Es ist immer mit ganz viel Emotion verbunden, zu sehen: Auch mit einer Prothese geht es weiter im Leben und es muss nicht zwingend schlechter werden.
Johanna erinnert sich noch an ihr zweites Praktikum. Ein Mann kommt frisch amputiert in den Betrieb und erzählt von seiner Geschichte, von dem Unfall und von der Zeit danach. „Und das ist sowas, was sich schon ziemlich eingebrannt hat, finde ich.“ Mittlerweile hat sie viele Geschichten kennengelernt. Sie nimmt sich Zeit, hört jedem Menschen zu. „Man merkt schnell, wie ein Kunde gestrickt ist. Was sind die Ziele, Träume, Wünsche, die ein Kunde mitbringt, die von so einer Versorgung abgedeckt werden sollten. – Ich finde es immer ganz wichtig, dass man den Menschen sieht, der in der Prothese steckt.“
Keine Berührungsängste
Schon früh war Johanna interessiert an den Paralympics und war fasziniert davon, was man mit einer Prothese alles erreichen kann. Berührungsängste hatte sie weder damals noch heute. „Ich habe selbst einen älteren Bruder, der von Geburt an beeinträchtigt ist und bin damit groß geworden.“ Nach zwei Praktika war für sie klar, dass sie ihren Traumjob gefunden hat.
Ich finde, dass die Arbeit einem so viel gibt. Man hat Kunden, die hier zufrieden herausgehen. Man sieht am Ende des Tages, was man gearbeitet hat. Das finde ich immer total wichtig. Und man kann es in die Hand nehmen, kann es anfassen, was man gearbeitet hat. Ich habe noch nie den Moment gehabt, wo ich bereut habe, meinen Beruf zu lernen.
Ein Job mit Abwechslung
Johanna schätzt nicht nur den Kundenkontakt, sondern mag auch die handwerkliche Herausforderung. Es gehören viele Anproben und Verbesserungen dazu, bis eine Prothese passt. Und da sich ein Mensch immer wieder verändert, muss auch die Prothese stätig angepasst werden. Bunte Prothesen sieht man häufig auf Social Media Plattformen. Die Realität sieht aber anders aus. Viele Menschen schätzen die Carbon-Optik. „Ich habe jetzt eine Kundin gehabt, die hat zum Beispiel gefragt, ob wir eine Mickey-Maus mit eingießen können. Das ist dann auch total schön, weil es mal etwas anderes ist, etwas Ausgefallenes, einfach etwas Buntes. Es macht die Prothese aber schwerer, weil man einen Guss mehr braucht.“
2028 Paralympics in LA?
Ihr großer Wunsch ist es, als Betreuerin mit zu den Paralympics zu fahren. „Man lernt immer wieder neue Leute kennen, sowohl andere Techniker als auch Athleten und es ist, glaube ich, eine sehr, sehr schöne Zeit, die auch prägend ist und auch wieder zeigt, was alles möglich ist.“
Am Ende kommt es auf den Menschen selbst an
Wie viel man mit einer Prothese erreichen kann, ist sehr individuell. „Jeder kommt in seinem Tempo von der Stelle, aber total schön, immer wieder diesen Weg zu sehen und einfach auch diese Fortschritte miterleben zu dürfen und daran teilzuhaben.“ Daher schaut Johanna gerne zurück, um zu sehen, was ein Kunde schon alles erreicht hat. Denn jeder kleine Fortschritt ist wichtig. „Die Arbeit, die wir leisten, trägt vielleicht dazu bei, dass jemand wieder glücklicher sein kann. Aber letzten Endes steht und fällt es mit dem Kunden und seiner Einstellung.“
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