„Die Menschen um mich herum haben es viel schneller bemerkt als ich.“
Die Essstörung beginnt bei Jona schleichend
Jona erkennt zunächst nicht, wie sich sein Körper verändert. „Wenn man sich jeden Tag im Spiegel sieht, sieht man den Abbau nicht. Aber Leute, die einen nur alle paar Wochen sehen, merken sofort, wie dünn man geworden ist.“ Jona spielte damals hochklassig Fußball. Doch dann kommt Corona, das Fußballtraining fällt weg und er fängt an, sein Essverhalten immer stärker zu kontrollieren. Eine Pizza erlaubt er sich nur noch, wenn er davor laufen gegangen ist. „Irgendwann war es so, dass ich, auch wenn ich 20 Kilometer gelaufen bin, nur noch 1.000 Kalorien essen durfte. Ich war immens im Defizit.”
Freunde als Weckruf: Der Weg zur Therapie
Erst als seine Freunde ihn immer wieder auf sein Gewicht ansprechen, hat es bei ihm Klick gemacht, erzählt er. Ein Jahr später, Ende des Jahres 2021, sucht er sich Hilfe bei einer Psychotherapeutin. „Am Anfang dachte ich, ich rede nur über Essen. Aber wir sprechen über Gott und die Welt. Ich glaube, die Summe dieser Gespräche hat mir unterbewusst den Lösungsweg aufgezeigt.“ Heute weiß er, wie er mit seiner Essstörung umgehen kann – und ist weiterhin in therapeutischer Begleitung. „Ich dachte lange, ich hätte sie überwunden. Mittlerweile weiß ich, dass sie da ist, aber ich kann die schlechten Gedanken besser handhaben.“
Jona wünscht sich verständnisvollen Umgang gegenüber Betroffenen
Auf Social Media teilt Jona seine Erfahrung offen. „Menschen schreiben mir: ‚Ich bin gerade auch in Therapie, danke, dass du es teilst.‘ Das erfüllt mich.“ Dass er als Mann offen darüber spricht, sei für einige ungewöhnlich: „Viele Männer denken, man muss stark sein, man darf nicht über Probleme reden.“ Sein Appell: „Ich würde Menschen, die nicht davon betroffen sind, gerne mit auf den Weg geben, dass man Akzeptanz für so was hat, dass man viele Dinge nicht verstehen muss, aber es guttut, wenn man einfach für die Person da ist.”
Telefonseelsorge
Wenn es dir nicht gut geht oder du Probleme mit deinem Essverhalten hast: Sprich mit jemandem darüber, du musst da nicht allein durch. Kostenlose und anonyme Unterstützung bekommst du z. B. bei der Telefonseelsorge: 0800 111 0 111. Hilfe anzunehmen, ist ein wichtiger Schritt.
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