Hildegard (94) über ihren Kinderwunsch: 2 Fehlgeburten und einen Sohn mit Toxoplasmose

Hildegard (94) aus Bad Cannstatt hatte in ihrem Leben 2 Fehlgeburten. Als sie doch einen Sohn bekommt, kommt dieser krank auf die Welt. Hildegard berichtet von ihrer Kinderwunschreise.

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Von Autor/in Jessica Sinn

Der Arzt hat einfach gemeint, ich will das Kind nicht. Und ich wäre froh gewesen. Ich hätte 2, 3, 4 genommen.
 

Der Weg zur Diagnose: Toxoplasmose

Hildegard heiratet 1959 und bekommt ihren Sohn Bernd-Uwe. Doch er kommt krank auf die Welt. Die Ärzte sind sich lange unsicher, worum es sich handelt. Nach monatelangen Untersuchungen dann die Diagnose: Toxoplasmose. Die Ansteckung erfolgt im Mutterleib und kann zu Gehirnschäden und Erblindung führen. Außerdem erlebt Hildegard zwei Fehlgeburten: „Mir hat es dann gereicht. Ich wollte gar nichts mehr wissen.” 

Ihr Arzt glaubte ihr nicht

Bei der zweiten Fehlgeburt arbeitet Hildegard erst einmal weiter. Nach einigen Tagen geht sie dann in eine Frauenklinik, um sich behandeln zu lassen. Doch Hildegards Arzt glaubt ihr nicht, dass sie eine Fehlgeburt hatte, erzählt sie. „Der war katholisch und sehr fromm. Das war so am Anfang, wo sie auch abgetrieben haben.“ Der Arzt schickt sie nach Hause, doch die Schwestern sagen ihr: „Sie kommen bald wieder, weil [die Schwangerschaft] ist schon lange abgegangen. Das sieht man doch.“  

Sie konnte ihren Sohn drei Monate nur durch die Scheibe sehen 

 Da Toxoplasmose damals nicht gut erforscht ist, muss Bernd-Uwe die ersten 3 Monate bei der Klinik bleiben, erinnert sich Hildegard. Sie darf ihn dort sonntags besuchen und durch eine Scheibe sehen: „Heute dürfen die Mütter in die Klinik und dürfen ihr Kind halten. Damals durftest du es nur durchs Glas sehen. Und das ist aufreibend gewesen“, erzählt Hildegard. Mittlerweile ist Bernd-Uwe verheiratet und gesund, nur seine Brille trägt er seit der Kindheit, erklärt Hildegard lachend. „Eine gute Frau hat er. Und die ist auch sehr lieb zu mir.“ Die beiden besuchen sie auch häufig. 

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