Hinter jeder Straftat steht ein Mensch, der hat Gefühle.
Pflegeberuf: Krankenhaus vs. Gefängnis
Vor 25 Jahren fängt Natalie an, im Krankenhaus als Pflegerin zu arbeiten. 2012 wechselt sie ins Seniorengefängnis: „Ich wurde gefragt, ob ich im Gefängnis als Pflegerin arbeiten möchte. Und ich dachte: Cool, das guck’ ich mir mal an. Draußen als Pflegerin ist es mir tatsächlich zu emotional geworden. Ich war bereit für was Neues.“
Pflege im Justizvollzug: „Die Neugierde war so groß, dass die Angst hinten angestanden hat.“
Natalie arbeitet mit Straftätern, die je nach Vergehen zwischen zwei und 15 Jahren im Gefängnis verbringen. Sie kennt dabei die jeweiligen Taten der Insassen. „Es dauert eine Weile, bis man raus hat, wie man mit den Insassen richtig arbeitet. Eine gewisse Vorsicht ist da. Ich muss ganz genau darauf achten, wie ich ihnen begegne. Man muss deeskalierend arbeiten.“ Mittlerweile hat Natalie 13 Jahre Berufserfahrung in ihrem Job und auch schon viel erlebt: „Im Gefängnis treffe ich die Entscheidungen. Wenn jemand ohnmächtig wird, dann muss ich sagen: Wir machen ein EKG, wir nehmen Blut ab. Ich entscheide auch, ob der Notarzt kommt oder nicht. Man hat die Verantwortung den Insassen gegenüber. Man will und muss alles richtig machen. Und man hat auch die Verantwortung den Kollegen und der Bevölkerung draußen gegenüber.“
Hier gibt es ein paar Insassen, die haben tatsächlich niemanden: keine Angehörigen, keine Freunde, die telefonieren nicht, schreiben kaum Briefe, werden nicht besucht. Die Insassen sind sehr freundlich zu mir. Wir haben einen ganz netten, offenen Umgang miteinander. Jeder hat seinen Charakter und bringt seinen Humor mit.
„Ich habe in den letzten 13 Jahren schon so viel gesehen, dass ich nicht mehr aufgeregt bin.“
Und auch heute übt Natalie ihren Beruf noch immer mit Begeisterung aus: „Mich fasziniert die Arbeit im Gefängnis. Ich finde es spannend und aufregend, jeden Tag. Hier sind viele verschiedene Charaktere mit verschiedenen Straftaten und Erkrankungen. Es ist sehr abwechslungsreich.“ Worauf sie im Arbeitsalltag achtet? „Für mich ist es besonders wichtig, dass man die Straftäter gut behandelt, weil sie einfach Menschen sind. Man kann jemanden nicht an einer Straftat festmachen.“
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