Fußball | 2. Bundesliga

"Das ist der Mythos Betzenberg": Lieberknechts Joker sorgen vorerst für Ruhe beim FCK

Nach einem wilden Schlussspurt schlägt der 1. FC Kaiserslautern den SV Darmstadt 98. Anschließend ist die Erleichterung beim FCK groß. Die anstehende Länderspielpause soll genutzt werden, um weiter als Team zusammenzuwachsen.

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Von Autor/in Johann Schicklinski

Nach dem erlösenden finalen Tor durch Tobias Raschl (90. Minute +7) gab es auf dem Betzenberg kein Halten mehr. Die Fans des 1. FC Kaiserslautern rasteten ob des 3:1-Heimsiegs gegen den SV Darmstadt 98 schier aus. Neben der kolossalen Erleichterung, einen Fehlstart in der 2. Liga noch abgewendet zu haben, dürfte die vorherrschende Gemütslage unter den Anhängern Ungläubigkeit gewesen sein, denn nur etwas mehr als zehn Minuten vor Raschls Treffer deutete nur sehr wenig auf einen FCK-Heimsieg hin.

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1:0 führten die Gäste aus Darmstadt zu diesem Zeitpunkt durch Isac Lidberg (62.), ehe die Roten Teufel in einem furiosen Finish die Partie durch die Tore von Naatan Skyttä (84.), Faride Alidou (90.+1) und eben Raschl noch drehten. Der FCK weist durch den Erfolg nun sechs Punkte aus vier Spielen auf - eine ordentliche Basis, um nach der anstehenden Länderspielpause weiter anzugreifen.

Besonderes Spiel für FCK-Trainer Torsten Lieberknecht

Für Kaiserslauterns Trainer Torsten Lieberknecht war die Partie gegen die Lilien ein besonderes Spiel - und zwar aus zwei Gründen. Zum einen, weil es gegen seinen Ex-Klub ging, den er von 2021 bis 2024 trainierte. Zum anderen, weil es rund um den FCK bereits vor dem Match gegen die Südhessen ein wenig unruhig geworden war ob des holprigen und vor allem in der Offensive stark ausbaufähigen Saisonstarts.

"Das Gaspedal getreten"

Nach dem Heimerfolg kann Lieberknecht vorerst in Ruhe weiterarbeiten. Dementsprechend war seine Stimmung nach dem Schlusspfiff. "Das war pure Freude. Ich bin sehr erleichtert darüber, dass wir doch noch den Dreier geholt haben. Die Erleichterung ist nicht nur bei mir groß, sondern bei uns allen. Wir haben gegen einen schweren Gegner gespielt, der noch ungeschlagen war. Uns allen ist ein großer Stein vom Herzen gefallen", sagte der Trainer im Gespräch mit SWR Sport.

Lieberknecht gefiel vor allem "die Art und Weise" des Sieges: "Wir wussten, wenn wir die athletische Komponente mit reinbringen und das Gaspedal treten, können wir Darmstadt hinten heraus schlagen - und so war es auch." Gleichzeitig gestand der Coach ein, nach einem intensiven Match "etwas leer" zu sein.

Und natürlich schmeckte dem FCK-Trainer der Sieg ob der späten Tore besonders gut. "Das ist der Mythos Betzenberg, das ist der Mythos Westkurve", befand Lieberknecht. Dort stehen die treuesten der treuen Fans - und auf eben diese Kurve spielten die Roten Teufel in der zweiten Halbzeit gegen Darmstadt: "Diesen Mythos hat man heute gespürt."

Lieberknechts Joker bringen die Wende

Daran, dass die Kritik nun abnehmen dürfte, hatte Lieberknecht selbst großen Anteil: Der FCK-Coach wechselte nämlich den Sieg ein. Alle drei Torschützen der Pfälzer kamen von der Bank. Man könnte auch sagen: Lieberknechts Joker brachten die Wende.

Faride Alidou mit starker Bilanz

Gleich zwei Scorerpunkte verbuchte Alidou, der den Ausgleich vorbereitete und das 2:1 selbst erzielte. "Er ist trotz aller Kritik dran geblieben - deswegen freut es mich total für ihn", sagte Lieberknecht über Alidou: "Es freut mich auch, wie die Mannschaft mit ihm gefeiert hat. Ein toller Tag für ihn." Dabei ließ der Offensivspieler in der Nachspielzeit sogar noch eine gute Kontergelegenheit liegen, als ihm sichtlich die Kraft ausgegangen war.

Nun darf der 1. FC Kaiserslautern erstmal durchschnaufen, ehe es in zwei Wochen (14.09., 13:30 Uhr) bei der SpVgg Greuther Fürth weitergeht. "Die Jungs dürfen ein bisschen feiern und auch mal ein Bierchen trinken. Aber jeder weiß, dass es dann auch einen Tag danach gibt", sagte Lieberknecht.

Und am Tag danach geht es dann mit harter Arbeit weiter, denn die Baustellen waren auch gegen die Lilien offensichtlich. Es hakt weiterhin im Offensivspiel, es fehlt weiterhin an Kreativität, einzelne Spieler sind im Formtief, wie etwa Marlon Ritter. Deshalb wolle man beim FCK nun versuchen, in der Länderspielpause weiter zusammenzuwachsen und Abläufe zu verbessern, so Lieberknecht. Die Motivation dafür ist aber groß - an Defiziten arbeitet es sich mit drei Punkten im Rücken nämlich leichter. Erst recht nach einem so späten Sieg wie gegen Darmstadt.