Muath, Flüchtling aus Syrien, wird Teil von Ralfs Familie als Patenkind

Vor drei Jahren lernen sich Ralf aus Geislingen und Muath zufällig an der Fils kennen. Ralf unterstützt den Geflüchteten Muath beim Ankommen in Deutschland. Daraus wird eine innige, familiäre Freundschaft.

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Von Autor/in Martika Baumert

Ich bin schon offen gegenüber Menschen. Wenn ich Fremde treffe, und die sind mir sympathisch, spreche ich auch gern ein paar Worte, und daraus kann sich schon was ergeben.

Zufälliges Treffen an der Fils führt zu einer innigen Freundschaft 

2022 flüchtet Muath aus Syrien, 2023 kommt er in Deutschland an. Er kommt ins Heim für Geflüchtete in Geislingen an der Steige. Dort wohnt auch Ralf. Der Geislinger erinnert sich: „Es war ein heißer Tag und dann sehe ich ein paar junge Männer die Fils entlang waten, einen davon kannte ich: Abbas, Muaths Freund aus dem Flüchtlingsheim. Wir grüßen uns und dann hat sich das hingezogen zu einem Kaffeetrinken. Und so habe ich Muath kennengelernt.” 

Die Freundschaft zwischen Ralf und Muath ist eine Win-Win-Situation 

Ralf beschreibt das Treffen als schicksalhaft: „Wir konnten es beide brauchen. Genau zu dem Zeitpunkt kam ich in den passiven Teil meiner Altersteilzeit, ich hatte mehr Zeit. Sonst hätte ich das nicht so machen können, die ganzen Termine bei den Behörden. Wir waren wegen Muaths verletztem Knie in verschiedenen Kliniken. Das war schon sehr aufwendig. Aber ich empfinde das als sehr sinnvoll. Da kann man was Gutes tun für Leute nebenan.” 
 
Muath ist Ralf für seine Hilfe und Unterstützung sehr dankbar: „Wenn ich was brauche, kann ich ihn anrufen.” Und er hat im Gegenzug zum Beispiel Ralf bei einem Umzug oder beim Holzmachen geholfen. 

Sprachbarriere: Schwäbisch – deshalb ist der studierte Tierarzt jetzt Handyladenbesitzer 

Auch beim Deutschlernen hat Ralf Muath viel unterstützt. Mittlerweile ist Muath aber sicher im Umgang mit Deutsch: Er versteht fast alles, nur kein Schwäbisch, sagt er lachend. Er wohnt in Metzingen und hat einen Handyladen in Nürtingen, obwohl er eigentlich Tiermedizin in Syrien studiert hat. Doch bei seinem Praktikum in einer Geislinger Tierarztpraxis hat er die Herrchen und Frauchen, die Schwäbisch gesprochen haben, nicht verstanden, meint Muath. Deshalb ist er jetzt, nach einem IHK-Seminar für Existenzgründer, selbstständig. „Ich habe in Syrien 14 Jahre lang schon Handys repariert”, erklärt er. Die Präzision, die er als Tierarzt erlernt hat, sieht man ihm bei der Handyreparatur aber auch an. 

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Martika Baumert
Porträt Martika Baumert