Schon über 80 Minuten waren am vergangenen Sonntag zwischen dem FCK und Darmstadt 98 gespielt, da schien die Stimmung im Fritz-Walter-Stadion zu kippen. Die Gastgeber drohten, im vierten Saisonspiel die dritte Niederlage einzustecken.
Mit einer tollen Energieleistung sorgten die Roten Teufel aber dafür, dass der Betzenberg eine Viertelstunde später einem Tollhaus glich. Neuzugang Naatan Skyttä (84. Minute), Faride Alidou (90.+1) und Tobias Raschl (90.+7) drehten die Darmstädter Führung durch Isac Lidberg noch in einen Sieg, der sich wahrlich nicht abgezeichnet hatte.
Skyttäs Treffer öffnet die Schleusen
Zu ungefährlich hatte sich der FCK in der bisherigen Spielzeit präsentiert, als dass eine Wende in der Luft gelegen hätte. Das Bemühen war den Pfälzern nicht abzusprechen, und die Leistung war auch eine bessere als beim 1:2 bei der SV Elversberg.
Torgefahr gab es dann in der Schlussphase aber reichlich. Skyttäs Treffer, der erste des FCK aus dem Spiel heraus in dieser Saison, war ein echter Dosenöffner. Wie entfesselt sicherten die Roten Teufel im Anschluss den zweiten Saisonsieg vor einer Kulisse, die FCK-Trainer Torsten Lieberknecht anschließend im Sportschau-Interview ehrfürchtige Worte abrang: "Das ist der Mythos Betzenberg, das ist der Mythos Westkurve."
FCK-Angreifer Alidou in starker Verfassung
"Freude pur" und Erleichterung sei der Sieg, sagte Lieberknecht. Freude konnte er vor allem über sein glückliches Händchen bei den Auswechselungen haben. Alle drei Torschützen hatte der FCK-Trainer von der Bank gebracht. Alidou hatte zudem Skyttäs Tor vorbereitet und war bei seinem Kopfballtor mustergültig vom ebenfalls eingewechselten Leon Robinson bedient worden. Fünf Scorerpunkte einzuwechseln, das passiert auch nicht alle Tage.
Alidou ist dabei so etwas wie die (Neu-)Entdeckung des Sommers. Der im Winter von Eintracht Frankfurt verpflichtete Linksaußen ist mit bislang zwei Vorlagen und einem Treffer der Top-Scorer des FCK. In der vergangenen Rückrunde war der 24-Jährige nicht über die Rolle als Ergänzungsspieler hinausgekommen. Jetzt präsentiert sich der gebürtige Hamburger in starker Verfassung und sorgt für die offensiven Momente, die man eher von Marlon Ritter oder den Neuzugängen Mahir Emreli und Ivan Prtajin erwartet hatte.
FCK mit etwas Ruhe in Länderspielpause
Der Erfolg gegen die Lilien war vor allem auch deshalb wichtig, weil die Grundstimmung um den Betzenberg eine ganz andere ist als vor der Partie. So geht ein Großteil der Anhänger mit einem gewissen Optimismus in die Länderspielpause.
Bei einer Niederlage wäre die bereits aufkeimende Kritik an Lieberknecht sicher noch einmal schärfer geworden. So aber bleiben dem FCK-Trainer und seinem Team rund zehn Tage, um an den dringend benötigten Verbesserungen im Offensivspiel zu arbeiten.
Der Auftritt gegen Darmstadt war bei allem Engagement über weite Strecken erneut zu harmlos geraten. Wobei zur Wahrheit auch gehört, dass es der FCK zum Start ausschließlich mit extrem formstarken Teams zu tun hatte. Die Lilien hatten bis zum Sonntag noch nicht verloren. Die drei übrigen bisherigen Kontrahenten Hannover 96, SV Elversberg und Schalke 04 belegen die Tabellenplätze eins bis drei.
Fürth mit viel Offensivpower
Die nächste Aufgabe nach der Länderspielpause erwartet den FCK am Sonntag (14. September) bei der SpVgg Greuther Fürth. Dann wird neben der Offensive auch die Abwehr gefordert sein. Die Franken siegten zuletzt spektakulär mit 5:4 beim 1. FC Magdeburg und stellen mit Noel Futkeu und Felix Klaus gleich zwei Spieler, die bereits vier Tore auf dem Konto haben.
Die beiden Mannschaften bilden mit jeweils sechs Punkten aktuell praktisch das Mittelfeld. So wird das Duell zum Trendmesser für die kommenden Wochen: Der Sieger darf sich Hoffnungen darauf machen, sich in der oberen Hälfte festzusetzen.