Kaum war der Schlusspfiff von Schiedsrichter Dr. Robin Braun ertönt, da gingen etliche Akteure im Karlsruher Wildpark mit ihren Gefühlen Gassi. Vor allem einer stand im Mittelpunkt: Siegtorschütze Marlon Ritter. Die FCK-Spieler rannten auf ihn zu und bejubelten den 3:2-Erfolg und den entscheidenden Treffer ihres Kapitäns. Kurz danach musste Ritter seine Kollegen schon wieder beruhigen. Sie lieferten sich mit KSC-Kapitän Wanitzek einen verbalen Schlagabtausch. Die Nerven lagen so kurz nach dem Abpfiff blank.
Kleine Nickligkeiten nach dem Abpfiff
Ritter versuchte zur Entspannung ein Handshake mit Wanitzek. Vergeblich. Kur darauf schnappte sich Karlsruhes Nicolai Rapp den FCK-Kapitän und ging in einen kurzen kommunikativen Disput. Dann war aber auch Schluss mit den Nicklichkeiten.
Während KSC-Trainer Christian Eichner sein Team zum Mannschaftskreis versammelte, ließ sich Ritter mit seinem Team in der Kurve der mitgereisten 4.000 FCK-Fans feiern.
Lange Zeit war es kein guter Nachmittag für den Leader der FCK-Mannschaft gewesen. 84 Minuten hatte Trainer Torsten Lieberknecht Ritter in der goldenen Oktobersonne auf der Bank schmoren lassen, ehe er für den finnischen Neuzugang Naatan Skyttä eingewechselt wurde. Eine unangenehme Situation für den Kapitän, der nach dem Spiel aber kein Fass aufmachen wollte. "Natürlich will jeder Spieler ein Derby gerne von Anfang an spielen", sprach er ins ARD-Mikrofon. "Das ist bei mir genauso. Der Trainer hat heute anders entschieden und wir haben gewonnen. Wir sind alle nur glücklich."
Marlon Ritter: "Pure Freude und Erleichterung"
Vor allem der Kapitän strahlte mit der Herbstsonne um die Wette, nachdem er in der dritten Minute der Nachspielzeit den 3:2-Siegtreffer erzielt hatte. Während der KSC auf den Siegtreffer drängte, konterten die Gäste und sorgten für den Lucky Punch. Nach einer Balleroberung leitete Ritter zunächst selbst ein und vollstreckte dann überlegt aus 13 Metern flach ins lange Eck. Sein zweiter Saisontreffer. "In dem Moment war das pure Freude und Erleichterung", erzählte er strahlend. "Wenn du dann auf die Kurve zuläufst und siehst, wie die Leute ausrasten, dann weiß man, welche Bedeutung dieses Spiel hat – nicht nur für die Fans, sondern auch für uns." Es war der erste Derbysieg des FCK im Wildpark seit 2019. Damals spielten beide Teams noch in der 3. Liga.
2. Bundesliga Entscheidung in der Nachspielzeit: FCK jubelt über Derbysieg beim KSC
In einem temporeichen Südwestduell hat der 1. FC Kaiserslautern beim Karlsruher SC einen knappen Auswärtssieg eingefahren. Erst in der Nachspielzeit traf der eingewechselte Marlon Ritter zum Sieg.
KSC-Offensivdrang: "Das ist ihnen zum Verhängnis geworden"
Der FCK-Kapitän hatte von der Bank aus beobachtet, wie seine Teamkollegen zunächst eine 2:0-Führung (Torschützen: Prtajin, Skyttä) herausgespielt hatten. Ritter: "Danach hattest du das Gefühl, du hast alles im Griff. Da war Ruhe im Stadion." Doch der KSC kam durch die Treffer von Schleusener und Egloff wieder ins Spiel. Plötzlich war die Kulisse wieder da, die Fans der Gastgeber im ausverkauften Stadion peitschten ihr Team nach vorne. "Nach diesem 2:2 hat der KSC versucht, das Spiel unbedingt zu gewinnen. Das ist ihnen zum Verhängnis geworden."
Dass Ritter in der Nachspielzeit wegen einer Rangelei seine zweite Gelbe Karte in dieser Saison sah, dass die Roten Teufel bei diesem Derby die schlechtere Bilanz bei den Zweikämpfen (43 %), bei den Ecken (1:7) und beim Ballbesitz (41 %) besaßen - all dies interessiert schon bald nicht mehr. Wichtig ist hingegen, dass die Pfälzer ihre eher bescheidene Auswärtsbilanz dieser Saison aufpolieren konnten. Im fünften Auswärtsspiel war der Derby-Erfolg in Karlsruhe der zweite Dreier.
SWR Sport | 24. Mai ab 22:00 Uhr SWR Sport mit DFB-Pokalfinale, Europa League-Finale und Nils Petersen
Europa League-Finale mit dem SC Freiburg, DFB-Pokalfinale VfB Stuttgart gegen FC Bayern und der deutsche WM-Kader. Viel Gesprächsstoff mit Studiogast Nils Petersen, Ex-Freiburg-Profi.
Kapitän Ritter bleibt auf dem Boden
In der Tabelle kletterte der FCK auf Platz vier, nur drei Punkte hinter Spitzenreiter Schalke 04. Trotzdem bleibt der Kapitän - auch nach dem emotionalen Derbysieg - betont auf dem Teppich. "Wir haben vor der Saison gesagt: Das wird eine lange Saison. Wir wollen besser stehen als letztes Jahr. Wir müssen keine großen Reden bringen, sondern jede Woche unsere Leistung bringen. Dann werden wir noch viele Punkte holen. Auch auswärts, wie man heute gesehen hat."
Sprach’s und trat zufrieden mit seinen Teamkollegen die Heimreise nach Kaiserslautern an. 65 Kilometer pure Freude und Erleichterung.