Zwischen Fluch und Segen – Fabienne fünf Jahre nach der Flut im Ahrtal

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„Ich habe die ganzen Sachen von der Flut auf den PC gespielt und alles vom Handy weg, weil man dazu neigt, immer mal wieder so zu gucken und eigentlich möchte ich das nicht, weil ich nach vorne schauen will." 

Eine Nacht, die alles verändert

Fünf Jahre ist es her, dass die Ahr über die Ufer getreten ist und alles mitgerissen hat, was ihr in den Weg gekommen ist. Fabienne hat die Flut zuhause in Altenahr miterlebt. Zusammen mit ihrem Stiefvater war sie im zweiten Stock ihres Hauses gefangen. Mit dem Handy filmte sie vom Balkon, wie ihr Auto von den Wassermassen erfasst und mitgezogen wurde.

Ich habe versucht zu retten, was ging. Und dann konnte man echt nur noch zugucken von der zweiten Etage. Das war eine krasse Nacht.

Nach zwei Stunden Schlaf war für Fabienne die Nacht auch schon wieder vorbei. „Man hat eigentlich nur noch gehofft, dass man das irgendwie übersteht.“

Es bleibt ein Trümmerfeld

Am nächsten Morgen war das Wasser weg und das ganze Ausmaß der Zerstörung wurde sichtbar. Für Fabienne wird schnell klar, sie möchte das Haus wieder aufbauen. Das Ahrtal ist ihre Heimat, hier möchte sie leben. Während der Aufräumarbeiten lernt sie durch ihre Freundinnen Steffen kennen. Er ist als Helfer im Ahrtal unterwegs. Die beiden verlieben sich und heiraten kurze Zeit später.

Ich habe ja gesehen und miterlebt, was so passiert in schneller oder in kurzer Zeit. Deswegen, warum soll ich da noch warten? Einfach machen!

Während der Renovierungsarbeiten zieht Fabienne zu ihren Eltern an die Mosel. Da war sie schwanger mit ihrem ersten Kind Liam. „Ich hatte da ein bisschen Unterstützung, was auch die Organisation der Handwerker anging.“

Wie geht es weiter?

Ende 2022 ziehen Fabienne und Steffen mit ihrem Sohn zurück ins Ahrtal. „Man muss wieder reinfinden, die Leute wieder neu kennenlernen. Man hatte sich ja länger nicht gesehen, weil man nicht hier gewohnt hat.“ Das Paar erwartet zu diesem Zeitpunkt ihr zweites Kind. Für Fabienne hat sich mit dem Einzug in das neu renovierte Haus auch einiges verändert. „Ich war arbeiten, hatte mein Leben, meine Freunde. Und jetzt habe ich halt viel, viel mehr Verantwortung.“ Durch ihre Familie ist sie viel mehr im Dorf integriert und möchte das auch nicht mehr missen. „Man ist halt viel mehr im Dorf, gerade auch mit den Kindern.“ 

Altenahr ist meine Heimat

Fabienne will bleiben. Für sie war die Flut Fluch und Segen zugleich. „So ein paar Momente, die holen einen schon nochmal zurück. Es gibt halt Bilder. Man sieht halt an den Häusern links, rechts vor dir, die halt noch nicht fertig sind, wo schon noch zu sehen ist, wie hoch die Wassermassen waren.“ Den Balkon, auf dem sie damals ihr wegschwimmendes Auto gefilmt hat, hat sie nicht mehr aufgebaut. Zu tief sitzen die Erinnerungen. Zu groß die Sorge, dass ihren Kindern dort etwas passieren könnte. Für die Zukunft wünscht sich Fabienne, dass alle gesund bleiben.

Und ich möchte, dass die Kinder in Ruhe hier aufwachsen und ihre Kindheit verbringen.

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