Der Lebensmut darf nicht verloren gehen durch die Gesellschaft, die immer mehr erkaltet.
Zufallsbegegnung in Schwäbisch Gmünd: Wie barrierefrei ist die Stadt?
Bei der SWR-Regiotour in Schwäbisch Gmünd machen wir Zufallsbegegnungen und kommen mit Ralf ins Gespräch: Er ist seit zehn Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen. Ralf klagt über die Unzugänglichkeit der „barrierefreien“ Toilette neben dem Rathaus und wir begleiten ihn durch die Innenstadt. „Als Fußgänger gehe ich ganz anders durch eine Fußgängerzone. Ich sehe eine Stadt ganz anders. Ich als Behinderter im Rollstuhl habe kein Auge mehr für das Schöne, weil ich darauf aufpassen muss, dass ich nicht in ein Loch falle.“
Deshalb ist Kopfsteinpflaster für Rollstuhlfahrer unpraktisch
Sei es das Kopfsteinpflaster, das Werbeschild auf dem Gehweg oder die eine Treppe, die sich hinter der Rathaus-Tür verbirgt – Ralf zeigt uns kleine Barrieren, die seinen Alltag erschweren. „Wenn ich das zu schnell mache oder falsch sitze, kann es sein, dass es mich sogar aus dem Rollstuhl haut”, erklärt er uns, als er über die gepflasterte Straße in der Fußgängerzone fährt.
Ralfs Wunsch an die Politik: Auch an Menschen mit Behinderung denken
Dann kommen wir an der öffentlichen Toilette an und sehen, dass Ralf Schwierigkeiten mit den Türen und mit der Größe des Toilettenraums hat. „Ich komme jetzt an die Tür, aber ich kann sie nicht zumachen, weil ich mit dem Rollstuhl die Tür blockiere. Und sehr geräumig ist es auch nicht.“ Er wünscht sich „mehr Verständnis von denen, die wir wählen, für ihre Wähler, die ja auch vielleicht nicht ganz so gesunde Menschen sind.“
Wie barrierefrei ist die Region Stuttgart?
Soll man Rollstuhlfahrern Hilfe anbieten oder lieber nicht? Ralfs Meinung:
Von der Gesellschaft wünscht sich Ralf mehr gegenseitige Unterstützung: „Ein Mensch mit Einschränkungen versucht es ja immer gerne erst mal alleine. Ich möchte auch nicht um Hilfe bitten müssen. Dann werde ich ja zum Bettler.“ Weiter sagt er: „Ich möchte eigentlich, dass die Menschen ihre Augen öffnen.“ Für die Zukunft hat er dennoch Hoffnung: „Ich sehe hier langsam unter den jungen Menschen doch mehr Bewusstsein dafür.“
Verkehrsplanung Barrierefreiheit schaffen – Mobilität für Menschen mit Behinderung
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