Lissy macht mit knapp 60 Jahren eine Ausbildung zur Flechtwerkgestalterin

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Von Autor/in Jörn Michaely

„Ich finde das unglaublich faszinierend und spannend. Man muss sich konzentrieren, ist aber ganz bei der Sache. Also ich fühle mich so bei mir angekommen. Ist fast eine Meditation, wo du so bei dir bist.“

Lissy aus Remagen im Westerwald hat noch einmal neu angefangen in ihrem Leben. Mit knapp 60 Jahren hat sie zusammen mit ihrem Mann ihr Haus verkauft, den Job und das gemeinsame Antiquitätengeschäft aufgegeben und etwas Neues gelernt. „Ich habe mich gefragt: Was mach ich? Was will ich noch im Leben? Das Leben ist nicht unendlich – was bringt mein Herz zum Klingen? Wo will ich noch hin?“

Bei ihrer Schwester in Frankreich macht Lissy einen Kurs, in dem man lernt, Körbe zu flechten. „Das hat mir so gut gefallen, das war für mich wirklich eine Offenbarung. Wo ich dachte: Boah, das ist ja toll.“ Für Lissy der Punkt ihr altes Leben aufzugeben. „Und es ist auch ein Loslassen. Ein Loslassenprozess ist oft mit wehem Herz verbunden, aber ich sag mal so: Eine Tür geht zu und eine andere geht auf. Es passiert danach immer wieder was, wo es weitergeht, was toll ist.“

Drei Jahre lernt sie das Handwerk der Flechtwerkgestalterin. Ihr Alter war bei der Ausbildung kein Hindernis. „Das war dort eigentlich kein Thema. Ich fühle mich ja auch nicht meinem Alter entsprechend. Gefühlt bin ich irgendwo zwischen 25 und 30 stehengeblieben. Die jüngste, die bei uns in der Klasse war, hat zu mir mal gesagt: Oh Lissi, du wirst auch nie erwachsen. Weil ich mir gern Quatsch ausdenke.“

Heute flicht die 62-Jährige Körbe und kleine Skulpturen. Sie lebt von ihrem Ersparten, verkauft aber auch Körbe auf Märkten. Viel wichtiger ist ihr: „Etwas herzustellen, was in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit Bestand hat. Einen Wert, auch etwas Bleibendes. Letztendlich fragen wir uns ja alle: Was bleibt, wenn ich mal nicht mehr bin?“

Für ihre Flechtkunst wurde Lissy dieses Jahr für den Staatspreis für das Kunsthandwerk in Rheinland-Pfalz nominiert.

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