Donaueschinger Musiktage 2024

Glocken aus Japan in Donaueschingen hören: Robin Minards Installation „Kaminoyama Soundmark“

Vor 100 Jahren, im Jahr 1924, besuchte der japanische Dichter Saito Mokichi Donaueschingen. Die neue Installation „Kaminoyama Soundmark“ im Karlsgarten lädt jetzt dazu ein, Saitos Heimat mit dem Ohr einen Besuch abzustatten. Der kanadische Klanginstallationskünstlers Robin Minard hat sie im Rahmen der Donaueschinger Musiktage 2024 geschaffen, sie bleibt der Stadt dauerhaft erhalten.

Teilen

Stand

Von Autor/in Valentin Heib

Die Glocken von Donaueschingen inspirierten Robin Minard

In einem kleinen Park direkt hinter dem Bahnhof von Donaueschingen, dem Karlsgarten, steht ein japanischer Kirschblütenbaum. Unter ihm ertönt der Klang japanischer Glocken. Er kommt von einem Lautsprecher unter einer Metallplatte, die in das Gras unter dem Baum eingelassen ist.

Die Platte mit dem Glockenklang heißt „Kaminoyama Soundmark” und ist das Werk des kanadischen Klangkünstlers Robin Minard.

„In Donaueschingen sind mir die vielen Glocken aufgefallen, die die ganze Zeit spielen“, erzählt Robin Minard. „Glocken haben mich immer fasziniert. Da schlägt nicht nur Metall auf Metall, sie haben immer eine kulturelle Bedeutung.“

Der Künstler Robin Minard und Leiterin der Donaueschinger Musiktage Lydia Rilling stehen im Karlsgarten Donaueschingen vor der neuen Installation „Kaminoyama Soundmarks“.
Der Künstler Robin Minard und Leiterin der Donaueschinger Musiktage Lydia Rilling stehen im Karlsgarten Donaueschingen vor der neuen Installation „Kaminoyama Soundmarks“. Valentin Heid

Klänge aus der Heimatstadt des Dichters Saito in Donaueschingen

Minard wollte die Glocken Japans nach Donaueschingen bringen, weil der Dichter Saito hier war, als er die Donau besuchte: „Ich dachte, es wäre schön, nach Japan zu gehen und den Klang von dort zurückzubringen.“ 

Minards Installation besteht aus Klängen aus Kaminoyama, der Heimatstadt des Dichters Saito Mokichi. Über seinen Besuch an der Donauquelle schrieb Saito einen Reisebericht und mehrere Gedichte. Verbunden durch diese Werke schlossen Kaminoyama und Donaueschingen schließlich eine Städtepartnerschaft. Robin Minard will Saitos Besuch jetzt ein akustisches Denkmal setzen.

„Man hört auch seine Stimme in der Installation, er liest seine Gedichte, die von Alltäglichem handeln“, sagt Minard, „über Regen, der auf Blätter fällt, über seine Umwelt. Er war der Natur sehr nah.“

Minard möchte den Menschen helfen, wieder genauer hinzuhören

In der Installation sind Saitos Lieblingsglocken zu hören, denen er in einem Tempel in den Bergen gelauscht hatte. „Und man hört seine Gedichte, versteckt, es ist eine Hommage an ihn“, erklärt Robin Minard.

In seinen Kunstwerken lenkt Minard die Aufmerksamkeit bewusst auf Zwischentöne unseres Alltags. Er ist besorgt darüber, mit welcher Hör-Haltung wir oft durch unseren Alltag gehen: „Wir lernen als Gesellschaft immer mehr, nicht hinzuhören. Wir tragen Kopfhörer, hören die ganze Zeit Musik, aber hören nicht mehr auf die Umwelt, die uns umgibt. Viele meiner Installationen sind sehr leise, sie laden ein, ihnen zuzuhören. Mein Ziel ist es, den Menschen zu helfen, wieder hinzuhören!