Aufstieg in der Pflege trotz Messerangriff durch Heimbewohner
Alessandro ist Pflegedienstleiter im Seniorenzentrum Waiblingen-Beinstein. Dass er mal Karriere in der Pflege macht, war jedoch nicht immer absehbar: Während der Arbeit als Altenpfleger wird Alessandro von einem halluzinierenden Bewohner angegriffen. „Es war bekannt, dass er eine psychische Erkrankung hat. Er hat einen Tiger auf einem anderen Dach durchs Fenster gesehen und dachte, der wäre jetzt unter seinem Bett. In dieser Phase musste man ihn dann beruhigen“, erinnert sich Alessandro. Was er damals jedoch nicht weiß: Der Bewohner hat ein Obstmesser unter seiner Decke, mit dem ihm eine andere Pflegekraft zuvor einen Apfel geschnitten hatte. „Als ich dann direkt am Bett war, hat er ausgeholt und mich direkt am Bauch erwischt.“
Später muss Alessandros Schnittwunde getackert werden und weil sie länger zum Heilen braucht, macht er erst mal nur Bürotätigkeiten. „Von der Psyche her hat es mich natürlich schon belastet“, beschreibt er die Zeit nach dem Vorfall. „Irgendwann habe ich gesagt: Okay, mir reicht es in der Pflege.“
Was aber schlimmer als die Wunde war, war eigentlich eher das Seelische.
Bei einem Berufswechsel sammelt Alessandro neue Kraft
Was folgt, ist ein Berufswechsel in die Justizvollzugsanstalt, wo er eine Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten macht. „Dort war es dann so, dass ich wieder Kräfte gesammelt und das Selbstwertgefühl gesteigert habe, weil ich dort einfach mit viel schlimmeren Dingen zu tun hatte. Es ist dadurch dann so gekommen, dass ich wieder in die Pflege zurückgegangen bin, weil ich gemerkt habe, dass der Beruf Pflege doch das Richtige für mich ist. Auch wenn teilweise das Privatleben leidet, weil man natürlich auch zurückstecken muss: lange Dienste, Überstunden.“ Doch Alessandro erlebt auch schöne Momente bei der Arbeit, wie Sommerfeste mit den Bewohnern oder einen 105. Geburtstag zu feiern.
Wenn man die Freude hat und aber auch die Freude zurückbekommt, macht es auch wirklich Spaß.
Unverhofftes Glück in der Pflege gefunden
„Der Traum als Kind war es, Anwalt zu werden oder Pilot“, erinnert sich Alessandro. Doch der Zivildienst ändert das schnell für ihn: „Es hat sich ergeben, dass ich dann so in die Branche Pflege reingerutscht bin und habe dann Freude und Spaß daran gefunden.“ Seinen Zivildienst absolviert Alessandro auf einer Wachkoma-Station. „Da habe ich sehr viel mit dem Medizinischen zu tun gehabt, wo ich sagen konnte: Da kann ich Menschen helfen, das macht wirklich Spaß“, beschreibt Alessandro seine Einrücke aus dieser Zeit.
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