Auf all seinen Umwegen im Profifußball verlor Fisnik Asllani nie sein Vorbild vor Augen - seinen Vater Fadil. "Er ist gelernter Elektriker, musste sich aber nach der Flucht wegen des Kosovo-Krieges in Deutschland beruflich noch mal neu erfinden", erzählte der neue Torjäger der TSG 1899 Hoffenheim.
Kürzlich schenkte der Stürmer ihm eine wertvolle Uhr, wie er auf TikTok zeigte. "Wenn ich könnte, würde ich eh alles meinen Eltern geben." Im zweiten Anlauf im Kraichgau ist Asllani in der Bundesliga angekommen. Vor der Freitagspartie gegen den 1. FC Köln hat der Rückkehrer von der SV Elversberg bereits vier Tore auf dem Konto.
"Nahtloser" Anschluss an Asllanis Leistung aus der Vorsaison
"Ich hoffe einfach, dass es ihm einen extremen Push gibt. Er hatte in der 2. Liga bei Elversberg einen extrem guten Scorerschnitt und hat daran eine Liga höher nahtlos angeschlossen", sagte TSG-Trainer Christian Ilzer nach dem jüngsten Treffer Asllanis beim 1:1 in Freiburg.
Fußball | Bundesliga Nach Blitz-Start: Freiburg und Hoffenheim trennen sich remis
Nach einer dynamischen ersten Viertelstunde in Freiburg konnten sowohl der Sport-Club als auch die Gäste aus Hoffenheim nicht mehr nachlegen. Trotzdem war SCF-Keeper Noah Atubolu gefragt.
Mit 18 Tore und 9 Vorlagen hatte der kosovarische Nationalspieler in der vergangenen Saison großen Anteil am Höhenflug der Elversberger, die fast aufgestiegen wären. Beim saarländischen Dorfclub fand Asllani jenen Spaß am Fußball wieder, den er zwischendurch verloren hatte.
Asllani ist bei der TSG Hoffenheim reifer und schlauer geworden
"Früher war ich verkrampfter, habe mich selbst unter Druck gesetzt. Jetzt ist es ganz anders, auch im Privatleben", sagte der 23-Jährige im TSG-Klubmagazin "Spielfeld". "Ich bin immer noch ein Vollprofi, aber gehe die Dinge entspannter an. Ich bin älter geworden, reifer geworden, schlauer geworden, cleverer geworden."
2020 kam das bei Union Berlin ausgebildete und in der Hauptstadt geborene Talent nach Hoffenheim. Ein Jahr später gab er sein Debüt im Oberhaus, doch im Kraichgau ging es nicht voran. 2023 folgte eine einjährige Leihe zu Austria Wien - Asllani verschwand hinzulande aus dem Fokus, kämpfte zudem mit einer Sehnenverletzung im Fuß.
Fußball | Bundesliga Hoffenheimer Auswärtssieg und Asllanis Glück in der alten Heimat
Die TSG Hoffenheim feiert beim 4:2 (2:0) bei Union Berlin ihren zweiten Auswärtssieg. Auch, weil Fisnik Asllani gleich zweimal gegen seinen Ex-Club trifft.
Hoffenheims Torjäger ist nicht mehr Zocker im Privatleben
Da seine Eltern und zwei Geschwister damals mit aus Berlin nach Sinsheim gezogen waren, machte ihm auch das zu schaffen: "Sie kommen nur deinetwegen mit, aber dann bist du erst verletzt und dann gehst du nach Wien, während sie in Sinsheim bleiben. Das macht was mit einem." Privat habe ihm die Zeit dennoch geholfen.
"Früher gab es nur Fußball, jetzt gehe ich abends auch mal zum Essen. Früher war ich ein Zocker und habe viel Zeit in der Wohnung verbracht, jetzt gehe ich auch mal raus", erklärte Asllani.
Auch Damar steht für den Umbruch in Hoffenheim
Nach seiner Rückkehr aus Wien sah er in Hoffenheim wieder keine Perspektiven, wechselte auf Leihbasis nach Elversberg - und schaffte den Durchbruch. Asllani (Vertrag bis 2029) steht nun wie auch sein zurückgekehrter Elversberger Teamkollege Muhammed Damar, der langfristig Andrej Kramiric als Spielmacher ersetzen soll, für den Umbruch in Hoffenheim.
Asllani ist "extrem happy und stolz", dass er den Sprung in die Bundesliga endlich geschafft hat. "Ich habe quasi das Selbstvertrauen aus der 2. Liga mitgenommen", sagte er, lobte aber natürlich auch, wie er von seinen Kollegen in Szene gesetzt werde.
Asllani schwärmt von Kane und Olise
Der Unterschied zum Unterhaus? "Vor allem die Intensität, auch die individuelle Qualität", erklärt Asllani und schwärmt von den Bayern-Assen Harry Kane und Michael Olise, denen er kürzlich beim 1:4 gegen München gegenüberstand. "Man muss immer bei 100 Prozent sein, man muss immer wach sein im Kopf. Sonst werden die kleinsten Fehler halt auch bestraft."
Für Ilzer ist Asllani ein "bodenständiger Typ, auch in der Kabine, der uns sehr, sehr gut tut". Wie ein kleines Kind freut sich "Fis", wie ihn seine Mitspieler nenne, nun auf die Partie gegen Köln (Freitag, 03.10., 20:30 Uhr / live im Audiostream der Sportschau). "Dafür hat man angefangen Fußball zu spielen: Flutlicht, Freitagabend, 20:30 Uhr, Bundesliga. Das ist, glaube ich ein Traum jeden jungen Spielers."