche Hausbesuche wie bei Elke Böhm in Mainz. Sie kommt mit dem Onlinetermin für ihren neuen Personalausweis nicht weiter. Geduldig erklärt Hanns-Georg Leimer das Prozedere. Diese kostenlose Hilfestellung ist für Elke Böhm der Aufbruch in eine neue digitale Welt. Sie sagt: Man kommt einfach in diese Welt ein bisschen besser rein und wird neugierig, probiert aus. Und das ist eine ganz super positive Sache. Digitale Technologien sind in unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Digitale Botschafter oder Sozialverbände sind gute Ansprechpartner bei Problemen, damit man den Anschluß nicht verliert.