18 Nationen unter einem Dach: Karin und Peri leben im Hoffnungshaus Leonberg

Kann das funktionieren, wenn 90 Menschen aus 18 verschiedenen Ländern zusammenleben? „Miteinander leben heißt auch, miteinander lernen und unterwegs zu sein“, erklärt Karin vom Hoffnungshaus in Leonberg.

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Von Autor/in Julia Reithmeier

Bin ich bereit, Teil von einem Projekt zu werden, wo es ganz viel darum geht, miteinander zu lernen, miteinander im Gespräch zu sein, konfliktbereit auch bereit zu sein, auf den anderen zuzugehen und neugierig zu sein?

Interkulturelles Zusammenleben 

Als Karin und Peri uns zeigen, wie sie im Hoffnungshaus Leonberg leben, treffen wir im Garten auf weitere Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern: Das Hoffnungshaus ist eine integrative Wohneinrichtung. „Hoffnungshaus bedeutet, dass Menschen unabhängig von ihrem Alter aus unterschiedlichen Kulturen miteinander leben und auch unterschiedliche Religionen unter einem Dach leben“, erklärt uns Karin.  

In Leonberg gibt es 21 Wohnparteien und beinahe so viele unterschiedliche Kulturen aus 18 verschiedenen Nationen. Wir haben ganz viele Familien hier. Insgesamt sind wir 90 Bewohner und die Hälfte davon ist noch unter 18, also eine große Lastigkeit auf Kinder.

Hoffnungshaus als neues Zuhause 

Zur Gemeinschaft im Hoffnungshaus gehören seit 2023 auch Peri und ihr Mann mit ihren mittlerweile vier Kindern. Nach der Flucht aus der Türkei findet die Familie im Hoffnungshaus ein neues Zuhause. Peri erzählt: „Wir waren 20 Tage unterwegs, voller Angst. Wir waren in einem Containerheim. Danach haben wir durch unsere Sozialarbeiterin das Hoffnungshaus kennengelernt. Am Anfang wussten wir nicht, was uns erwartet, aber schon am Anfang haben wir bemerkt, dass es etwas Besonderes ist.“ 

Die Menschen hier sind immer unglaublich höflich, freundlich und hilfsbereit, und ich bin sehr dankbar, dass ich hier bin mit meiner Familie.

Ein vielfältiges Team 

Hoffnungshäuser wie das in Leonberg gibt es mittlerweile zehn Mal in Baden-Württemberg. „An jedem Standort gibt es immer einen Standortleiter. Das sind in dem Fall mein Mann und ich“, erzählt Karin. „Dann gibt es eine sozialpädagogische Fachkraft, die bei den Anträgen, aber auch bei Angeboten unterstützt. Und bei uns ist es eine Referentin für Frauen-Angebote, die speziell für die Zielgruppe Migrantinnen Angebote der Begegnung, Bildungsförderung und solche Dinge anbietet. Und viele externe Ehrenamtliche, die ins Haus kommen und aktiv Angebote mitgestalten wie den Sprachtreff oder eine Vorlesezeit.“ Peri erzählt dazu: „Eine Frau hat auf meine Kinder aufgepasst, damit ich die Sprachkurse besuchen und lernen kann.“ 

Wie bringt man so viele Menschen zusammen? 

Der Zusammenhalt im Hoffnungshaus entsteht auf verschiedenen Ebenen, erzählt Karin: „Zum einen natürlich durch die Kinder: Kinder lassen sich durch Türen selten aufhalten. Sie sind einfach da, finden Freunde, streiten und vertragen sich. Da entsteht ein großes Identitätsgefühl, auch eine Identifikation mit dem Hoffnungshaus als ihrem Zuhause, das nicht nur ihnen, sondern vielen Familien gehört. Zum anderen sind wir alle einmal im Monat zusammen unterwegs, machen einen Ausflug oder kochen zusammen und teilen bewusst Zeit miteinander.“ 

„Gemeinschaft birgt Konfliktpotenzial überhaupt.“ 

Als wir Karin zu Konflikten bei so vielen verschiedenen Menschen fragen, erklärt sie: „Da geht es um eine Haltung: Bin ich bereit, Teil von einem Projekt zu werden, wo es ganz viel darum geht, miteinander zu lernen, miteinander im Gespräch zu sein, konfliktbereit zu sein, auf den anderen zuzugehen und neugierig zu sein? Dadurch, dass wir miteinander leben, haben wir Einsicht in unsere Kulturen, und auch in unsere unterschiedlichen Konfliktstrategien. Oder dass Konflikte zu klären oder sich zu entschuldigen ganz unterschiedlich aussehen kann – ob das gesprochen ist oder ein Kuchen vor der Türe oder dass man weiterhin grüßt, aber nicht darüber geredet hat. Dem einen fällt es leichter, dem anderen fällt es schwerer, diese Verschiedenheiten auszuhalten.“  

Das ist oft auch ein Aushalten – es ist nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen.

Lernen durch Zusammenleben 

Trotz oder gerade wegen dieser Verschiedenheiten empfinden Peri und Karin das interkulturelle Zusammenleben als Bereicherung. „Das ist gelebtes Integrieren und gelebtes Miteinander. Man lernt auch, über Kulturen hinwegzugucken, die Persönlichkeit dahinter zu entdecken und den Menschen dahinter zu sehen und nicht nur eine Gruppenzugehörigkeit oder Nationalität“, erzählt Karin. Und auch Peri sagt: „Wir fühlen uns hier sicher und wohl. Mein Mann hat auch Hilfe bekommen bei der Arbeitssuche. Meine Kinder sind sehr glücklich. Sie haben hier viele Freunde gefunden, und das macht mich auch als Mutter sehr glücklich.“ 

Ich freue mich, dass ich andere Kulturen kennenlernen darf.

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Julia Reithmeier