Nein, die letzten Minuten waren beim Duell zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem VfL Bochum alles andere als schön anzusehen. Nach einem Eigentor von Jan Elvedi in der vierten Minute der Nachspielzeit waren die Gäste aus dem Ruhrgebiet noch einmal auf 2:3 herangekommen, sodass das vermeintlich entschiedene Spiel noch einmal spannend wurde. Der FCK hatte in der "Nachspielzeit der Nachspielzeit" dann noch ein paar vielversprechende Ballgewinne, doch er spielte seine Konter gar nicht mehr richtig aus. Stattdessen zog es Faride Alidou, Dickson Abiama und Co. immer wieder in Richtung der beiden Eckfahnen, wo die Offensivspieler der Roten Teufel eine Ecke nach der anderen und damit wichtige Zeit herausholten.
Bochum kam somit nicht mehr zur Gelegenheit, durch einen "Lucky punch" doch noch einen Punkt vom Kaiserslauterer Betzenberg zu entführen. Als Schiedsrichter Michael Bacher (Rosenheim) schließlich nach rund 97 Minuten die umkämpfte Partie abpfiff, war die chaotische Schlussphase allen, die es mit dem FCK halten, egal. Der Jubel bei den Hausherren war riesengroß.
Stürmer Ivan Prtajin ist in Topform
Matchwinner war einmal mehr Stürmer Ivan Prtajin. Der 29-Jährige hatte für die frühe Führung gesorgt (7. Minute) und, schon von Krämpfen geplagt, das zwischenzeitliche 2:1 erzielt (79.). Unmittelbar nach seinem zweiten Treffer bat der entkräftete Prtajin dann um seine Auswechslung. Trainer Torsten Lieberknecht erfüllte diesen Wunsch wenig später. Raus mit Applaus, der Kroate hatte seinen Auftrag mit dem Doppelpack erfüllt.
Bereits vor knapp zwei Wochen hatte Prtajin mit einem Dreierpack beim 4:1 gegen Münster für Glücksgefühle auf dem Betzenberg gesorgt. Diese gab es auch diesmal: Paul Joly (86.) erzielte beim Sieg gegen Bochum den dritten Kaiserslauterer Treffer, Gerrit Holtmann (15.) hatte das zwischenzeitliche 1:1 für den VfL erzielt.
FCK-Trainer Torsten Lieberknecht: "Verdienter Sieg"
Der FCK hat somit seine ersten vier Heimspiele der Saison gewonnen - ein Kunststück, das den Pfälzern letztmals 2014 gelungen war. Coach Lieberknecht durfte sechs Siege in seinen ersten sechs Heimspielen als Lautern-Trainer feiern. Das schaffte zuvor letztmals Hannes Bongartz 1985, vor 40 Jahren also.
Dementsprechend war die Stimmung bei den Roten Teufeln. "Erkämpfte drei Punkte gegen einen Gegner, der mit dem Rücken zur Wand steht", analysierte Trainer Lieberknecht gegenüber SWR Sport. "Aufgrund der zweiten Halbzeit, als wir das Spiel in die Hand genommen hatten, war der Sieg verdient. Wir sind glücklich, dass wir die drei Punkte geholt haben."
Ivan Prtajin: "Erschöpft, aber glücklich"
Ähnlich war die Gefühlslage bei "Hauptdarsteller" Prtajin. "Ich bin erschöpft, aber glücklich", sagte der Angreifer. "Wir haben gewonnen, ich habe getroffen. Ein perfekter Tag für uns." Der Sommer-Neuzugang von Union Berlin, als Nachfolger des abgewanderten Ragnar Ache (1. FC Köln) zum FCK gewechselt, hat in seinen nun sechs Liga-Einsätzen bereits sieben Treffer erzielt. Es läuft also beim und für den Kroaten.
Fußball | 2. Bundesliga Chancenwucher mit Happy End: 1. FC Kaiserslautern schlägt den VfL Bochum
Der 1. FC Kaiserslautern gewinnt am achten Spieltag der 2. Liga sein Heimspiel gegen den VfL Bochum.
Marlon Ritter: "Ein schönes Wochenende"
FCK-Kapitän Marlon Ritter freute sich indes über die erneut unter Beweis gestellte Heimstärke. "Wir wollen den Fans, die uns immer unterstützen, etwas zurückgeben. Das klappt auf dem Betzenberg gut, deswegen sind wir heute wieder überglücklich, dass alle, die für uns sind, ein schönes Wochenende haben."
Nun gelte es, beim Derby in Karlsruhe (18.10., 13 Uhr) nachzulegen, so Ritter weiter. "Das ist ein besonderes Spiel, nicht nur für uns, sondern auch für die ganze Region", blickte der Offensivspieler voraus. "Da müssen wir auf jeden Fall unser Heimgesicht zeigen, um dann dort den Derbysieg feiern zu können."
Doch vorher steht für den FCK, der mit 15 Punkten aus acht Partien vor den Sonntagsspielen auf Platz fünf steht, erst einmal die Länderspielpause an. Coach Lieberknecht kündigte nach dem schwer erkämpften Sieg gegen Bochum den einen oder anderen freien Tag an. "Wie wir diese aufteilen, das ist dann die Sache des Trainers", sagte er augenzwinkernd.
Und auch der erschöpfte Prtajin freute sich auf die kurze Auszeit, um den Akku aufzuladen. "Jetzt genießen wir erst einmal die Pause", sagte der Stürmer, nur um sofort wieder den Fokus auf den KSC zu richten: " Und dann versuchen wir, das Derby zu gewinnen."