Heimniederlage gegen Paderborn

"Schiri-Team war überfordert": Coach Lieberknecht fliegt vom Platz und der FCK schiebt Frust

Es war ein gebrauchter Tag für den 1. FC Kaiserslautern: Heimniederlage gegen Paderborn, wahrscheinliches Aus im Aufstiegsrennen, Platzverweis für Trainer Torsten Lieberknecht. Bei den Roten Teufeln herrschen anschließend Frust und Trotz.

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Stand

Von Autor/in Johann Schicklinski

Gelb-Rot in der Pause: Für FCK-Trainer Torsten Lieberknecht war das Heimspiel seiner Mannschaft gegen den SC Paderborn (1:2) kurz nach dem Halbzeitpfiff beendet. Lieberknecht lief zunächst auf Schiedsrichter Florian Exner zu, um dann seinen Unmut lautstark kundzutun. Exner zeigte dem Coach der Roten Teufel zunächst Gelb und dann, als dieser sich abdrehend weiter echauffierte, die Ampelkarte.

FCK-Trainer Torsten Lieberknecht (li.) sieht Gelb-Rot von Schiedsrichter Florian Exner.
FCK-Trainer Torsten Lieberknecht (li.) sieht Gelb-Rot von Schiedsrichter Florian Exner.

Lieberknecht verbrachte die zweite Halbzeit dann auf der Pressetribüne des Fritz-Walter-Stadions, wo er mit ansehen musste, wie sein uninspiriertes Team letztlich verdient gegen die Ostwestfalen verlor.

Entfacht hatte Lieberknechts Aufregung die Szene vor dem 0:1 durch Calvin Brackelmann (45.+7 Minute). FCK-Abwehrspieler Atanas Chernev hatte Paderborns Stefano Marino unmittelbar vor dem eigenen Strafraum gerempelt. Der SCP-Angreifer, der in der Szene sein Bein rausgestellt und sich so vor Chernev geschoben hatte, bekam von Exner einen Freistoß zugesprochen, den Brackelmann wuchtig unter die Latte des Torwartecks setzte. Kaiserslauterns Keeper Julian Krahl bekam seine Arme nicht mehr rechtzeitig hoch, um den kraftvollen Schuss zu parieren.

Viel Hektik in der Nachspielzeit der Halbzeiten

Der Freistoß war eine harte Entscheidung von Schiri Exner - aber keine falsche. Ebenso war es vertretbar, in der 6. Minute weiterlaufen zu lassen, nachdem FCK-Angreifer Norman Bassette im Duell mit dem früheren Kaiserslauterer Felix Götze im Paderborner Strafraum zu Fall gekommen war. Und schließlich ahndete Exner in der Nachspielzeit ein Foulspiel von Lauterns Fabian Kunze an Paderborns Kennedy Okpala nach Ansicht der Videobilder mit Strafstoß für die Gäste, weil eine leichte Berührung vorlag. Filip Bilbija verwandelte zum 0:2 (90.+7). Der Treffer zum 1:2-Endstand durch Kenny Prince Redondo (90.+8) war nur noch Ergebniskosmetik für die Roten Teufel.

Torsten Lieberknecht: "Hatten das Glück nicht auf unserer Seite"

FCK-Coach Lieberknecht haderte im Anschluss an die hitzige Partie mit den Entscheidungen in den aus seiner Sicht strittigen Szenen. "Wenn wir in der 6. Minute Elfmeter bekommen, läuft die Partie anders. Das hat man sich dann nicht einmal angeschaut. Die Elfmeterszene von Paderborn hat man sich angeschaut. Der Freistoß kurz vor der Halbzeitpause war zudem eine Fehlentscheidung. Wir hatten das Glück nicht auf unserer Seite", kritisierte der 52-Jährige im Interview mit SWR Sport. "Dadurch ist das Spiel sehr wild geworden. Der Schiedsrichter hat für mich schon ein Stück weit dazu beigetragen, dass die Partie so geworden ist."

Seine Gelb-Rote Karte schilderte Lieberknecht folgendermaßen: "Ich wollte mit dem Schiedsrichter sprechen, dann gab es die Gelbe Karte. Das war für mich der Moment, ihm zu sagen, dass es so wirkt, als ob das Schiri-Team überfordert ist. Dann gibt es berechtigterweise die zweite Gelbe Karte und somit Gelb-Rot."

"Langholz" stellt Paderborn nicht vor Probleme

Lieberknecht gestand aber auch: "Wir wollten uns anders präsentieren, wollten zielstrebiger spielen - daher sind wir sehr enttäuscht." In der Offensive fand seine Mannschaft kaum statt, klare Chancen blieben Mangelware, es gab eher "Langholz" anstelle von strukturiertem Offensivspiel, was Paderborn meist nicht vor nennenswerte Probleme stellte. Die Ostwestfalen mussten nicht einmal sonderlich stark spielen, um die drei Punkte vom Betzenberg mitzunehmen.

Luca Sirch: "Sehr ärgerlich"

Auch bei Luca Sirch herrschte nach dem Spiel großer Frust. "Beide Gegentore sind halt auch durch Schiedsrichter-Entscheidungen gefallen", resümierte der FCK-Defensivspieler. "Es ist schwierig zu sagen, aber alleine die Elfmeter-Szene, wie lange man sich die angeschaut hat und dann wird der Schiedsrichter noch rausgeschickt, da muss man sich hinterfragen. Für uns ist das sehr ärgerlich."

Nach zwei Erfolgen in Serie hatte sich der FCK mit einem Sieg gegen Paderborn im Aufstiegsrennen zurückmelden wollen. Durch die Pleite beträgt der Rückstand auf Rang drei nun aber acht Punkte. Kaiserslautern ist ohne Spieler wie Ivan Prtajin oder Marlon Ritter, die gegen den SCP fehlten, kein Spitzenteam der 2. Liga - das ist die bittere Wahrheit. Träume von der Bundesliga sind nicht angebracht, dafür darf Paderborn als zumindest vorübergehend Erster weiter aufs Fußball-Oberhaus hoffen.

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Sirch: "In dieser 2. Liga ist eh alles verrückt"

"Weiter geht's. Nächste Woche wartet mit dem VfL Bochum der nächste harte Brocken. Heute war nicht alles perfekt, das wissen wir. Wir werden das jetzt aufarbeiten - und dann geht es weiter", zeigte sich Sirch angesichts von noch zehn ausstehenden Spielen kämpferisch. "Vor zwei Wochen hieß es, der Aufstiegskampf ist für uns weit weg. Dann gewinnen wir zweimal, verlieren gegen Paderborn und dann heißt es das gleiche wieder. In dieser 2. Liga ist eh alles verrückt. Wir schauen deshalb auf uns, wollen Spiele gewinnen und dann sehen wir, zu was es letztlich reicht."

So sah es am Ende eines hektischen Nachmittags schließlich auch Lieberknecht. "Klar sind wir jetzt enttäuscht", sagte er. "Doch wir werden uns wieder aufrappeln - und dann das schwere Spiel in Bochum angehen."

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Johann Schicklinski