Es lief schon die Nachspielzeit im Kaiserslauterer Fritz-Walter-Stadion, als die anrennenden Gastgeber noch einmal einen Freistoß zugesprochen bekamen. Diesen verlängerte Marlon Ritter mit dem Kopf auf Ivan Prtajin, der mit links zum Ausgleich traf. Der Jubel hielt aber nicht lange an, nach einem VAR-Check wurde dem Tor wegen einer Abseitsstellung die Anerkennung verweigert. Es blieb beim 1:0 für Hertha BSC - wenige Minuten später war das Spiel aus und die erste Heimniederlage der Saison für den FCK perfekt.
Torsten Lieberknecht, der Trainer der Roten Teufel, ärgerte sich kurz nach der emotionalen Partie bei Sky darüber, dass der Treffer einkassiert worden war - obwohl die Entscheidung letztlich korrekt war. "Ich kann mir diese Linie nicht mehr angucken. Ich vertraue dieser Linie nicht mehr", monierte Lieberknecht mit Blick auf die kalibrierte Abseitslinie.
FCK-Coach Torsten Lieberknecht erinnert an Düsseldorf
Der FCK-Coach ist ein "gebranntes Kind" in Sachen VAR-Entscheidungen. Vor zwei Wochen, im Heimspiel gegen Nürnberg (1:1), gab es in der Nachspielzeit einen Elfmeter für den Club, der sehr lange überprüft wurde. Die Gäste nutzten diesen in der Folge zum späten Ausgleich. Letzte Woche in Düsseldorf (1:1) wurde das vermeintliche 2:0 für Kaiserslautern durch Leon Robinson nach extrem langer Überprüfung aberkannt.
Nun, gegen die Hertha, war die Entscheidungsfindung eigentlich so, wie sie sein soll: korrekt und schnell. Das passte Lieberknecht aber auch nicht, der wohl noch unter dem Eindruck der letzten Wochen stand. "Unsere Spielsituation, wo wir richtig im Flow waren, wird fünf Minuten lang unterbrochen", kritisierte er mit Blick auf das Fortuna-Spiel. "Heute wird sofort entschieden. Wieder eine enge Entscheidung, wieder kein Spielglück."
"Wie man die Linien kalibiriert erinnert mich eher an die Playstation"
Am Tag nach dem Zweitliga-Spitzenspiel hat sich Lieberknecht indes wieder beruhigt. Der 52-Jährige beharrte aber darauf, den Bildern "nicht mehr vertrauen zu können. Wie man die Linien kalibiriert erinnert mich eher an die Playstation".
Generell befand Lieberknecht, dass seine Mannschaft aktuell ohne das nötige Fortune agiere. "Uns fehlt momentan das berühmte Matchglück, etwa bei dem Tor von Ivan Prtajin", lautete sein Fazit mit etwas Abstand. "Uns wird da aktuell so ein bisschen das Herz rausgerissen. Gerade auch, weil der Wunsch da war, unseren Fans den Tag zu vergolden."
Die FCK-Anhänger hatten die Mannschaft anlässlich des 125. Vereinsjubiläums vor dem Anpfiff mit einer beeindruckenden Choreographie auf das Spiel eingestimmt, doch dem Team gelang es lange Zeit nicht, diese Euphorie auf dem Feld zu übernehmen oder gar zu verstärken.
Choreographie "war 'outstanding'"
Das schmerzte Lieberknecht auch am Tag danach noch. "Man findet für die Aktion keine Worte. Es war ein unglaublicher Moment und auch ein Privileg für uns. Es war 'outstanding'", sagte der FCK-Coach. "Das war mit Sicherheit für die Geschichtsbücher."
Julian Krahl: "Es war eine unfassbare Atmosphäre"
Ähnlich sah es FCK-Keeper Julian Krahl. "Mittlerweile denkt man ja, dass man nicht mehr überrascht werden kann, aber die Jungs schaffen es immer wieder, neue Maßstäbe zu setzen", sagte der Torhüter gegenüber SWR Sport. "Es war eine unfassbare Atmosphäre. Riesenkompliment. Das ist fast einmalig im deutschen Fußball."
Für Lieberknecht war das 0:1 gegen die Hertha die erste Heimniederlage unter seiner Ägide. Die Roten Teufel stehen mit 20 Punkten nach zwölf Spielen zwar ordentlich da, der Kontakt zu den Aufstiegsplätzen der 2. Liga ist aber erst einmal abgerissen.
"Gegen die Hertha waren wir in allen Statistiken besser"
Lieberknecht ist trotzdem nicht unzufrieden. "Die Investitionen, die wir auf dem Platz machen, und die Leidenschaft, die wir zeigen, stimmen. Wir zeigen viel Mut", sagte der gebürtige Bad Dürkheimer. "Die Mannschaft befindet sich immer am Rande der Verausgabung. Gegen die Hertha waren wir in allen Statistiken besser."
"Wir sind definitiv auf dem richtigen Weg"
Deshalb könne man trotz der Heimpleite "vieles aus dem Berlin-Spiel mitnehmen", so Lieberknecht weiter. "Wir sind definitiv auf dem richtigen Weg. Wir haben eine DNA gefunden, die bei vielen Fans Anklang findet. Aber: Wir müssen uns verbessern, um solche Partien auf unsere Seite zu ziehen. Das ist auch ein Reifeprozess."
Denn nächsten Schritt will Lieberknecht mit seinem Team dann nach der Länderspielpause gehen, wenn gegen Bundesliga-Absteiger Holstein Kiel (23.11., 13:30 Uhr) ein weiteres Heimspiel ansteht.