„Mir war es wichtig, dieses Hörbuch aufzunehmen. Ich wollte, dass ihr was Bleibendes habt.“
Pia erfährt Anfang 2022, dass sie unheilbar an einem Hirntumor erkrankt ist. Sie will ihren Söhnen und ihrem Mann mehr als nur Fotos von sich hinterlassen und erfährt von der gemeinnützigen Organisation „Familienhörbuch“.
Die Organisation unterstützt unheilbar kranke Mütter oder Väter von minderjährigen Kindern dabei, ihre eigene Lebensgeschichte in Form eines Hörbuchs festzuhalten. Die meisten Betroffenen leiden an Krebs und hinterlassen sehr junge Kinder, im Durchschnitt sieben Jahre alt. Bei der Arbeit an dem Hörbuch unterstützen sogenannte Audiobiografen. Sie stellen Fragen über das Leben der erkrankten Elternteile, helfen dabei, all die Erinnerungen zu strukturieren und zu verarbeiten. Sounddesigner verknüpfen die Stimme mit Musik und Geräuschen. Circa 100 Arbeitsstunden stecken in einem Familienhörbuch. Die Kosten von rund 5000 Euro werden durch Spenden finanziert.
Pia nimmt ihre Lebensgeschichte im Winter 2022 im heimischen Wohnzimmer in Rheinbrohl auf, vor dem knisternden Feuer des Ofens. Die Arbeit am Familienhörbuch hilft ihr loszulassen, nicht mehr so mit dem eigenen Tod zu hadern. Drei Tage bevor Pia im April 2023 stirbt, übergibt sie ihren Söhnen das ganz persönliche Hörbuch.
Ihr Mann Frank hört es erst einige Wochen nach ihrem Tod. Er muss erst die Kraft dafür sammeln. Dann lernt er unerwartet auch ganz neue Dinge aus dem Leben seiner verstorbenen Frau kennen: „Ihre Kindheit war etwas, das wir so im Alltag gar nicht besprochen haben. Das hat mir sehr viel gegeben, weil es Facetten von ihr gab, die ich mir jetzt erst richtig bewusst gemacht habe.“ Das Hörbuch kann ihm die Trauer und den Schmerz über den Verlust nicht nehmen, gibt ihm aber Kraft:
„Wenn ich ihr Lachen in der Stimme höre, ihre Lebendigkeit und Fröhlichkeit. Das gibt dann auch wieder Kraft, Mut und Zuversicht.“
"Babys sind der kleinste Teil meiner Arbeit”
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