"Das tut auf jeden Fall weh", sagte Kapitän Marlon Ritter nach der 0:2-Niederlage des 1. FC Kaiserslautern gegen Eintracht Braunschweig. "Aber im Anbetracht des Spiels kann ich die Pfiffe absolut verstehen." Schon zur Halbzeit machten die FCK-Fans ihrem Ärger hörbar Luft. "Ich glaube, dass man so nicht auftreten kann."
Das 0:2 - Faride Alidou (14.) und Erencan Yardimci (72.) trafen für Braunschweig - war alles andere als die erwartete Wiedergutmachung für das trostlose 0:3 bei Holstein Kiel. "Wir haben heute bodenlos gespielt", kommentierte Luca Sirch.
FCK-Kapitän Marlon Ritter zunächst nur Zuschauer
Ritter hatte sich die Partie 65 Minuten lang von der Bank aus angeschaut. "Eigentlich hatten wir das Spiel im Griff. Dann macht Braunschweig ein Tor aus dem Nichts." Das Tor fiel so überraschend, weil Lino Tempelmann zwar wuchtig, aber nicht sonderlich platziert schoss. Enis Kamga, der anstelle von Stammtorhüter Julian Krahl spielte und sein Profi-Debüt gab, ließ den Ball vor die Füße des Torschützen Alidou prallen. "Da darf man Enis keinen Vorwurf machen. Der ist trotzdem schwer zu halten", beschwichtigte Ritter.
Kamga mit fahrigem Debüt, Aufmunterung von Fans und Mitspielern
Wenige Minuten später musste Kamga sich von Maxwell Gyamfi retten lassen, weil er einen Rückpass von Florian Kleinhansl erneut vor Alidous Füße prallen ließ. "Da haben schon ganz andere Torhüter ganz andere Fehler gemacht", sagte Ritter. "Er war trotzdem über 90 Minuten lang ruhig und hatte einen ruhigen Fuß. Deswegen glaube ich, wir brauchen uns um den Jungen keine Sorgen zu machen."
Auch Sirch ließ nichts auf den 18-Jährigen kommen: "Enis hat eine enorm hohe Qualität. Er hat es sich verdient zu spielen. Und wenn er genauso weitermacht, wird er seinen Weg gehen. Wir stehen alle hinter ihm." Die Fans haben ihn auch explizit von ihrer lauten Kritik ausgenommen und den Jungen "sehr aufmunternd aus dem Stadion verabschiedet", wie Trainer Lieberknecht sagt. "Das ist ein Moment, den man ihm gerne erspart hätte. Entscheidend ist aber, dass wir auch nach dem Spiel immer noch das Gefühl haben, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, und dass er gezeigt hat, welches Potenzial in ihm steckt. Und das werden wir definitiv weiter fördern."
FCK wirkte verunsichert einfallslos
Der FCK musste trotzdem dem Rückstand hinterherlaufen. "Dann ist es das Spiel, worauf Braunschweig sich freut. Die können dann auf Fehler lauern, auf Konter lauern", sagte Ritter. "Und wir haben zu langsam gespielt, zu wenig Torchancen herausgespielt." Zwar hatte der FCK 74 Prozent Ballbesitz. Doch damit konnten die Roten Teufel nicht viel anfangen. "Uns hat heute ein bisschen die Idee mit dem Ball gefehlt", monierte Sirch. "In der zweiten Halbzeit musste der Torhüter überhaupt keinen Ball halten."
Auch Trainer Lieberknecht wirkte konsterniert: "Es ist immer schwierig, als Trainer das Spiel so rüberzubringen, dass die Fan-Seele nicht überkocht", sagte der 52-Jährige. "Wir haben das Spiel verloren, weil wir trotz des massiven Ballbesitzes keinen Zug, kein Tempo und keine Schnelligkeit in Richtung 16er gebracht haben. Es wirkte alles heute, wie in Schönheit gestorben zu sein und ohne Tempo gestorben zu sein."
Das nervt. "Und dann fängst du dir am Ende so einen Konter", monierte Ritter. Nach dem 0:2 war das Spiel entschieden. Kein Widerstand, kein Aufbäumen, kein Glauben, das Ergebnis noch irgendwie drehen zu können. "Ich weiß auch nicht, wo diese Verunsicherung herkommt", sagte Sirch.
Stellt der FCK erneut die Trainer-Frage?
Liegt es am Trainer? "Wir sind die auf dem Platz", wiegelte Sirch ab. Auch Marlon Ritter hat keine Lust auf diese Diskussion: "Das habe ich noch nie bewertet. Das werde ich auch heute nicht bewerten. Das ist nicht mein Job, dafür haben wir andere." Erreicht der Trainer die Mannschaft noch? "Wahrscheinlich."
Lieberknecht selbst gab sich zuversichtlich: "Also ich bin mehr als sicher, dass ich einen Rückhalt verspüre. Jeder weiß, wie die Situation ist, wie es bei uns in der Mannschaft aussieht und welche Dinge wir für die neue Saison vorbereiten müssen. Von daher habe ich, was das betrifft, ein gutes Gefühl."
Sportdirektor Klos: Lieberknecht bleibt FCK-Coach
Sportdirektor Marcel Klos stützte seinen Coach in dessen Gefühl: "Wir haben auch ein bisschen was ausprobiert. Natürlich war es auch irgendwo die Ausrichtung auf die kommende Saison. Es geht darum, eine gewisse Flexibilität reinzubekommen und die neue Saison vorzubereiten." Die Trainer-Frage wäre damit also beantwortet: "Torsten Lieberknecht ist unser Trainer und bleibt auch unser Trainer."
Kommende Woche greift der FCK erneut in den Abstiegskampf ein. Denn nach Holstein Kiel und Eintracht Braunschweig bekommen es die Roten Teufel am Samstag (13 Uhr live im Audiostream auf Sportschau.de) bei Dynamo Dresden gleich mit dem nächsten Kellerkind zu tun.