Donaueschinger Musiktage | Werke des Jahres 2024

Sara Glojnarić: DING, DONG, DARLING!

Für sechs verstärkte Stimmen, Orchester und Elektronik. Uraufführung bei den Donaueschinger Musiktagen 2024.

Werkkommentar

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Stand

Ein Stück über Queer Joy.

"Chill out, it's all been done before", singt Avril Lavigne in ihrer Single Complicated aus dem Jahr 2002.

Ich hätte nie gedacht, dass ein Zitat aus diesem Song mir helfen würde, den Einfluss meiner eigenen Identität auf eigene kompositorische Arbeit zu kalibrieren. Die Queer-Kultur hat einen bedeutenden Einfluss auf die Popkultur, Online-Slang und den modernen Internet-Diskurs. Das Material, das ich konsumiere und lese, ist so stark von meiner eigenen Queerness beeinflusst, dass es sich darauf auswirkt, wie ich die Welt sehe und wie ich mit ihr interagiere. Dies ist eine Art Coming-out, bei dem ich meinen persönlichen Geschmack offenlege und die Bezüge zelebriere, die mir ein Gefühl großer Freude vermitteln.

DING, DONG, DARLING! ist ein Stück, das versucht, das Gefühl wiederzugeben, das wir erleben, wenn Chappell Roan offen über ihre Sehnsucht nach anderen Frauen singt, alles verpackt in einem glänzenden Pop-Paket; oder das Camp der Eurovision; wenn wir über einen Sainthoax-Post auf Instagram giggeln; oder wenn wir die subversive Natur der House-Musik und ihrer Musiker:innen, überwiegend schwarze Frauen und Trans-Frauen, erkennen und feiern.

Es geht darum, diesem Moment der Freude und der Hoffnung nachzugehen, der dadurch ausgelöst wird, wenn ich eine andere Person bei der Leichtigkeit ihres queer Seins betrachte. Im Kern ist "queer joy" ein Konzept, das die Bedeutung von Freude und Vergnügen im Leben von LGBTQ+ Personen anerkennt. Es stellt das gängige Narrativ in Frage, dass queer Sein ausschließlich auf Schmerz oder Trauma zurückzuführen ist, und erkennt stattdessen die Widerstandsfähigkeit, den Widerstand und die Kreativität von LGBTQ+ Menschen an.

Wenn ich über meine frühere Arbeit mit Erinnerung nachdenke, stelle ich fest, dass sie größtenteils äußerlich war. Jetzt richte ich den Blick nach innen und nehme mich selbst unter die Lupe. Diese Arbeit ist ein Container, eine Art Hommage, gefüllt mit Referenzen und Erinnerungen, die Nicht-Normativität, Pathos, Hyper-Pop, Camp, Glitter und Sexualität in all ihren Aspekten einbezieht und, was am aller wichtigsten ist, die Freude als integralen Bestandteil meiner künstlerischen Praxis zurückerobert.

English

A piece about queer joy.

"Chill out, it's all been done before", Avril Lavigne sings in her 2002 single Complicated.

I never thought a quote from this song would help me calibrate the influence of my own identity on my compositional work. Queer culture has a foundational shaping power on broader pop culture, digital movements, online slang, and modern internet discourse. The material I consume and read is so influenced by my own queerness that it impacts how I see the world and how I interact with it. This implies a coming out of sorts, revealing personal taste and celebrating the references that give me a sense of immense joy.

DING, DONG, DARLING! is a piece trying to reenact the feeling we get when Chappell Roan openly sings about desire towards other women, all packed in a glorious pop package; or the camp of Eurovision; when giggling at a Sainthoax post on Instagram; or when recognizing and celebrating the subversive nature of house music and its makers, predominantly black women and trans women.

This piece is about chasing that moment of joy, hope, and a sense of lightness triggered by another person's display of unabashed queer joy, which, as its core, is a concept that acknowledges the importance of joy and pleasure in the lives of LGBTQ+ individuals. It challenges the dominant narrative that being queer is exclusively rooted in pain or trauma and instead recognizes the resilience, resistance, and creativity of LGBTQ+ people.

Reflecting on my previous work with memory, I realize it was largely external. Now, I turn inward, subjecting myself to introspection. This work is a container, an hommage of sorts, filled with references and memories, embracing non-normativity, pathos, hyper-pop, camp, glitter, youth, and sexuality in all its aspects and, most importantly, reclaiming joy as an integral part of my artistic practice.