"Ich habe nicht gut geschlafen", sagte Lieberknecht am Tag nach der 1:2-Pleite gegen den SCP im Gespräch mit SWR Sport. "Nach Niederlagen grübelt man mehr als nach Siegen. Man ist dann froh, wenn der Morgen anbricht und man wieder was tun kann!" Und vielleicht grübelte der FCK-Coach ja dieses Mal noch ein bisschen mehr als sonst - schließlich war er in der Halbzeitpause der Partie gegen die Ostwestfalen vom Platz geflogen.
Heimniederlage gegen Paderborn "Schiri-Team war überfordert": Coach Lieberknecht fliegt vom Platz und der FCK schiebt Frust
Es war ein gebrauchter Tag für den 1. FC Kaiserslautern: Niederlage gegen Paderborn, wahrscheinliches Aus im Aufstiegsrennen, Platzverweis für Trainer Torsten Lieberknecht. Anschließend herrschen Frust und Trotz beim FCK.
Torsten Lieberknecht hat nicht vom Schiedsrichter geträumt
Wobei der 52-Jährige bestritt, von Schiedsrichter Florian Exner geträumt zu haben. "Tatsächlich nicht", sagte Lieberknecht, um dann einzuräumen: "Trotzdem hat er auch eine Rolle gespielt. Beim Aufstehen und bei der Fahrt hoch auf den Betzenberg zum sonntäglichen Training."
Kurz nach dem Halbzeitpfiff der Paderborn-Partie war Lieberknecht zunächst auf Exner zugelaufen, um seinen Unmut über Entscheidungen des Referees lautstark kundzutun. Exner hatte dem Coach der Roten Teufel daraufhin Gelb und dann, als dieser sich abdrehend weiter echauffierte, die Ampelkarte gezeigt.
"Natürlich gibt es Momente der Eigenregulation"
"Ich bin halt so, dass ich ein bisschen Emotionalität mit rein bringe", sagte Lieberknecht mit etwas Abstand zu dem kämpferischen Match. "Ich bin vorher mit Dingen konfrontiert worden, die einen nicht zufriedenstellen. Auch mit dem Vierten Offiziellen konnte ich nur wenig in Kontakt treten, so dass ich nur diese Wahl hatte", begründete der Trainer, übte aber auch Selbstkritik: "Natürlich gibt es Momente der Eigenregulation, um der Situation emotionsfreier zu begegnen."
Nach dem Spiel habe er nicht mehr mit Referee Exner gesprochen, so Lieberknecht weiter: "Irgendwann ist es dann auch ok. Du kannst das Rad eh nicht mehr zurückdrehen."
Lieberknecht mit Plädoyer gegen den VAR
Generell ist der Coach der Roten Teufel unzufrieden mit den jüngsten Leistungen der Unparteiischen und ebenso mit dem Video-Schiedsrichter (VAR). "Es ist irgendwo ein Fehler im System. Es gibt keine einheitliche Linie. Trotzdem ist die Diskussion total müßig, weil wir den VAR nicht mehr abschaffen werden. Der steht und wird bleiben. Die Frage ist halt nur: Wo und wie kann man es reduzieren? Es wird immer komplizierter - vor allen Dingen für die, die es auf dem Platz entscheiden müssen: die Schiedsrichter. Die entscheiden meiner Meinung nach oftmals intuitiv richtig. Deswegen ist es schade, dass es, wenn überhaupt so eine Hilfe da ist, keine einheitliche Linie gibt. Ich plädiere für die Abschaffung des VAR - wohlwissend, dass das nicht kommen wird."
Entfacht hatte Lieberknechts Aufregung der Freistoß zum 0:1 durch Calvin Brackelmann. Es war eine harte Entscheidung von Schiri Exner - aber keine falsche. Ebenso war es vertretbar, in der 6. Minute weiterlaufen zu lassen, nachdem FCK-Angreifer Norman Bassette im Duell mit dem früheren Kaiserslauterer Felix Götze im Paderborner Strafraum zu Fall gekommen war. Und schließlich ahndete Exner in der Nachspielzeit ein Foulspiel von Lauterns Fabian Kunze an Paderborns Kennedy Okpala nach Ansicht der Videobilder mit Strafstoß für die Gäste, weil eine leichte Berührung vorlag. Filip Bilbija verwandelte zum 0:2 (90.+7). Der Treffer zum 1:2-Endstand durch Kenny Prince Redondo (90.+8) war nur noch Ergebniskosmetik für die Roten Teufel.
Die Chancen, noch im Aufstiegsrennen mitzumischen, sind somit nur noch sehr gering. Lieberknecht denkt aber nicht ans aufgeben. "Solange es theoretisch möglich ist, sollte man nicht die Dinge ad acta legen. In zehn Spielen sind noch 30 Punkte zu vergeben", sagte der 52-Jährige, gab aber auch zu: "Man muss authentisch bleiben und den Dingen realistisch begegnen. Fakt ist, dass wir einige Baustellen haben, die uns jetzt schon die ganze Saison begleiten. Trotzdem kriegen wir es geregelt, dass wir uns im Rahmen unserer Zielsetzung befinden."
Bochum "auch wieder eine Hausnummer"
Mit dem VfL Bochum (07.03., 20:30 Uhr) wartet der nächste harte Brocken auf den FCK. "Das ist auch wieder eine Hausnummer. Das wird herausfordernd", blickte Lieberknecht voraus. Ziel sei es, dort weiter nachzulegen. "Man sieht es in jedem Zweitligaspiel. Es kann jeder jeden schlagen." Fest steht bereits jetzt: Lieberknecht wird beim VfL nicht auf der FCK-Bank sitzen. Er wird aufgrund seiner Gelb-Roten Karte gesperrt fehlen.