Nach dem Abpfiff war auf dem Betzenberg erstmal kollektives Durchatmen angesagt. Die Stimmung bei Spielern, Fans und Funktionären? Eher gedämpft. Cheftrainer Torsten Lieberknecht war sofort in der Kabine verschwunden, die Mannschaft klatschte eher zaghaft vor der FCK-Kurve und bedankte sich für die Unterstützung. Keine überschwänglichen Freudenszenen nach dem 1:0-Heimerfolg gegen den Tabellenletzten Greuther Fürth, keine Tänze, keine Welle. Warum auch? Der knappe Sieg war letztlich eher glücklich zustande gekommen. "Mir war wichtig, einer ganz bestimmten Person eine Nachricht zu schreiben und ihm den Sieg zu widmen", begründete FCK-Coach Lieberknecht seinen längeren Verbleib in den Katakomben. An wen die Nachricht ging, wollte er gegenüber SWR Sport allerdings nicht verraten.
Torschütze Semih sahin "Es sah scheiße aus..."
"Da fällt schon Druck ab, nachdem wir die letzten zwei Spiele verloren hatten", atmete auch Torschütze Semih Sahin nach dem Abpfiff im Gespräch mit SWR Sport tief durch, "auch wenn`s scheiße aussah, es war ein Arbeitssieg. Aber es ist auch nicht selbstverständlich, dass man gegen den Tabellenletzten siegt". Und das nach einer "nicht einfachen Woche", so Lieberknecht, "war es eine Drucksituation. Aber die Jungs haben wieder mal so ein Ding gezogen. Sie haben zusammen gefightet, sich aber auch das Leben selbst schwer gemacht mit den vergebenen Chancen".
Semih Sahins kurioser Kopfballtreffer zur FCK-Führung
Kurios der Führungstreffer des FCK, zugleich der Siegtreffer. Erst rettete Fürth-Ersatzkeeper Silas Prüfrock per Hechtkopfball bei einer Rückgabe seines Verteidigers Brynja Bjarnason in höchster Not. Nach der folgenden Ecke boxte Prüfrock den Ball eher halbherzig an die Strafraumkante, von wo Semih Sahin den Ball per Bogenlampe unter die Latte zum 1:0 für Kaiserslautern ins Tor köpfte (10. Minute). Ein Kopfballtreffer aus gut und gerne 15 Metern Torentfernung - eher eine Seltenheit im Fußball: "So ein Tor hab ich noch nicht erlebt", sagte Matchwinner Sahin nach Spielende, "an einem guten Tag geht er rein, an einem schlechten geht er drüber". Und letztlich war es das Tor, das die mäßige Partie entschied. "Das Tor freut mich sehr für ihn", lobte auch Coach Lieberknecht, "er hat ein phantastisches Spiel mit viel Herz abgeliefert".
Einerseits hätten die Lautrer vor der Pause gut und gerne einen zweiten oder dritten Treffer erzielen können - allein der belgische Neuzugang Norman Bassette (27. und 36. Minute) lief zweimal alleine auf Prüfrock zu und setzte den Ball bei der ersten Top-Chance am Tor vorbei, in der zweiten Szene scheiterte er am Keeper. Andererseits blieben die Franken mit ihrem flotten Konterspiel stets gefährlich. Die Defensive des FCK, schon gegen Elversberg und Darmstadt das Sorgenkind, wackelte ein ums andere Mal bedenklich.
Norman Bassette scheitert drei Mal frei vor dem Tor
Auch in der zweiten Spielhälfte setzte Bassette seine bemerkenswerte Unwucht bei der Verwertung bester Torchancen munter fort und sorgte damit für allgemeines Kopfschüteln: Nach 55 Minuten kam der 21-Jährige nach einem Fürther Abwehrpatzer zum dritten Mal frei vor Torhüter Prüfrock an den Ball und verzog ihn erneut - diesmal weit am Gehäuse vorbei.
Nach einer guten Stunde war dann der eher gebrauchte Arbeitstag des unglücklichen Angreifers vorzeitig zu Ende. Für den Belgier kam Daniel Hanslik in die Partie. Positiv zwar für Bassette, dass er sich die Torchancen erarbeitet. Negativ allerdings, dass er sie reihenweise vergibt und damit auch nach dem fünften Spiel im FCK-Trikot weiter auf seinen ersten Zweitligatreffer wartet. Die Torlosigkeit des Stürmers Bassette, irgendwie symptomatisch für den gesamten Auftritt eines verunsicherten FCK-Teams an diesem Samstagnachmittag vor den 41.000 Zuschauern.
Fürth mit den besseren Aktionen nach der Pause
Die Partie war und blieb ein Chancenfestival auf beiden Seiten. Die größten Aufreger: Paul Wills vermeintlicher Ausgleich war wegen Foulspiel von Mitspieler Branimir Hrgota an FCK-Keeper Julian Krahl zurecht zurückgenommen worden (49.), Branimir Hrgota schoss ans Lattenkreuz (63.), FCK-Youngster Mika Haas traf den linken Pfosten. Die Fürther waren nahe dran am Ausgleich, die Lautrer schafften es mit Ach und Krach den vor allem für die Moral wichtigen Dreier nach Hause zu bringen.
Nächste Woche in Münster
"Wir waren in der Pflicht, einen Dreier zu holen", so Lieberknecht, "das war einer der berühmten Arbeitssiege. Jetzt bereiten wir uns auf den nächsten Gegner vor". Der dann nächste Woche Sonntag Preußen Münster heißt. "Heute hat man gesehen, dass einige beim Spiel nachdenken", bilanzierte Siegtorschütze Sahin, "wir müssen einfach diese individuellen Fehler abstellen". Das, so Sahin mit markigen Worten, gelte auch für das kommende Auswärtsspiel in Münster: "Da müssen wir gewinnen, scheißegal wie". Dem ist nichts hinzuzufügen.