Der 1. FC Kaiserslautern erfindet sich nach dem Wechsel von Ragnar Ache (zum 1. FC Köln) im Angriff neu. Mit Mahir Emreli vom 1. FC Nürnberg und Ivan Prtajin von Union Berlin sind gleich zwei neue Mittelstürmer am Betzenberg, die den Anspruch auf einen Stammplatz haben.
Mit Daniel Hanslik steht zudem der nach Ache beste Scorer der vergangenen Saison im Aufgebot von Torsten Lieberknecht. Der Trainer favorisiert ein System mit zwei echten Sturmspitzen. Das sind für das ambitionierte Trio erstmal gute Nachrichten, doch Lieberknecht ist kein Coach, der starr an einer Grundordnung festhält.
Hanslik und Prtajin gegen Rom von der Bank
Im letzten Test vor dem Saisonstart bei Hannover 96 (Sonntag, ab 13:30 Uhr im Liveticker und Audiostream auf sportschau.de) gegen die AS Rom agierten die Roten Teufel nur mit einem gelernten Angreifer: Mahir Emreli spielte von Beginn an. Kapitän Marlon Ritter war als zweiter Stürmer nominiert, ist aber schon aufgrund seines spielerischen Naturells eher als Unterstützung des dahinter agierenden Semih Sahin zu sehen. Ob Ritter tatsächlich als zweite nominelle Spitze eine Option ist? Denkbar scheint es zumindest zu sein, sonst hätte Lieberknecht es eine Woche vor dem Ligastart wohl kaum getestet.
Hanslik und Prtajin kamen dagegen zu Beginn der zweiten Halbzeit ins Spiel, in dem der Zweitligist offensiv jedoch über die gesamte Spielzeit kaum Gefahr im Strafraum der Römer zustande brachte. Die beste Gelegenheit bot sich noch Prtajin, dessen Kopfball das Tor knapp verfehlte und der insgesamt einen agilen Eindruck hinterließ.
Emreli scheint nach den Eindrücken der Vorbereitung und dem Spiel gegen Rom dennoch aktuell die besten Chancen auf einen Platz in der Startelf zu haben. Wobei Lieberknecht in den vergangenen Wochen im Angriff eine Menge ausprobiert hat. Gegen Notts County standen gar Emreli, Hanslik und Prtajin gemeinsam von Beginn an auf dem Feld. Gegen St. Gallen bildeten Emreli/Prtajin das Offensiv-Duo, gegen den SSV Reutlingen Hanslik und der zuletzt an Eintracht Braunschweig ausgeliehene Richmond Tachie. Dem 26-Jährigen dürfte für die Position im Angriff vorerst jedoch nur die Rolle als Ergänzungsspieler bleiben.
Prtajin mit Neustart beim FCK?
Hanslik und Emreli haben eine erfolgreiche Saison hinter sich. Emreli erzielte für den 1. FC Nürnberg in 24 Spielen zehn Tore, unter anderem ein echtes Traumtor beim 2:1-Sieg auf dem Betzenberg. Hanslik spielte mit acht Treffern und zehn Vorlagen seine mit Abstand stärkste Zweitliga-Saison für den FCK. Zudem war der 28-Jährige immer dann zur Stelle, wenn Ragnar Ache verletzt ausgefallen war.
Prtajin hat dagegen ein sportlich schwieriges Jahr hinter sich. Nach seinem Wechsel vom SV Wehen Wiesbaden zu Union Berlin kam der Kroate an der Alten Försterei nie über eine Nebenrolle hinaus. Nach nur fünf Einsätzen mit 158 Minuten Spielzeit nimmt Prtajin nun am Betzenberg einen neuen Anlauf.
Einer, der genau weiß, wie man im Unterhaus trifft, traut dem 29-Jährigen eine Menge zu. Für Zweitliga-Rekordtorschütze Simon Terodde ist Prtajin neben Dawid Kownacki (Hertha BSC) und Moussa Sylla (Schalke 04) ein Kandidat für die Torjägerkanone, wie er dem "kicker" sagte. Beim SV Wehen Wiesbaden habe Prtajin seine Qualitäten im Strafraum eindrucksvoll unter Beweis gestellt. In der Saison 2023/2024 hatte der Kroate für den Absteiger 13 Tore erzielt.
Viele offene Fragen beim FCK
Noch seien nicht viele Plätze für die Startelf in Hannover vergeben, ließ Lieberknecht nach dem Test gegen Rom durchblicken. Die Besetzung einiger Positionen dürfte auch stark von den Trainingseindrücken unter der Woche abhängen.
Das gilt auch und insbesondere für die Besetzung in der Offensive. Mahir Emreli und Ivan Prtajin? Einer von beiden mit Daniel Hanslik? Nur einer dieser drei? Oder gar doch Marlon Ritter? Der Konkurrenzkampf im FCK-Angriff ist so offen wie nie. Mit der Defensivleistung zeigte sich Lieberknecht zuletzt schon sehr einverstanden, für das Spiel nach vorne wünschte er sich mehr Mut.
Wie weit der FCK in der Entwicklung des Offensivsspiels schon ist, wird in Hannover einer echten Prüfung unterzogen: Die Niedersachsen stellten in der vergangenen Spielzeit die beste Abwehr der 2. Bundesliga. Lieberknecht und seinem Trainerteam bleibt bis zum Sonntag die Aufgabe, das richtige Personal auszuwählen, um die Abwehr der 96er zu knacken.