Menschen sollen sich trauen zu trauern

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Von Autor/in Michèle Kraft, Nico Bähr

Ob es eine Trauerbegleitung braucht, entscheidet jeder für sich. Es wird nicht jeder Mensch, der in Trauer ist, sich eine Begleitung wünschen.

In Sylvias Leben spielt Trauer eine sehr große Rolle. Die gelernte Augenoptikerin hat sich 2004 entschlossen erst ein Ehrenamt in einem Seniorenheim anzunehmen und später im Hospiz. „Für mich ist das so eine bereichernde Tätigkeit. Ich komme zu Menschen in einer absoluten Ausnahmesituation am Lebensende und diese Menschen lassen mich in ihr Leben hinein. Sind bereit sich über ihre tiefsten Gedanken, die am Lebensende auftauchen, auszutauschen. Und das bereichert mich und mein Leben.“

Sylvias eigene Erfahrung mit Trauer

Radikal verändert hat sich Sylvias Leben, als nach ihrem Vater 2013, 2015 auch ihr 21-jähriger Sohn Max und nur kurze Zeit später ihre Mutter starben. „Relativ zeitnah ist mir dann aber bewusst geworden, dass ich in die Hospizarbeit zurückkehren möchte. Aber mein Blickwinkel hat sich verändert. Und ich habe mehr in Richtung der Trauerbegleitung geschaut, weil auch wir, als Eltern, eine solche Begleitung gesucht haben.“ Sylvia und ihr Mann haben lange Autofahrten auf sich genommen, um Hilfe zu bekommen. Für Sylvia stand schnell fest, dass sie an der Situation etwas ändern möchte und im Hunsrück auch eine Trauerbegleitung anbieten möchte. „Dann habe ich bereits ein Jahr nach dem Tod unseres Sohnes begonnen, mich in dieser Hinsicht weiterzubilden.“

Als Ort ihrer Trauerbegleitung hat sie sich bewusst für einen Schäferwagen entschieden. „Es ist ein kleiner Raum, der umarmend ist, aber auch Klarheit bietet und auch noch genug Platz hat, um darin gut zu sein. – Menschen in Trauer haben unglaublich viel Chaos im Kopf, da war es mir ganz wichtig, dass dieser Raum eine Ruhe ausstrahlt, eine Klarheit ausstrahlt und dennoch gemütlich ist.“  

Durch ihre eigene Trauererfahrung hat Sylvia festgestellt, dass Trauer nur wenig Platz in der Öffentlichkeit hat. „Ich würde mir wünschen, dass Trauern immer ein Thema sein darf, denn dann gelingen auch andere Gespräche.“

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