Ich war schon immer ein extremer Mensch. Ich konnte noch nie irgendwas normal machen und musste schon immer auffallen. Das zieht sich durch mein Leben wie ein roter Faden.
Markus sitzt in seinem Wohnzimmer zwischen drei riesigen Hunden, der weiße Adam schmiegt sich an ihn. „Ich hatte eine sehr schöne Kindheit. Was genau der Schaltfehler war, kann ich nicht sagen.“ Markus ist elf, als er das erste Mal Drogen nimmt. Als Jugendlicher konsumiert er Alkohol so exzessiv, dass man ihn jahrelang kaum noch nüchtern erlebt.
Über Bekannte kommt er schließlich mit Rechtsrock in Kontakt und rutscht immer weiter in die rechtsextreme Szene. Die Jahre als „dummgesoffener Dorf-Nazi“, wie Markus selbst sagt, haben Konsequenzen: Er wird mehrfach angeklagt – wegen verfassungswidriger Kennzeichen bis hin zu gefährlicher Körperverletzung. Nur weil das nach Jugendstrafrecht geahndet wird, entgeht er einer Gefängnisstrafe.
Mit einem Alkoholentzug kommt der Wendepunkt. Nach Monaten der Isolation von Alkohol und Kameraden ist er nicht nur trocken, sondern distanziert sich auch von der rechtsextremen Szene.
Umso länger ich trocken war, umso mehr habe ich gedacht: Warum etwas aufrechterhalten, was du null bist und fühlst?
Im Tierschutz findet Markus schließlich seine Berufung. Seit mehr als zehn Jahren lebt er vegan, 2019 erfüllt er sich mit seiner Mutter den Traum vom Lebenshof. Im Hunsrück schenken sie über 120 Tieren einen Gnadenplatz, mehr geht nicht: Es herrscht Aufnahmestopp. „Das ist alles spendenbasiert – eine Riesenherausforderung“, erklärt Markus. „Die Tiere versorgt zu bekommen, ist teilweise wirklich ein Überlebenskampf.“
Mit seinem Lebenshof hat Markus zumindest „ein Fünkchen Frieden“ gefunden: „Ich habe das erste Mal das Gefühl, dass mein Leben einen Sinn hat.“ Gegen rechte Hetze positioniert er sich heute aktiv: „Gerade, weil ich weiß, gegen was ich da bin. Andere Menschen ausgrenzen und Hass schüren ist eben keine Alternative.“
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