Es gab Höhen und Tiefen, die gibt es bei jedem. Ich bin zufrieden. Ich kann es manchmal selbst gar nicht glauben – 101 schon?
Als Mia 1923 geboren wird, ist Deutschland von der Inflation gezeichnet, es existiert die Weimarer Republik. In dieser Zeit wächst Mia als dritte von vier Schwestern in Konz auf: „Ich sollte ein Junge sein, aber das war nix. Mein Vater war sehr enttäuscht, aber er hat sich schnell beruhigt. Wir hatten eine schöne Kindheit, wir waren nicht arm.“
Nach der Schule und Ausbildung geht Mia nach Trier, die Kinderpflegerin kümmert sich um die vier Kinder einer Apothekerfamilie. Beruflich eine sehr schöne Zeit. Doch Mia erlebt den zweiten Weltkrieg hautnah, ihr Elternhaus wird zerbombt. 1944 fallen auch in Trier die Bomben, sie muss mit ihrer Familie ins Brohltal zu einer Tante flüchten. Doch trotz dieser schlimmen Erlebnisse fokussiert sich die 101-Jährige auf das Positive: „Bei uns war alles kaputt, aber meine Mutter lebte, das war das Wichtige. Dann sind wir hier gelandet und haben unser großes Glück gefunden.“
Mia hat ihren Beruf immer geliebt
1946 lernt Mia ihren zukünftigen Mann kennen, nach der Hochzeit 1950 kommt ein Jahr später die Tochter zur Welt. Bis heute stehen sich die beiden nah und leben in einem Haus. Ungewöhnlich für die damalige Zeit: Mia ist Mutter und geht arbeiten – und ihr Mann ist einverstanden. In den 1970ern steigt sie von der Postzustellerin zur Poststellenleiterin auf: „Als ich das Angebot bekommen habe, habe ich zugesagt – ohne die Erlaubnis von meinem Mann. ‚Wenn du das gerne machst‘, sagt der. Ja, der war damit einverstanden. Ich habe immer gerne gearbeitet – insgesamt 40 Jahre.“
Inzwischen sieht Mia schlecht, kann nicht mehr lesen und dadurch auch nicht mehr gut schreiben. Gewünscht hätte sie sich, dass ihr Mann noch etwas länger bei ihr geblieben wäre – seit 1980 ist Mia Witwe. Doch insgesamt ist die 101-Jährige zufrieden:
Ich habe das große Glück noch zu Hause zu sein. Ich habe die Fahrkarte für oben in der Tasche, aber sie ist noch nicht gelocht.
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