Im saarländischen Bexbach ist vergangenen Dienstag ein Gerichtsvollzieher bei der Arbeit getötet worden. "Jetzt wird uns die Gefahr unseres Berufs wieder sehr bewusst", hieß es vom Vorsitzenden des saarländischen Landesverbandes der Gerichtsvollzieher. Wir haben in Baden-Württemberg nachgefragt, ob der Vorfall die Sicht auf die Arbeit verändert.
Man muss sich bewusst machen, dass es immer passieren kann.
Manuel Schunger ist Obergerichtsvollzieher in Ehingen und Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württemberg. Eine schuss- und stichsichere Weste gehört für ihn zur Standardausrüstung. Ebenso ein Alarmfunkknopf. Drückt Schunger die rote Taste, rückt sofort die Polizei an, sie kann sogar mithören, was da vor Ort geschieht.
Der Termin am Montag ist eine Zwangsräumung. Schunger kennt sich in der Wohnung schon aus: Zur Vorbereitung hat er sich den Grundriss schicken lassen. Außerdem hat er sich das Vorstrafenregister des Schuldners angeschaut: Zwei DIN A4-Seiten, inklusive Körperverletzung, Drogendelikten und Diebstählen, sagt Schunger.
Außentermin in Ehingen: Ungewissheit für den Gerichtsvollzieher
Man weiß nie, was einen erwartet bei einem solchen Termin: Ist der Schuldner anwesend? Reagiert er aggressiv? In welchem Zustand ist die Wohnung? Was Schunger aber weiß: Der Schuldner hat wohl mehrere Monate keine Miete gezahlt, jetzt muss er raus aus der Wohnung.
Die Inspektion der Wohnung zeigt: Türen sind eingetreten, einige Schließen und Lichtschalter demoliert. Und im Keller findet Schunger ein Schwert, wem es gehört, bleibt offen. "Offensichtlich hat der Schuldner eine aggressive Grundhaltung", meint Schunger. "Also ganz so harmlos ist der Schuldner nicht."
Ein Gerichtsvollzieher ist wirklich so ein bisschen Brückenbauer zwischen Gläubiger und Schuldner.
Der Außentermin verläuft trotzdem ruhig. Der Schuldner zeigt sich kooperativ, spricht mit dem Vermieter wie dem Gerichtsvollzieher. Nach einer halben Stunde werden die Schlüssel übergeben und der Schuldner verlässt ein letztes Mal die Wohnung.
Gerichtsvollzieher für den Bezirk Ehingen will "Brückenbauer" sein
Der Vorfall im Saarland hat Manuel Schunger in seiner Sicht auf seine Arbeit nicht wesentlich verändert: "Der Beruf ist immer gefährlich."
Aber zu Schungers Grundhaltung gehört die Rolle des Vermittlers, ein herzloser Vollstrecker will er nicht sein: "Ein Gerichtsvollzieher ist wirklich so ein bisschen Brückenbauer zwischen Gläubiger und Schuldner. Er versucht, dem Gläubiger zu seinem Recht zu verhelfen, ohne den Schuldner zu ruinieren."